Jahrgang 
1900
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Der Schülerchor stimmte nach dieser Rede den Gesang von A. E. Grell an:Herr, deine Güte reicht so weit. Daran reihten sich weitere beglückwünschende Ansprachen. Zuerst erhob sich der frühere Leiter des Gymnasiums, Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Vogt aus Cassel, um in warmen Worten seine Wünsche für die Zukunft der Anstalt auszudrücken. Mit einem Herzen voll Freude und Dank, so etwa waren seine Worte, sei er in die liebe alte Stadt gekommen, in welcher er vier der glücklichsten Jahre seines Lebens zugebracht habe. Zwar sei das Aussere der Stadt und des Gymnasiums wesentlich verändert, aber der Geist, der in der Anstalt von jeher geherrscht habe, sei geblieben, wie er gestern bei der Vorfeier wahrgenommen; fest und uner- schüttert seien die Eek- und Grundsteine, auf denen der Bestand des deutschen evangelischen Gymnasiums beruhe: die Pflege des klassischen Altertums, der Liebe zum Vaterlande und der festen Treue im Christentum. Dass diese Grundlage dem Gymnasium stets erhalten bleibe zum Segen der Jugend, zum Wohle des Vaterlandes und zur Ehre Gottes, das sei an diesem Ehren- und Festtage sein innigster Glück- und Segenswunsch. Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Jäger brachte die Glückwünsche der sieben höheren Lehranstalten Kölns und überreichte unter Hinweis auf seine ehemalige Wirksamkeit am Wetzlarer Gymnasium demselben ein Exemplar der neuesten Auflage seiner Weltgeschichte. Vor vierzig Jahren sei er aus seiner schwäbischen Heimat nach Wetzlar gekommen. Hier habe er zuerst die Kraft, die dem preussischen Staat innewohne, wahrgenommen und die Bedingungen erkannt, die zur deutschen Einheit führen mussten; das da- malige Lehrerkollegium, in dem fast alle Landsmannschaften vertreten gewesen, habe ein überaus. charakteristisches Bild deutscher Einheit dargeboten. In Wetzlar sei er zum ersten Male in die Lage versetzt worden, Geschichtsunterricht zu erteilen, und hier sei ihm denn auch zuerst der Gedanke gekommen, dass es dermaleinst sein Amt sein dürfte, ein Geschichtsschreiber zu werden. Herr Pfarrer Geibel aus Krofdorf, der vor 60 Jahren Schüler des hiesigen Gymnasiums war, be- grüsste hieraut im Namen der anwesenden alten Schüler die Anstalt, welche Gottes Gnade durch wechselvolle Schicksale zur Vollendung des ersten Jahrhunderts geführt habe, und verband damit den herzlichen Wunsch, dass sie auch ferner eine gründliche Kenntnis der alten Kulturvölker und eine lebendige Vaterlandsliebe pflegen möge. Herr Professor Kegel aus Dillenburg und Herr Professoer Müller aus Weilburg überreichten als Abgesandte ihrer Anstalten Glückwunschtafeln mit herzlichen Begrüssungsworten.

Der Universitätsprofessor Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Münch in Berlin hatte als dankbarer Schüler der alten Anstalt den Feiernden Grüsse und gute Wünsche geschickt. Auch Herr Regierungs- präsident Dr. Wentzel in Wiesbaden sandte in angenehmer Erinnerung an seine früheren dienstlichen Beziehungen zum Gymnasium zur Jubelfeier der Anstalt seine wärmsten Glückwünsche. Ver- schiedene frühere Lehrer waren persönlich erschienen, ausser den schon genannten die Herren Schulrat Dr. vom Berg aus Hannover, Direktor Dr. Hessel aus Coblenz, Oberlehrer Neuber aus Bonn, Oberlehrer Dr. Schlabach aus Düsseldorf und L. Seher aus Essen. Viele andere übermittelten du rch den Telegraphen oder in Briefen ihre Glückwünsche. Herr Professor Dr. Todt in Essen hatte in treuer Anbänglichkeit ein besonderes carmen saeculare ad gymnasium Guetzlariense gedichtet, welches gedruckt und unter die Festgenossen verteilt ward. Von dem Lehrerkollegium des Gym- nasiums zu Kreuznach war ein schönes Gedenkblatt mit Glückwünschen, von Herrn Professor Dr.