Jahrgang 
1884
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Scene Eun. IV, 7(vs. 771 ff.). Der prahlerische Kriegsmann Thraso, von der meretrix Thais betrogen, rückt mit seinem Gefolge wie an der Spitze eines Heeres vor das Haus der Thais. Nachdem er mit komischem Pathos erklärt hat, dass er lieber sterben als die Beleidigungen von ihr ruhig hinnehmen wolle(vs 1 u. 2), wendet er sich an sein Gefolge, indem er sagt: Simalio, Donax, Syrisce, sequimini. Donat bemerkt hierzu: Huiusmodi militia per tumultum repente respicitur et dicitur evocatio, ubi dux alloquitur cives: Qui rem publicam salvam vultis, me sequimini. ¹) Nachdem Thraso die Absicht ausgesprochen hat, er wolle das Haus der Thais erobern, letztere rauben und übel zurichten(vs. 3 u. 4), befiehlt er: In medium huc agmen cum vecti, Donax; tu, Simalio, in sinistrum cornum, tu, Syrisce, in dexterum. Cedo alios: ubi centuriost Sanga et manipulus furum? Dann vs. 11: Tu hosce instrue: ego ero post principia: inde omnibus signum dabo. Zuletzt zieht er unverrichteter Sache ab mit den Worten(vs. 44): Jam dimitto exercitum? Sanga, uti fortes decet Milites, domi focique fac vicissim ut memineris. Man vergleiche ferner Phorm. 229 u. 30. Phormio hat dem Geta ver- sprochen, er wolle dem Antipho seinem Vater Demipho gegenüber aus der Verlegenheit helfen. In bezug hierauf sagt Geta zum Phormio: Nunc prior adito tu; ego in insidiis hic ero Subcenturiatus, siquid deficias. Dazu Donat: adito, quasi ad proelium. Subcenturiati dicuntur, qui explendae cen- turiae gratia subiciunt se ad supplementum ordinum. Auch mag hier Erwähnung finden, dass, wenn es Eun. 783 heisst Idem hoc iam Pyrrus factitavit, hier von Terenz Pyrrus gesetzt ist, weil dieser für die Römer die passendste Person war. Eine besondere Kunst entwickelt Terenz da, wo es sich um das Gerichtswesen handelt. Rechtsverhältnisse kommen in allen seinen Komoedien so häufig vor, dass eine eingehende Unter- suchung erforderlich ist, will man über die Eigentümlichkeit des Dichters richtig urteilen. Eine solche ist nun geführt worden von P. Barnet, de iure apud Terentium, Paris 1878. Derselbe handelt in 3 Hauptabschnitten(de personis, de rebus, de actionibus) über die Anschauungen, die über Rechts- verhältnisse zum Ausdrucke kommen, und gelangt zu dem Resultat, dass dieselben im allgemeinen durchaus römische sind. Eine Abweichung vom römischen Leben findet sich nur, wo es für den Dichter unvermeidlich war, indem nämlich das speciell Griechische ohne eine wesentliche Aenderung des Stückes nicht beseitigt werden konnte. So war es nicht zu umgehen, mehrfach das attische Gesetz zu erwähnen, wonach der nächste erbberechtigte Verwandte die Pflicht hat, eine vaterlose Erbtochter zu heiraten oder wenigstens nach einem gesetzlich bestimmten Masse auszusteuern(vgl. Phorm. vs. 125 ff. Ad. 652). Ein Gleiches gilt von dem attischen Gesetz, nach dem eine geschändete attische Bürgerin von dem geheiratet werden soll, der sie entehrt hat(vgl. Andr. 780. Ad. 410). Nur der Ausdruck ist dem Griechischen nachgebildet, wenn es heisst dicam scribere(dεrmνν ιεςιισ⁹) Phorm. 127, 329, 668, scherzhaft impingere 439. Dabei vermeidet der Dichter es streng, griechische oder römische Rechtsverhältnisse nach Belieben abzuändern.) Dem Römer war eben alles, was das Gerichtswesen anging, derartig bekannt, seine römischen Rechtanschauungen waren ihm gewisser- massen so heilig und unabänderlich, dass wir in dem Verfahren des Terenz einen feinen und rich- tigen Takt anerkennen müssen.

¹) Vgl. Marquardt a. O. II, 375. Westerhov z. Stelle. ²) Zu Ad. 194(nam ego liberali illam adsero causa manu) bemerkt Barnet a. O. p. 44(indem er verweist auf Gaius fr. 6, Dig. de liberali causa 40, 12): Verumtamen pro necessariis tantum personis de libertate litigare conceditur, quare videtur Aeschinus, virgini utpote extraneus, iuvenili quodam impetu praeter ius actionem minitari. Diese Erklärung mag zur Bestätigung dessen dienen, was oben über den Charakter des Aeschinus gesagt ist.