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Retzlaff schloss seine Glückwünsche für die jetzigen Schüler der Anstalt mit einem vivant, crescant, floreant und einem dreimaligen Hurrah. Herr Rektor Luerssen, der die Grüsse der Volksschule brachte, pries den Gymnasiallehrer der guten alten Zeit, der lange des Volkes beste Güter und Ideale bewahrt und gepflegt habe, und trank auf das Wohl der Lehrer und Schüler des Gymnasiums mit dem Wunsche: Pergas, pergas, gymnasium, in saecula saeculorum. Der Trinkspruch des Herrn Professor Kegel aus Dillenburg ebrte die Damen. In humorvollen Versen berichtete darauf Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Brauneck aus Wiesbaden von seiner Schülerzeit, insbesondere von einer Schülerfahrt im Jahre 1848 in das Frankfurter Parlament und zollte dem Festausschuss seinen Dank und Beifall durch ein begeistert begrüsstes Hoch. Herr Dr. med. Braun rühmte das gute Verhältnis zwischen Schule und Haus. Herr Provinzial-Schulrat Dr. Matthias brachte Herrn Geheimrat Jaeger, dem Mentor der rheinischen Gymnasialdirektoren, ein freudig aufgenommenes Hoch aus. Dem Herrn Geheimrat Vogt, der das Fest vor dem Abschluss hatte verlassen müssen, sandten auf Veranlassung des Herrn Dr. med. Belgard seine früheren Schüler die herzlichsten Grüsse durch den Draht nach.
Mit frohem Jubel wurde eine grosse Zahl von Glückwünschen und Begrüssungen em- pfangen, die während der Feier von auswärts einliefen und von Herrn Justizrat Aldefeld mitge- teilt wurden.
So verlief das Festmahl in gehobenster Stimmung, bis die Versammlung zur Hospitalwiese aufbrach, wo um 6 Uhr das Ballspiel beginnen sollte. Auf der ausgedehnten und schön gelege- nen Wiese entwickelte sich unter den Schülern der oberen Klassen ein lebhaftes Wfettspiel, in welchem ihre körperliche Gewandtheit und ihr jugendlicher Eifer nicht minder wie ihre Gewöh- nung an freiwillige Unterordnung unter die selbstgewählten Führer die Herzen der zahlreichen Zu- schauer erfreute. Nach vollendetem Spiele empfing jeder Teilnehmer einen Eichenzweig als Lohn aus der Hand des Direktors.
Am Abend um 8 ½ Uhr fand im„Römischen Kaiser“ ein Tanz statt, zu welchem der Festausschuss die Schüler eingeladen hatte. Durch den Zauber des Festes liessen sich aber auch die übrigen Jubelgenossen dorthin ziehen, wo sie am frischen fröhlichen Treiben der unermüd- lichen Jugend sich ergötzten und den Tag in gemütlichem Zusammensein mit den wiedergefundenen Schulfreunden beschlossen.
Am dritten Tage fand um 11 Uhr vormittags auf dem Turnplatz und in der Turnhalle der Anstalt ein Schauturnen statt. Die Vorführungen begannen mit einem Wettlauf und anderen Bewegungsspielen der kleineren Schüler; dann folgten Springübungen der Quartaner und zuletzt ein Kürturnen von Schülern der oberen Klassen. Man merkte den Durnern die Anstrengun- gen des vorangegangenen Tages nicht an, mit solcher Sicherheit führten sie die zum Teil recht schwierigen Ubungen am Reck, Pferd und Barren aus.
Nach dem Schauturnen verweilten die Festteilnehmer noch eine Stunde in dem nahegele- genen Kasinogarten. Am Nachmittag sammelten sich die Schüler um 3 ½ Ubr auf dem Schulhof, um unter klingendem Spiel mit ihrer neuen Fahne durch die Stadt nach der Ruine Kalsmunt zu ziehen. Von dort gelangte der Zug auf einem Umwege in den Schützengarten, wo die ehemaligen Schüler der Anstaft den gegenwärtigen einen Trunk und einen Imbiss bereitet hatten. Die fröh-


