Jahrgang 
1886
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Anhaltspunkte für das Gedächtnis gegeben hätte, davon kann bei der Compliciertheit der Sache nicht wohl die Rede sein. Nehmen wir z. B. die Predigt von der Ehe No. 21, so macht Berthold zuerst 3 Hauptteile. Er sagt, er wolle zuerst von den Eheleuten reden, dann von den Witwen, drittens von den Jungfrauen. Wir haben hier zugleich ein Beispiel davon, dass vor Beginn der eigentlichen Predigt die Teile aufgezählt werden. Das Gewöhnliche ist dies bei Berthold nicht, obgleich es sich noch anderwärts findet. Im 1. Teile unterscheidet er nun im Anschluss an die Offenbarung Johannis cap. 12, wo einem Weibe, das von einem Drachen verfolgt wird, zwei Flügel gegeben werden, um zu entfliehen, zwei Unterabteilungen.»Der eine vetich ist, wie man rehte unde redeliche ze der é komen sol, der ander, wie man mit der é leben sol.« Nun»hat der vetichen ietweder fünf vedern.« Das ergiebt für jede der 2 Unterabteilungen 5 Unterabteilungen zweiten Grades. Aber Berthold geht noch weiter. In der 2. Unterabteilung ersten Grades und zwar hier in der 3. Unterabteilung 2. Grades macht er noch 3 Unterabteilungen 3. Grades.»Diu dritte veder ist: solt dins gemechedes mit reinen triuwen pflegen 1. an dem libe 2. an der séle 3. an dem guote.« Nachdem Berthold alle diese Unterabteilungen ersten, zweiten und dritten Grades abgehandelt hat, fängt er dann gewissermassen von vorn an und unterscheidet nun von einem andern Gesichtspunkte aus drei Arten von Eheleuten. Demgemäss redet er dann auch im zweiten und dritten Hauptteile von je drei Arten Witwen und Jungtrauen.

Wetzlar. Dr. Todt.