Jahrgang 
1894
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4 Sinnesorganen; es empfängt von ihr das Vermögen zu schauen und schaut sie selbst. Die Sonne ist Ursache und Objekt des Schauens.

Daher erklärt Plato die Sonne für den ννονο, den Abkömmling des Guten, welchen letzteres als dναιοQ, sich entsprechend, sich angemessen erzeugte. Das Gute ist also im Reiche des voντ⁶ν, des Intelligiblen, inbezug auf die Vernunft und das mit derselben zu erreichende, was der Exννονο desselben, die Sonne, im Bereiche der erscheinenden Welt inbezug auf das Auge und das damit Geschaute ist. Wie das Auge blind zu sein scheint, sobald die Sonne mit ihren Strahlen die zu beschauenden Gegenstände nicht bescheint, sobald dagegen dieselbe hell leuchtet, alles Sichtbare in voller Klarheit schaut und die Sonne zu umfassen scheint, so ist dann erst die intelligente Seele im stande zu denken, dann erst das zu erkennen, worauf sie sich richtet(vob Teuν †sνυerdd), wenn sie dorthin sich wendet, wo Wahrheit und das wahrhaft Seiende(lνέμαα re l τ⁶ ⁶ν) leuchtet. Diese Wahrheit und das wahrhaft Seiende ist aber nicht, wie wir gleich sehen werden, das Gute selbst, sondern verhält sich zu ihm, wie das Licht zur Sonne, ist also gewissermassen ein x᷑n ovos desselben. Wenn dagegen die Seele dahin schaut, wo Dunkelheit herrscht, d. h. auf die erscheinende Welt, auf das Werdende und Vergehende, so ist sie ange- füllt von einem bunten Wirrwarr von Meinungen(d68) und gleicht einem Verstandlosen(vobv 00 70ντ]! Dies ist also nicht das eigentliche Gebiet für die Seele, mit solchem Schauen kann sie sich nicht begnügen, hier kommt sie zu keinem Ziele, dies dürfen ihr, wie wir unten weiter sehen werden, nicht einmal blos Vorstufen zur höchsten Erkenntnis, der des Guten sein. Denn dieses( roν αmαιον νσέα) ist es, was dem Erkannten die Wahrheit, d. h. die Erkenntnis, dass es wirklich sei, und dem Erkennenden die Kraft verleiht, diese Wahrheit zu erkennen.

Die Idee des Guten ist also Grund und Ursache des Wissens und der Wahrheit, als der mit dem voðs erkannten, ist also etwas Grösseres als die Erkenntnis, das Wissen und die Wahr- heit, da sie Ursache derselben ist. Jene sind dem Guten ähnlich(eναεαν) wie das Licht und das Auge 7*ν⁴Qͥ"ꝛcP. Daher ist es, sagt Plato, ein grosses Vergehen, mit Aristipp die Idee des höchsten Gutes mit der 7evy identifizieren zu wollen.

Wie ferner, so fährt Plato im Bilde vergleichend fort, die Sonne den erscheinenden Dingen nicht allein die Fähigkeit verschafft, gesehen zu werden, sondern ihnen auch Entstehen, Wachstum und Gedeihen verleiht, ohne selbst das Werden zu sein, so wird auf dem Gebiete des Intelligiblen durch die Teilnahme am Guten dem Erkennbaren nicht allein Erkennbarkeit, sondern auch Sein und Wesenheit(x το duνa ed ο) verliehen, ohne dass das Gute selbst Wesen- heit und Wirklichkeit besitzt, denn es überragt dieselbe weit an Würde und Macht.

So setzt also Plato die Idee des Guten über den Spender des Lichtes, die Sonne, den Apollo(uzeos) der Alten, was für die damalige Zeit etwas Wunderbares sein musste, um 8o. mehr als jenem Wesen keine Wirklichkeit inhärieren sollte, denn dass es etwas über den Bereich der sichtbaren Welt Hinausgehendes gäbe, war für die meisten damals neu und musste Lachen erregen.

Indessen führt Plato das genannte Gleichnis noch weiter aus, er will nichts, was auf das Gute bezug hat. auslassen. Kurz ruft er uns noch einmal die verglichenen Dinge, die Sonne und das Gute, ins Gedächtnis zurück. Die Idee des Guten soll man sich denken als Königin auf dem Gebiete des Intelligiblen, des durch die Vernunft Wahrnehmbaren, die Sonne auf dem Ge- biete des Sichtbaren. Beide Reiche, das des 1τν und das des vergleicht er nun mit