Jahrgang 
1900
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Herr Direktor! Ich beglückwünsche Sie zu dieser Auszeichnung. Sie werden selbst stets die Em- pfindung gehabt haben, dass unser lebendiges Interesse für diese Anstalt eng verbunden ist mit persönlicher Wertschätzung für ihren tüchtigen, umsichtigen und gewissenhaften Leiter. Deshalb ist meine Freude so aufrichtig und mein Glückwunsch besonders herzlicb. Und seien Sie ver- sichert, dass das gesamte Provinzial-Schulkollegium in gleichem Geiste Ihnen von Herzen Glück wünscht.

In Ihrer Ehrung wird das Lehrerkollegium sich mit geehrt fühlen; damit aber dieses Ge- fühl noch verstärkt werde, hat der Herr Minister den beiden Oberlehrern der Anstalt Herrn Dr. Czwalina und Herrn Dr. Heep den Charakter als Professor aus Anlass des heutigen Festes ver- liehen. M. H.! Ich wünsche Ihnen herzlich Glück zu dieser Auszeichnung, die Ihnen und Ihren Herrn Kollegen eine schöne Erinnerung sein möge an die Tage der Feier in der sauren Arbeit der Werktage, die den Feiertagen folgen. Und nun Gottes Segen dieser Anstalt, ihren Lehrern, ihren Schülern und ihrer Arbeit. Möge hier stets ein gewissenhaftes und tüchtiges Lehrerkolle- gium, eine freudigarbeitende Jugend ein- und ausziehen, möge Gottesfurcht und Vaterlandsliebe hier gute Statt haben und der alte gute Geist mit in das neue Jahrhundert hinüberziehen zum Besten der Stadt und des deutschen Vaterlandes, dessen Heil und Segen abbängt von tüchtiger Jugendkraft und tüchtiger Jugendbildung.

Hieran schloss sich folgende Festrede des Direktors über die Einflüsse, welche auf die Schule bei ihrer Gründung und im Laufe des Jahrhunderts bis auf unsere Tage geübt wurden:

Im Namen der Lehrer und Schüler des Gymnasiums heisse ich Sie alle willkommen, die sich heute hier versammelt haben, um das hundertjährige Bestehen dieser Anstalt mit uns zu ſeiern. Unsere Jubelfeier fällt in einen für Wetzlar mit Festen anderer Art überladenen Sommer, sodass wir uns wohl fragten, ob es gut sei, die Zahl derselben noch um eins zu vermehren. Dennoch durften wir aus verschiedenen Gründen nicht still und schweigend über das Gedenkjahr hinweggehen. Ein Alter von hundert Jabren legt der Schule die Pflicht auf, ihre noch lebenden früheren Zöglinge zu sich zu laden, damit das heutige junge Geschlecht an ihnen sich ein Vorbild nehme und sich bewusst werde, dass es mit vielen im Leben stehenden Männern durch das gemeinsame Band derselben Schule verbunden ist. Reich sind ferner die Segnungen, die

während des langen Zeitraums von hundert Jahren unserer Anstalt zu teil geworden sind. Da drängt es uns doch, Auge und Herz zu dem Geber aller guten Gaben emporzuheben mit dem fröhlichen Danke, dass er die Schule bis hierher geführt, und dem Herrn die Ehre zu geben für allen Erfolg, den er der Arbeit von 158 Lehrern an 3000 Schülern verliehen, sowie für den Segen, der von dieser Stätte über unsere Stadt und unser Land ausgegangen ist. Am Schlusse eines so bedeu- tenden Zeitabschnittes haben wir endlich das Bedürfnis, einmal bei der Erinnerung an die edlen Menschenfreunde zu verweilen. welche an der Wiege der Anstalt gestanden haben, wie bei den Beziehungen zu der Stadt, mit deren Schicksal die Schule von Anfang verknüpft ist, und auch den Gedanken der Zugehörigkeit zu dem Staate, an dessen Aufgaben das Gymnasium nun schon seit 82 Jahren mitarbeiten darf, eine kulze Zeit als festliche Freude zu empfinden.

Darum danke ich der Behörde für die Erlaubnis, die sie zu dieser Feier gegeben hat, und dem Vertreter des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums für die Grüsse, Glückwünsche und Ga-