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Briefstils— anwende. Aber die Prüfung des Sprachgebrauchs ist nicht lediglich Statistik und durch die behauptete Ausnahme von seiner Regel verrät Krenkel zunächst nur, dass er das Wesen des Briefstilaoristes überhaupt nicht erfasst hat. Nicht den letzteren haben wir nämlich I, 9, 15, sondern so gut, wie II, 2, 3 den Aorist der unmittelbaren Vergangenheit. An dessen Stelle kann freilich bei P. so gut, wie bei andern Schriftstellern und so gut im Griechischen, wie im Deut- schen auch das Praesens stehen, und für diese Möglichkeit allein sind die Mehrzahl der von Krenkel angeführten präsentischen Stellen— I Cor. 4, 14; II Cor. 13, 10; Gal. 1, 20— übri- gens unnötige— Zeugen. Hier liesse sich überall das Präsens durch den Acrist, nur nicht durch den Briefstilaorist, ersetzen, während an seinen beiden anderen Belegstellen— I, 14, 37; II, 1, 13 ein Ersatz des Praesens durch den Aorist überhaupt nicht, also auch nicht durch den KAorist des Briefstils möglich wäre. Sondern die Möglichkeit des Briefstilaoristes, der mit dem Aorist der unmittelbaren Vergangenheit mur die Möglichkeit des Ersatzes durch das Prae- sens gemein hat, liegt nur da vor, wo im Hinblick auf die Abfassungszeit des Briefes als sol- chen geredet wird. Da kann der Grieche, abweichend von unserer Gewohnheit, die wir mit dem Praesens uns in die Gegenwart des Schreibers stellen, im Praeteritum reden mit Rücksicht auf den Leser, für den im Augenblick der Lektüre das dem Schreiber gegenwärtige bereits vergangen sein wird. Darin liegt es begründet, dass sich das Briefstilpraeteritum allermeist am Anfang und Schluss der Briefe finden wird, aber auch, dass es anderwärts möglich ist. Und so finden wir es z. B. Col. 4, 8; Eph. 6, 22 und— mitten im Briefe— II. Cor. 8, 18, 22. Und so auch hier, wo P. eben von dem ganzen Briefe sagt, dass er ihn aus vieler Bedrängnis heraus, in Her- zensangst und unter Thränen geschrieben babe. Damit aber erscheint Krenkels Einwand gegen die Auffassung des ο in v. 4 als eines echten und wirklichen Briefstilaoristes beseitigt und als Gesammtresultat unserer Untersuchung dürfen wir den Satz aufstellen, dass die v. v. 1, 23— 2, 4 einen Hinweis auf einen früheren Brief Pauli nach Corinth in sich nicht enthalten. II, 2, 5 11. Noch hängt indessen die volle Sicherheit der Beziehung der beiden οσν in v. v. 3 u. 4 auf den vorliegenden Brief von dem Nachweise ab, den auch Krenkel a. a. O. verlangt, daß auch das να in v. 9 dieselbe Beziehung vertrage. Aber wir glauben diesen Nachweis liefern zu können, obwohl auch hier die Deutung auf einen früheren Brief sei es nun I, oder der Zwi- schenbrief, heute die herrschende ist. In v. 9:„sle 15rO ᷣ εeσι, uνα ν mτιν οααoνμν ε sis eνU dnirον ετε ist die Auslegung, als wolle P. sagen, er habe deswegen früher geschrieben, um jetzt den Ge- orsam der Gemeinde zu erkennen, offenbar ausgeschlossen. Es bleibt demnach nur die Alterna- tive: Entweder ist der Sinn der Worte:„deswegen schrieb ich Euch— scil. den früheren Brief— um— scil an der Erfüllung der darin aufgestellten Forderungen— Eure Bewährung zu erkennen, ob Ihr in allen Stücken gehorsam wäret,“ oder„deswegen schrieb— oder schreibe — ich Ruch— nämlich das Vorstehende, um zu erkennen, ob Ihr in alien Stücken gehorsam seid.“ Ein drittes giebt es nicht. Vor dem Forum der Grammatik ist nun zunächst die letztge- gegebene Deutung völlig einwandfrei. Auch bei der ersteren wäre nicht der Conjunktiv„ον statt des üblichen Optativ„voimv bedenklich. Aber nach den Verben der Wahrnehmung einschliesslich Tiꝓνναᷣονα ist grammatisch richtig, im abhängigen Satze das Tempus vom Standpunkt des Berich-
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