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Leider fand die Amtsthätigkeit Snells, unter dessen Leitung die Anstalt rasch einen grossartigen Aufschwung nahm(die Schülerzahl stieg in einem Jahre von 64 auf 150), bald ein trauriges Ende. Im Jabre 1820 wegen Verdachts politischer Umtriebe in Untersuchung gezogen, ward er 1824 von seinem Amte entfernt, obgleich nie bekannt worden ist, worin er sich so schwer vergangen hatte. Es ist rührend in den Akten zu lesen, wie die Bevölkerung Wetzlars und der Oberpräsident der Rheinprovinz, der wie jene an die Unschuld und Tüchtigkeit des Mannes glaubte, sich um seine Wiedereinsetzung erfolglos bemühten. Auch das Turnen, das der damals allmächtige Fürst Metternich als einen Universitätsunfug bezeichnet hatte, fiel der kleinlichen De- magogenfurcht zum Opfer.
Erst als man 16 Jahre später mit der fortschreitenden Kultur anfing, einen krankhaften Zug im Nervensystem der Zeit zu entdecken, und ein schlesischer Arzt auf die körperliche Ver- nachlässigung der Schuljugend hinwies, wurden die lange verdächtigten und verpönten Turnübungen wieder empfohlen.„Um mit der Pflege des Geistes“, so berichtete der Direktor Hantschke im Programm des Jahres 1844,„die Kräftigung des Körpers in gehörige Verbindung zu bringen, wurden die Turnübungen im Laufe des Sommers zur Ausführung gebracht. Nachdem vom 4. Mai ab unter der Leitung des Turnlebrers Adolf Kornatis einige Vorübungen auf dem Gymnasial- hofe stattgefunden hatten, erfolgte am 5. Juni die Eröffnung des Durnplatzes am„engen Wege“ mit einer angemessenen Feierlichkeit, und es wurde 4 Stunden wöchentlich, Mittwochs und Sonnabends von 6—8 Uhr geturnt.“
Mit der Einführung des Turnens war ein von medizinischer Seite im Grunde gegen eine zu weitgehende Geistesbildung gerichteter Angriff auf das höhere Schulwesen vorläufig abgewiesen. Aber er wiederholte sich bald von anderer Seite, indem man dem Unterricht vorwarf, die Masse und Mannigfaltigkeit der Lehrfächer verhindere einen erziehenden Einfluss, und der höheren Schule die alleinige Verantwortung für Erscheinungen zuschob, welche mit allgemeinen Zeitfehlern zu- sammen hingen. Seltsam klingt es, wenn im Jahre 1857 ein hiesiger Gymnasialdirektor bei der Uber- nahme seines Amtes behauptet, die klassische Bildung, wie sie bisher getrieben, sei ein Fallstrick zum Heidentum gewesen. Aber die Anderungen, welche damals hier wie an den anderen Gymnasien Preussens getroffen wurden, bestanden doch zum Teil aus wertvollen Gegenwirkungen gegen das Vielerlei des Unterrichts, das allerdings eine rechte Sammlung erschwerte. Es war aber nicht zeitgemäss, dass damals der naturwissenschaftliche Unterricht aus der Quarta für ein Vierteljahr- hundert verdrängt wurde. Dieser Herabminderung der Realien hat die Fortentwickelung der Schulgesetzgebung nicht Recht gegeben. Zwar hielt sich von 1856 an der Lehrplan lange Zeit unverändert, aber es konnte doch nicht ausbleiben, dass Entwickelungen und Fortschritte des öffentlichen Lebens allmählich im Unterricht und in der Erziehung Einfluss gewannen und kleine Einwirkungen übten, bis dann die grösste Umgestaltung unseres Jahrhunderts, welche Deutschland unter der Führung König Wilhelms I. und des Fürsten Bismarck erfuhr, auch im Schulwesen einen bemerkbaren Umschwung hervorrief und grössere Verschiebungen zu Wege brachte.
Wie während der Kriegsereignisse von 1866 und 1870 Lehrer und Schüler, von gleichen Gefühlen beseelt, einander näher kamen, als in friedlichen Zeiten, wie manche Zöglinge der Se- kunda und Prima dem Rufe des Königs zu den Waffen folgten und einzelne nach glücklicher


