Jahrgang 
1894
Einzelbild herunterladen

ursprünglich eingeboren. Im Gleichnis wird dieses dargestellt durch Lösung der Fesseln, Ge- wöhnung an das Schauen sichtbarer Gegenstände von dem Halbdunkel der Grotte aus und schliess- liches Hervorführen an die Oberwelt, wo durch eine vierfache Vorbereitung entsprechend den am Schluss des 6. Buches angegebenen Bereichen des Seins der Blick auf das Schauen der Sonne hingeleitet, an dasselbe gewöhnt wird. Dementsprechend ist das Hinaufsteigen an die sichtbare Welt das allmähliche Sicherheben der Seele in das Reich des Intelligiblen(els ν ⁹ντ6ν pτÜmπαν 0⁹).

Wie in der sichtbaren Welt nach Platos Ansicht die Sonne das letzte ist, was wir mit unseren Augen erkennen können, so ist im Reiche des Intelligiblen die Idee des Guten das letzte und zugleich das Schwierigste, bis zu welchem wir vermittelst der Vernunft gelangen können. Und wie wir gesehen haben, dass in der sichtbaren Welt die Sonne, nachdem sie erkannt, gleich- sam die Ursache ist von allen jenen Beobachtungen und Anschauungen, welche der an die Ober- welt Geführte bekam, dass sie nämlich allem Sichtbaren Ursprung, Wachsen und Gedeihen verlieh, so muss der, welcher zur Erkenntnis der Idee des Guten einmal gelangt ist, bekennen dass sie die Urheberin alles Rechten und Schönen ist, sie, welche im Reiche des ρααατον das Licht und den Herrn(ινο) desselben, die Sonne, als ihren ıxνmνοs schuf und, auf dem Gebiete des voντν selbst Herrscherin, Wahrheit(4 1εμια) und Erkennbarkeit(roıνν) aus sich hervorgehen lässt. Sie muss der erkennen, welcher mit Verstand(&ααναε) handeln will sowohl für sich als im Inter- esse des Allgemeinen( 70 WwuwHm1⁴αοσσ.

Wie ferner in jenem Gleichnis der, welcher einmal die Sonne geschaut hat, sich nicht zurücksehnt nach den Schattenbildern und dem Schattenleben der Höhle, so will auch die Seele, welche das höchste Gut in der denkbaren Welt erkannt hat, sich nicht mehr mit menschlichen Angelegenheiten beschäftigen, sondern strebt stets nach dem Höheren(dMν del rνειeινταια) und will dort verweilen. Was Wunder auch, dass ein solcher, in das Reich der niederen Welt(el ro

dννννιιι) zurückversetzt, von den göttlichen Dingen fort( εαι), Plato fasst also die höchste Idee unter das Göttliche zusammen sich linkisch stellt und unerfahren scheint vor

Gerichtshöfen und an anderen Orten, wo über den Schatten der Gerechtigkeit von solchen ge- stritten wird, welche das Wesen der Gerechtigkeit nie geschaut haben, da er ja von dem hell- sten Lichte fort ganz plötzlich in die Dunkelheit geraten ist. Nach hinreichender Gewöhnung wird er jedoch unvergleichlich besser unterscheiden können, was jene Schattenbilder sind und woraus sie bestehen, da er die ewigen Urbilder der Erscheinungen, die Ideen, geschaut hat. Den Schatten in der Höhle sind also die Erscheinungen auf der irdischen Welt, das Werdende, zu vergleichen, die Originale derselben den ewigen Urbildern, den Ideen.

Mit Auslegung des angegebenen Gleichnisses hat Plato die Darstellung der Idee des Guten und die Methode, wie wir zur Erkenntnis derselben gelangen, beendigt. Seinem Zwecke und Plane gemäss lässt er die Anwendung der gewonnenen Resultate folgen. Das Hauptziel der Jugend- bildung in einem geordneten Gemeinwesen und insonderheit bei denen, welche einstmals die Leiter desselben sein sollen, muss die Erkenntnis des höchsten Gutes sein. Die Methode und die Stufen, welche bis zu demselben innezuhalten sind. sind dieselben, wie wir sie oben im Gleichnis dar- gestellt haben. Wenn aber ein berufener Leiter des Staates zum Schauen des Höchsten, zum Reich des Wahren gelangt ist, darf er dort nicht verweilen, sondern muss wieder in das Reich der Dunkelheit, des Werdens und Vergehens hinabsteigen und seine früheren Mitgefangenen von