Jahrgang 
1900
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ben der Anerkennung, die er uns gebracht hat. Darum danke ich allen, die innerhalb der Schule oder ausserhalb derselben stehend sich um die Verwirklichung des Festes bemüht haben.

Insbesondere richte ich heute meinen Gruss an diejenigen, welche dem Gymnasium als Lehrende oder Lernende früher angehörten und ihm ihre Teilnahme und Liebe bewahrt haben bis auf den heutigen Tag. Viele der ehemaligen Schüler sind aus der Nähe und Ferne herbei- geeilt und finden sich hier zusammen, um in dankbarer Erinnerung der Jahre zu gedenken, die sie in W9etzlar zugebracht und der guten Erfahrungen, die sie von hier aus mit ins Leben hinein- genommen haben. Wo vergangene Tage und Jahre aus der Prinnerung auftauchen, da wird Ihnen das Herz froh und zugleich wehmütig bewegt. Denn Viele sind dahin geschieden von den Männern, zu deren Füssen Sie hier gesessen, und auch nicht Wenige werden schmerzlich vermisst, die einst täglich denselben Weg hierher zum Arnsburger Hof mit Ihnen machten. Sie haben sich wohl aufgerieben in der Pflichterfüllung, an die sie hier gewöhnt worden waren; einzelne auch haben in den grossen Tagen des Vaterlandes in fremder Erde ihr frühes Grab gefunden. Aber auch freundliche Bilder aus goldener Jugendzeit stehen lebendig vor Ihrer Seele. Es war doch eine Lust, im Kreise der Jugendgenossen hier zu lernen und zu streben, einmütig im Ringen nach demselben Ziele, im Ernst und Scherz mit einander vereint, und wenn es manchmal auch ohne Irrungen nicht abging, sich doch wieder aufzurichten und zurecht zu finden, durch bewährter und kundiger Führer Hand sich einführen zu lassen in das Land der Erkenntnis und der Wissenschaft.

Wenn die gegenwärtige Stunde des Zusammenseins in dieser Familienhalle der Anstalt wie die übrige Feierzeit der Erinnerung gewidmet ist, so dürfen meine Worte nur die Einzelbilder verknüpfen, welche selbsterlebte frühere Zeiten Ihnen aufweisen, und die Mitteilungen der in Ihren Händen befindlichen Festschrift ergänzen. Und diese Ergänzungen können und müssen kurz sein; denn wir haben es hier weder mit einer überraschenden grossstädischen Riesenentwickelung zu thun noch mit bemerkenswerten Anderungen der Ziele, wie sie das Bedürfnis oder die wechselnde Herrschaft der Parteien an städtischen Schulen, auch kleiner Orte, nicht selten her- vorruft. Die Ausdehnung unserer Schule bis zu 14 Lehrern und 190 in acht Klassen verteilten Schülern entspricht dem mässigen Wachstum des kleinen Ortes und wenn auch das Heim der Schule von Grund aus neu ndu umfangreicher geworden ist, so hat sie doch den ihr bei der Gründung verliehenen Charakter einer Vorschule für die Universität durch das vollendete Jahrhundert hin- durch bewahrt. Trotzdem hat sie nicht stillgestanden und ist auch ihr Inneres nicht freigeblieben von den Einflüssen der fortschreitenden Zeit.

Auf solche Einflüsse, welche auf die Schule bei ihrer Gründung und während ibrer Ent- wickelung bis auf unsere Tage geübt wurden, sei unser Rückblick gerichtet.

Wir versetzen uns aus der Gegenwart des emporblühenden Vaterlandes und der gewerb- fleissigen preussischen Kreisstadt in die Zeit des erstarrten alten Reiches und der durch Kriegs- unruhen in ihrem Wohlstand beeinträchtigten Stätte des absterbenden Reichsgerichts, die von Pflichten gegen eine grössere Gemeinschaft wenig kannte. Aber gerade weil ihr solche politischen Pflichten nicht oblagen, hatten ihre Bewohner Zeit und Neigung, an den Fortschritten im geistigen Dasein Europas und Deutschlands teilzunehmen, und dass dies geschah, lehrt uns ein ober- flächlicher Blick in die Zeitungen und Schriften, die vor hundert Jahren in Wetzlar erschienen sind. 2

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