Jahrgang 
1900
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Sehr Erhebliches geschah in neuerer Zeit unter dem Einfluss einer fortgeschrittenen öffent- lichen Gesundheitspflege zur Ausstattung der Schule mit äusserem Bedarf; erfreulicher Weise sind wir doch hier über den Notbehelf früherer Tage hinausgekommen. Unqd es ist ein Glück, dass wir mit einem neuen Schulhaus, mit dem ein erneuter Anbau innerlich verbunden ist, mit einem grossen Turnplatz, auf dem eine geräumige Turnhalle steht, und mit dieser neuen Aula dem Lehr- satz vom gesunden Geist im gesunden Leibe entsprechen können. Während der grossen Pausen benützen die Schüler einen geräumigen Platz auf der benachbarten Promenade. Ausserhalb der Schulzeit tummelt sich ein- bis zweimal wöchentlich Gross und Klein auf der Hospitalwiese nahe dem Bahnhof in munterem Spiel.

Den übelen Folgen der Masse und Mannigfaltigkeit der Lehrgegenstände aber sucht die Schule ernstlicher als früher durch alte Mittel zu begegnen, indem sie zwischen den verschiedenen Fächern Beziehungen herstellt, verwandte Gegenstände mit einander abwechseln lässt, anstatt sie gleichzeitig nebeneinander zu behandeln, auf systematische Vollständigkeit verzichtet und den Schwerpunkt auf wenige Dinge legt, neben der Denkkraft die Kraft der Anschauung und andere mehr sinnliche Kräfte ebenfalls zu ihrem Rechte kommen lässt. So wird es ibr möglich, doch bis in das Innere der Dinge zu dringen und auch das Herz der Jugend zu berühren und zu ergreifen.

Aber trotz so mancher Anderungen, welche zum Teil Erleichterungen für die Jugend bedeuten, hat das Gymnasium doch eine Forderung, ohne die sie aufhören würde, eine deutsche Schule zu sein, festgehalten, die Forderung ernster, täglicher Pflichterfüllung, und ich darf wohl auf Grund eigener langjähriger Erfahrungen behaupten, dass unsere Jugend hinter der Jugend der

durch Vergleichungen in den Geist der eigenen Sprache einzuführen. An der Aufgabe freilich. sie wissenschaftlich vorzubereiten, Wahrheit crarbeiten zu lehren, an dieser Aufgabe muss der altsprachliche Unterricht heute andere Lehrfächer mehr als früher teilnehmen lassen.

Der französische Unterricht sucht mittels der Lektüre die Schüler mit der Sprache und dem Leben Frank- reichs bekannt zu machen. Daneben legt er heute besonderen Wert auf die mündliche Anwendung, mehr als auf den schriftlichen Gebrauch. Zu dieser neuen Sprache tritt das Englische für die Klassen Obersekunda und Prima als wahlfreies Fach, wie auch für die Schüler der mittleren Klassen, die die Schule nicht durchmachen sollen, als Ersatz für das Griechische.

Im Geschichtsunterricht, der weiter fortgeführt wird, als früher, und auch das Zeitalter Kaiser Wilhelms und des Fürsten Bismarek in die Betrachtung zieht, suchen wir zum Verständnis unserer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwickelung die historische Grundlage zu legen. Dabei wird dieser Unterricht von dem geographischen unterstützt, der sich ausserdem mit den entsprechenden Verhältnissen der übrigen Völker der Erde zu befassen hat.

Das Ziel des mathematischen Unterrichts ist heuto kaum höher gesteckt, als früher, und da die geometrische Anschauung die allzu abstrakten logischen Schlussfolgerungen mehr und mehr verdrängt hat, so können wir heute bei jedem Schüler die Fähigkeit im Nachdenkeu cinfacher mathematischer Gedanken voraussetzen.

Die Naturwissenschaft gliedert sich mit ihrer Grammatik, der Mathematik, als willkommene Genossin der übrigen Lehrfächer in den Lehrplan cin und nimmt nicht nur, weil unser Zceitalter ein vorwiegend technisches ist, sondern aus eigenem Rechte ebenbürtig an der Schulbildung teil, zumal seit der physikalische Unterricht sich reichlicherer Anschauungsmittel bedienen kann und besondere Arbeits- und Lehrzimmer erhalten hat.

Auch der Zeichenunterricht, in welchem die Schüler, wie im naturgeschichtlichen, zu ciner genauen, ge- sammelten und vertieften Beobachtungsweise angehalten werden sollen, ist durch Gewährung eines neuen Zeichen- saales erheblich gefördert worden.