Jahrgang 
1896
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3. Übersicht der Unterrichtsgegenstände in dem Schuljahr 1895/96.

Dieselben entsprachen den Bestimmungen des allgemeinen Lehrplanes für die Gymnasien. (Lehrpläne und Lehraufgaben für die höheren Schulen nebst Erläuterungen und Ausführungsbe- stimmungen vom 6. Januar 1892. Verlag von W. Hertz. Berlin. Dazu nähere Bestimmungen über den katholischen Religionsunterricht, veröffentlicht im Centralblatt für die gesamte Unter- richtsverwaltung. Berlin 1893. Seite 234 238.) Die Lehraufgaben sind im folgenden nur so weit mitgeteilt, als sie sich nicht aus diesem allgemeinen Lehrplane ergeben.

Prima.

Religionslehre: a) evangelische: Lehraufgabe für I A. Römerbrief mit Auslcheidung des für die Zwecke des Unterrichtes auf dieser Stufe nicht Geeigneten; Abſchnitte aus den übrigen Paulinischen Briefen. Luthers Schrift von der Freiheit des Christenmenschen.

b) katholische: Die Glaubenslehre von Gott, der Schöpfung und der Erlösung. Eingehen- dere Besprechung fanden die Unterscheidungslehren sowie diejenigen Lehrpunkte, welche gegen- über den herrschenden Zeitrichtungen eine apologetische Behandlung erfordern. Kirchengeschichte bis auf die Zeit Karls des Großen.

Deutsch: Lehraufgabe für I B. Laokoon mit Auswahl. Einige Oden Klopstocks. Schil- lers und Goethes Gedankenlyrik. Iphigenie. Braut von Messina. Proben von neueren Dichtern. Stücke aus dem Lesebuch von Worbs. Privatim: Emilia Galotti. Einiges aus den italieniſchen Reisebriefen(Venedig, Rom, Neapel).

Aufsätze: 1) a. Die wesentlichen Merkmale des BegriffsTragödie, abgeleitet aus ShakespearesMacheth. (O I.) b. Was ist Begeisterung? 2) Welche Vorstellungen haben wir mit dem BegriffeFreiheit zu verbinden in SchillersSpaziergang? 3)(Klassenarbeit) Die Feier der 25 jährigen Wiederkehr grosser nationaler Gedenktage in Deutschland ein Ausdruck nationaler Freude und Dankbarkeit, aber auch ein Anlass zu ernster Besinnung auf die Wurzeln der nationalen Kraft. 4) Venedigs Bewohner nach Goethes Beobachtungen. 5) Es soll an einer Reihe von Beispielen aus Goethes Iphigenie das Bestreben des Dichters beleuchtet werden, Begriffliches in Anschauliches umzusetzen. 6)(Klassenarbeit) Ist das(Scheinbar widersinnige) Wort des Arkas in Goethes Iphigenie(IV, 2):Die Schmerzen sind's, die ich zu Hülfe rufe; denn es sind Freunde, Gutes raten sie! richtig in dem Zusammenhange, in welchem es gesprochen wird, und zugleich eine allgemein-gültige Wahrheit? 7) a. Die Aufgabe der Kunst nach Schil- ler(O D). b. Welche Wirkungen schreibt Schiller in seinem Gedichtedie Künstler der Kunst zu?(U J). 8) a. Rei- feprüfungsaufsatz: Wie spiegelt sich die altgermanische Ehrfurcht vor den Frauen wieder in Frauengestalten der deutschen Dichtung? b.(Klassenaufsatz.) Warum haben die Verfertiger der Laokoongruppe den Zügen des Laokoon den Ausdruck verhaltenen Schmerzes bei entsetzlichem Leide gegeben?

Lateinisch: Lehraufgabe für I B. Cicero, Briefe mit Auswahl. Tacitus, Annalen II, III;

Germania 1 26. Horatius Oden, Buch I, II und Satiren mit Auswahl. Griechisch: Plato, Kriton und Phaedon 1 14, 63 66. Demosthenes, Olynthische Reden, I, II, III. Homer, Ilias IIV, VI, XXI, XXII mit Auswahl. Sophokles, Oedipus Coloneus. Französisch: Montesquieu, Considérations. Feuillet, le Village. Englisch: Lektüre aus dem Lehrbuche von Tendering, Macauley, Lord Clive.

Hebräisch: Beendigung der Formenlehre und die wichtigsten syntaktischen Erscheinungen. Lesung von Abſchnitten aus den historiſchen Büchern des alten Testamentes, später einiger Psalmen.