Jahrgang 
1900
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Heimkehr ihre Studien bei uns wieder aufnahmen, das ist den Betreffenden in lebhafter Erinnerung. Aber hinweisen muss ich hier darauf, dass, als nach der Gründung des neuen Reiches Fürsten und Volk vor der gemeinsamen Aufgabe standen, das Errungene zu bewahren und eine Mehrung der allgemeinen Wohlfahrt zu sichern, welche der Schwere der dargebrachten Opfer entsprach, auch dem Gymnasium eine wichtige Aufgabe zufiel.

Zunächst galt es, die Jugend aus diesem Grunde noch mehr als vorher mit den Helden und Gütern unseres Landes, mit-dem Reichtum seines Geisteslebens, mit den Grundlagen unseres Volkstums und unseres Staates vertraut zu machen und sie zur Teilnahme am öffentlichen Leben, zur Erfüllung der gesteigerten politischen Pflichten, zum Bewusstsein der Mitverantwortlichkeit des Einzelnen für das politische und gesellschaftliche Leben des Ganzen zu erziehen. Da ferner die wirtschaftlichen Vorgänge im Lande das öffentliche Leben augenfälliger als früher beeinfluss- ten und einen von Jahr zu Jahr steigenden Verkehr und Wettbewerb unseres Volkes mit anderen Nationen hervorgerufen hatten, so war darauf Bedacht zu nehmen, dass zu einem tieferen Ver- ständnis für wirtschaftliche Fragen und für die Eigenart fremder Kulturvölker in der Schule festere Grundlagen gelegt wurden. Endlich musste gegenüber der Thatsache, dass die Fülle des zu lernenden Wissens grösser geworden war, und es nicht gelingen konnte, von der Zahl der Lehrgegenstände erhebliche Abstriche zu machen, den hier drohenden Gefahren für die körperliche und geistige Gesundheit begegnet werden.

Solche Erwägungen führten zu den Reformen der Jahre 1882 und 1892, durch welche der Lehrplan unseres Gymnasiums seine heutige Gestalt gewann. Mehr Beziehung des Unterrichts zur Gegenwart, ernstere Berücksichtigung des erzieherisch Wertvollen, innigere Verbindung der formalen und materialen Bildungsziele wurde gefordert. Einige Fächer, die zu sehr eingeengt waren, erhielten mehr Raum; jedoch blieben die alten Bildungsmittel bestehen.)

4*) Da die Bereitschaft zum Absprechen über die Schulen in unseren Tagen besonders lebhaft ist und man in der Regel nur das hervorhebt, was sie nicht leisten, sei es mir vergönnt, mit kurzen Worten zu bezeichnen, was von unserer Schule nach dem bestehenden Lehrplane gelcistet werden soll und Wohl auch im wesentlichen geleistet wird.

Der Religionsunterricht verfolgt, unterstützt von der Gesamtthätigkeit der Schule, das Ziel, die Jugend in Gottes Wort zu erziehen, an eine ernste Auffassung aller sittlich-religiösen Dinge zu gewöhnen und ihr eine tieferc Teilnahme für die Aufgaben einzupflanzen, welche das Christentum an das Denken und Wollen jedes Einzelnen stellt.

Im deutschen Unterricht bleibt es ausser der Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Muttersprache eine Hauptaufgabe, dass Geschmack und Urtcil der Jugend durch eine gründliche Behandlung einiger der Hauptwerke Lessings, Shakespeares, Gocthes, Schillers gebildet werde, und dass sie dadurch einen sicheren Mass- stab zur Beurteilung ihrer ferneren Lektüre gewinne.

Wenn dieser Unterricht heute mehr in den Vordergrund getreten ist, so haben sich die alten Sprachen. und die alte Geschichte ceine Beschränkung gefallen lassen müssen. Immerhin werden diesen Fächern in den mittleren und oberen Klassen noch mehr als zwei Schulstunden täglich gewidmet. So pleibt doch noch eine intensive Beschäftigung mit dem Altertum möglich und dieselbe ist auch heute noch als ein vorzügliches Mittel nicht bloss intellektueller und ästhetischer, sondern auch sittlicher und nationaler Bildung zu bezeichnen. Wer sich so eingehend mit Homer, Sophokles und Plato beschäftigt, wie wir es in der Prima verlangen, der findet ein Gegengewicht gegen die schädlichen Einflüsse, welche in der unruhigen, zerstreuenden Gegenwart auf die Jugend eindringen. Und es ist ferner für unsere Jugend von ganz besonderem Werte, dass sie gerade in der alten Litteratur und Geschichte überall der Anschauung begegnet, der Bürger sei für den Staat geboren und der Dienst fürs Vaterland sei eine schöne Pflicht. Noch heute bieten ferner die alten Sprachen eine gute Gelegenheit, um die Jugend