Jahrgang 
1884
Einzelbild herunterladen

11

die vollständige Verschmelzung der beiden Originale zu erreichen, so liegt doch eine sehr ähnliche Art der Composition vor wie in der Andria. Zwei dem Inhalt nach sehr ähnliche Stücke sind in der Weise vereinigt, dass in das griechische Hauptoriginal(Eunuchus) mehrere Personen eines zweiten griechischen Stückes(Colax) übernommen und hier an die Stelle ähnlicher Personen gesetzt sind. Namentlich muss sich ein miles u. parasitus sowohl im Eunuchus wie im Colax des Menander be- funden haben; dem Terenz gefiel die Ausführung besonders dieser Rollen besser im Colax, weshalb er sie in das erstere Stück übertrug. Ebenso werden aber auch gewisse Stellen aus den Rollen einer meretrix, eines Liebhabers und dessen Sklaven dem Colax entnommen sein, so dass also bei einigen Partieen des Terenzianischen Eunuchus, welche die Thais, den Phaedria betreffen, an eine Contami- nation zu denken ist. Auch in betreff der Rolle des Chremes vermutet Ihne p. 19 ff., dass hier eine Verschmelzung zweier Rollen vorliegt.

Besonders schwierig ist es, über die Person des Antipho zu urteilen. Von dieser sagt Donat zu Eun. 539: bene inventa persona est, cui narret Chaerea, ne unus diu loquatur, ut apud Menandrum. Ihne a. O. p. 20 ff. erklärt die Worte ut apud Menandrum für einen späteren Zusatz, entstanden durch falsche Interpretation des vorn stehenden richtigen bene loquatur. Dazu glaubt er sich berechtigt durch die Beobachtung, dass der buntscheckige Commentar, der unter dem Namen des Donatus vorliegt, mehrfach Bemerkungen bietet, die nur in ihrem ersten Teile älteren Ursprungs und glaubwürdig sind, in ihrem zweiten Teile einen späteren unrichtigen Zusatz enthalten. Teuffel(i. Rh. Mus. N. F. 8. Jahrg. 1853, p. 41 ff.) sucht Ihnes Ansicht noch zu stützen, indem er geltend macht, die Rolle des Antipho habe bei Menander gar nicht entbehrt werden können, auch sei sie zu specifisch griechisch ausgestattet(vgl. vs. 539 ff.), als dass man ihre Erfindung dem Terenz zutrauen dürfe. Die Gründe Teuffels sind nun freilich nicht stichhaltig und von Braun a. O. p. 26 ff. richtig widerlegt. Aber dennoch möchte ich aus den bereits dargelegten allgemeinen Gründen an der Ansicht Ihnes festhalten, dass in der Rolle des Antipho keine Erfindung des Terenz vorliegt.

Endlich noch eine kurze Bemerkung zur Hecyra. Dziatzko i. Rh. Mus. 21. Jahrg. 1866, p. 80 ff. hat vermutet, dass auch dieses Stück contaminiert sei. Er folgert das aus Heau. Prol. 16 ff. nam quod rumores distulerunt malivoli, Multas contaminasse Graecas, dum facit Paucas Latinas etc. Vor dem Heautontimorumenos kamen nach gewöhnlicher Annahme nur die Andria und Hecyra zur Aufführung; also aus dem multas contaminasse muss man, so meint Dz., auf Contamination der Hecyra schliessen. Indes in den Worten multas contaminasse liegt auf alle Fälle eine starke Ueber- treibung vor, und die Handlung gerade in der Hecyra ist eine so einfache, dass man nicht berechtigt ist, an eine Contamination zu denken. Nur bei III, 4, 1 15(415 29), welche Stelle vom Scholiasten als sbowuk bezeichnet wird, könnte man an eine Einlage seitens des Terenz denken: Der Sklave Parmeno unterhält sich hier mit seinem Mitsklaven Sosia über dessen Seereise. Das, was über diesen Gegenstand zwischen beiden gesprochen wird, kommt für den Gang des Stückes nicht in Betracht; es soll also offenbar durch dieses Zwiegespräch nur eine gewisse Abwechslung in das Stück gebracht werden.

Im allgemeinen werden wir demnach über das von Terenz in den contaminierten Komoe- dien beobachtete Kunstprincip sagen dürfen: Bei möglichstem Anschluss an ein Hauptoriginal hat er besonders sein Augenmerk darauf gerichtet, Eintönigkeit, Unwahrscheinliches und Ex- tremes, den Römern Unverständliches zu vermeiden. Auch darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Dichter in der Behandlung des Prologes seinen Originalen gegenüber eine selbständige Stellung

2*