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schienenen„Theorie des Unterrichts“ ausdrücklich gegen die philanthropische Glückseligkeitslehre als Zweck der Erziehung erklärt, und im Jahre 1809 tritt uns in dem Rektor Braun, dem hervor- ragendsten Lehrer der Oberschule in vorpreussischer Zeit, bereits ein Vertreter einer anderen Richtung entgegen, der neuhumanistischen, welche den Wert der alten Sprachen nicht nach dem Nutzen bemass, den sie im praktischen Leben etwa für die Theologie oder Jurisprudenz haben, sondern nach dem edlen, rein menschlichen Inhalt ihrer Schriften.
Bereits hatte die von der Universität Göttiingen ausgegangene neue Auffassung des klassi- schen Altertums, die Anschauung, dass gerade im Griechentum das wahre Mittel zur Humanität enthalten sei, dass dort die Quelle aller rein menschlichen Bildung fliesse, bei den grössten Ver- tretern unserer schönen Litteratur eine mächtige und nachhaltige Unterstützung getunden. Johann Joachim Winckelmann hatte die Hoheit und nie alternde Schönheit der antiken Kunst verkündet, und Lessing war seinen Spuren gefolgt, indem er neben Virgil auf Homer und Sophokles als die mustergiltigen Vorbilder aller Zeiten für die Poesie hinwies. Unter dem Einfluss des von ihnen vertretenen Griechentums hatten auch Goethe und Schiller sich bald dem klassischen Ideal zuge- wandt und der Zucht der Antike willig gefügt. Wenn es in einem Programme unserer Anstalt vom Jahre 1810 heisst:„Den höchsten Grad der Bildung finden wir bei den Griechen und Römern“, so sehen wir, auch sie war bereits von dem neuen Geiste berührt; aber erst, als Wetzlar in preussischen Besitz übergegangen war, erfolgte im Jahre 1817 mit der Neuordnung des äusseren Zustandes der Schule die Verstärkung des griechischen Unterrichts und die Einführung des neu- humanistischen Unterrichtsbetriebs. Und da ist es zugleich ein zweites besonderes, das neben der Bildung zum reinen Menschentum zum ersten Male eine tiefere Würdigung fand: die Bildung für die Zwecke eines grossen Volkes und Staates und die Erziehung nach der Moralpredigt des Königsberger Philosophen:„Du kannst, denn du sollst!“ Das hing damit zusammen, dass das hiesige Gymnasium zu einem Glied des Staates geworden war, der gelernt hatte, seine Kraft in der Intelligenz seines Volkes zu suchen und in der Pflichterfüllung des Einzelnen um jeden Preis unter Darangabe des eigenen Glücksgefühls.
Dem ersten preussischen Gymnasialdirektor des hiesigen Gymnasiums, Dr. Snell, erschien, wie er im Programm des Jahres 1818 berichtete, das Gymnasium als eine Vorschule der zum Studieren bestimmten Jünglinge, als eine Erziehungsanstalt zu einem sittlichen, durch Glauben und Gottesfurcht geweihten Charakter, als eine Pflanzstätte eines festen Wahrheitssinnes, als ein Vorbereitungsort für eine heitere, besonnene und unermüdliche Wirksamkeit und als ein Pflege- institut eines edlen vaterländischen Geistes, damit die aus denselben hervorgehenden Jünglinge, von dem Gedanken an ihr Vaterland beseelt und durchdrungen von erhabener Jesusliebe, fähig wären, dereinst als Leiter und Vorbilder ihrer Volksgenossen die grossen Grundsätze, von denen das würdige Dasein des Vaterlandes abhängt, immer fester und reiner ins Leben einzuführen.
Wie neben den alten Sprachen die Mathematik und Naturwissenschaften, Geschichte und Geographie zur Erweckung des wissenschaftlichen Sinnes, so wurden zum Zwecke einer mit der geistigen Entwicklung harmonischen Ausbildung des Leibes und zur Förderung der Wehrhaftigkeit des Volkes die Turnübungen als ein notwendiger Teil der Gesamtbildung aufgenommen.


