Jahrgang 
1885
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Innocenz unterliess es auch nicht, für die Sache der Kirche und des von ihm auf den Thron erhobenen Landgrafen von Thüringen grosse Geldopfer zu bringen. Reiche Spenden flossen dem höchsten Würdenträger der Kirche von allen Seiten zu und wurden von ihm beansprucht. Mit rück- haltloser, ja fast cynischer Offenheit giebt uns der fanatische Parteigänger der Kurie, Albert der Böhme, hierüber Aufschluss in seinen Briefen an den Erzbischof Eberhard von Salzburg und an den Bischof Rüdiger von Passau.»Weil Euer Gesandte sehr arm war«, schreibt er dem ersteren,»so rate ich, dass Ihr, wie einem so hohen Fürsten sich ziemt, ihn mit rühmlichem Aufwande hierher zurück schickt; auch halte ich es für gut, dass Ihr für die Kardinäle goldene oder silberne Gefässe oder Ringe übersendet, weil in ganz Frankreich kein Bischof oder Abt so arm ist, der nicht mit irgend einer Gabe den heiligen Stuhl bedacht hat.«(Höfler Albert der Böhme p. 112, vgl. p. 101 u. 115). Unerhört müssen die Geldforderungen gewesen sein, die der Papst an die einzelnen Länder zugunsten Heinrich Raspes stellte. Im August 1246 wurden in England mit Erlaubnis des Königs 6000 Mark für diesen unter dem Namen des Zwanzigsten erhoben(Matth. Paris. p. 693). Als neue Summen im November vom päpstlichen Stuhle verlangt wurden, erhob nicht nur der englische Klerus, son- dern auch der Kardinal Johann Einsprache(ib. p. 693 u. 694). Dieselben Forderungen ergingen an Frankreich(ib. p. 688). Friedrich II. blieb es nicht verborgen, dass der Papst seine Geg- ner mit französischem und englischem Gelde unterstützte; Pässe, Brücken und Häfen liess er sorg- sam bewachen, um seinen Feinden diese Hiltsquellen abzuschneiden. Predigermönche wechselten ihre Kleidung und brachten oft unter grossen Gefahren die gesammelten Summen nach Deutschland (ib. p. 684). Bis zur Schlacht von Frankfurt(5. August) sandte Innocenz 10000 Kölnische Mark an Heinrich Raspe; nach der Schlacht brachte der päpstliche Kämmerer Bonvicinus weitere 15000 Mark für diesen nach Lüttich. ¹) Nach des Landgrafen Tode forderte der Papst Beatrix, die Witwe desselben, auf, dem Erzbischof von Mainz die Briefe zurückzustellen, durch welche dieser sich jenem für 10000 Mark verpflichtet hatte(Böhmer-Ficker N. 5577). Diese Summen dienten dazu, die An- hänger des Gegenkönigs für ihren Verrat am Kaiser zu belohnen und durch Bestechung und Kauf ihm neue Freunde zu gewinnen.»Der Erzbischof von Köln und mit ihm viele Prälaten, sowie einige Laien«, schreibt Matthaeus Parisinus,»mit Geschenken der Kirche reichlich oder vielmehr ungeheuer- lich bedacht, ²) begünstigten die päpstliche Partei« Mit 7000 Mark wurden die schwäbischen Grafen von Würtemberg, Grömingen und Helfenstein von Siegfried von Mainz bestochen, während der Schlacht von Frankfurt ihren König Konrad zu verlassen und za den Gegnern überzutreten(H. B. VI p. 459, Matth. Par. p. 683). Ueber die Verwendung der obengenannten Summe von 15000 Mark besitzen wir einen authentischen Nachweis in einer Erfurter Urkunde, durch welche die Richtigkeit unserer annalistischen Ueberlieferung glänzend bestätigt wird. Magister Hugo, Kantor zu Erfurt, legt in der- selben Rechnung ab über die Auslagen für den römischen König seit dem 6. September 1246. Er hatte von dem Archipresbyter von Löwen und dem Kämmerer Bonvicinus zu Lüttich etwa 14000 Mark erhalten, deren letzte Rate er am 2. Januar 1247 abholte. Von diesem Gelde erhielten: Der Erzbischof von Köln 3740, Siegfried von Mainz laut päpstlichen Befehls 1200, der Burggraf von

¹) So die Angaben der Kölner Königschronik p. 289; Annales Reinhardsbr. p. 225 nennen die Summe

von 25000 Mark; Nicol. de Curbio(Baluze Miscell. ed. Mansi I p. 199) XV milia marcarum nach der Schlacht von Frankfurt; Annal. Veterocell. M. G. XVI p. 43.

²) prodigaliter, immo prodigialiter saginati.