Jahrgang 
1894
Einzelbild herunterladen

6

pien, sondern wirkliche Hypothesen, gleichsam 2νσαἀεo und 6οαιια, Sprungbretter, Pforten und Anfangspunkte, um zu dem voraussetzungslosen Urgrund aller Dinge(eri ν rον τπάαυνς eςꝛm, dem höchsten Guten, zu gelangen. Von hier aus, an ihm sich haltend, es zum Grundprinzip von allem machend, gelangt die Untersuchung zu ende, erkennt sie alles. Die Vernunft kommt von Begriffen, durch solche, zu reinen Begriffen und endigt darin.

Hier liegt der Kern und Angelpunkt, der Zweck der abschweifenden Episode von den beiden Reichen. Der hohe Wert und die grosse Wirkung des höchsten Gutes spiegelt sich darin ab. Der Weg zu ihm ist ein absoluter, rein voraussetzungsloser. Erst durch Erreichung dessen gelangen wir zu einer vollständigen Erkenntnis, zum Ende derselben, zum Schauen der Ideen durch solche, denn die Idee des Guten ist der Grund und Zentralpunkt aller Erkenntnis, durch sie wird unsere Erkenntnis eine vollständige. Sie ist aber auch auf dem Gebiete des Erkennba- ren das letzte, was wir erkennen können(ν τ /Q̈ωνε rsAevrai roν αον ¹εκασ), sie ist nur mit Mühe zu schauen(uνᷣ ⁶̈νσ).

Um ein noch klareres Bild der Idee des höchsten Gutes zu entwerfen, benutzt Plato im Beginn des 7. Buches ein viel bewundertes Gleichnis. Er zeigt uns darin, welehen Weg und welche Stufen der Entwickelung der Mensch bis zur vollen Erkenntnis des höchten Gutes zurück- zulegen hat und welche Wirkungen diese Erkenntnis auf das Leben dessen ausübt, welcher zu der- selben gelangt ist.

Das Bild, welches Plato vor unsern Augen entrollt, ist nun folgendes. Wir sehen Men- schen, welche von Jugend auf in einer Höhle, dem Dunklen zugewandt, an Haupt und Schenkeln so gefesselt sind, dass ihnen nur gestattet ist, nach vorn zu schauen. Durch die im Rücken der- selben befindliche öffnung der Höhle strömt von einem in der Ferne brennenden Feuer Licht ein. Vor der Höhle her, dieselbe senkrecht schneidend, führt ein Weg, und längs demselben, uächst jener, ist eine kleine Mauer aufgeführt. Auf jenem Wege nun wandeln Menschen, allerlei

ber die Mauer hinwegragende Gegenstände, wie Statuen von Menschen und sonstigen lebenden Wesen aus Stein und Holz tragend; einige dieser Menschen mögen sprechen, andere schweigen. Da jetzt die Gefesselten in der Höhle nichts weiter gesehen haben als ihre Schatten, welche von dem Feuer aus auf die gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden, und auch weiter nichts von den vorübergetragenen Dingen als deren Schatten sehen, so werden sie, falls ihnen die Möglichkeit der Rede gegeben ist, jene Schatten ebenso benennen zu müssen glauben, wie die Originale derselben benannt werden, dieselben für wirklich halten. Dementsprechend würden sie, wenn die gegenüberliegende Wand den Ton der sprechend auf dem genannten Wege Vorüber- gehenden reflektierte, die Schatten für die Sprechenden selbst halten, also wieder für etwas Reales (axνοε). Wenn man nun einem der Gefesselten plötzlich seine Fesseln nähme, denselben sich umdrehen und auf die wirklichen Bilder sehen hiesse, so würde er anfangs durch den Glanz ge- blendet, dieselben nicht anzuschauen vermögen; sagte ihm dann aber jemand, nachdem er sich gewöhnt das Hellere zu schauen, bis dahin habe er nur Schatten gesehen, jetzt sei er dem wahr- haft Seienden näher gerückt, jetzt sehe er die wahren Gegenstände, so würde er ganz verwirrt den damals geschauten Schattenbildern mehr Realität zuschreiben als den jetzt geschauten Gegen- ständen. Alles dieses ist eine Folge der Gewohnheit. Die Veränderung kommt so plötzlich, dass jener seinen Sinnen nicht trauen mag. Wird nun der von den Fesseln Befreite gezwungen, aus dem Halbdunkel der Höhle sogar in das helle Licht zu schauen, so wird er, von Augenschmerzen