Jahrgang 
1884
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es seinen Vorteil gilt, sahen wir schon zu vs. 193 ff. Von V, 7(vs. 899) an ist er der eifrige Förderer der Vorschläge des Demea, weil solche sämtlich den eigenen Wünschen entgegenkommen (vgl. vs. 955 ff. 969). Bei dieser Auffassung bleibt für die Vermutung Daiatzkos, sofern sie sich auf vs. 940 gründet, kein Raum. Sonst macht derselbe noch geltend, es sei auffallend, dass Demea, der zwischen Akt IV und V im Hause des Micio zu denken ist(vgl. vs. 854), den Aeschinus, um dessen Heirat sich alles dreht, gar nicht gesehen hat, desgleichen nicht den Syrus(vgl. vs. 883); es sei nicht motiviert, warum Demea bis vs. 855 wieder aus dem Hause des Bruders heraustritt. Aus diesen Mängeln des Stückes allein aber möchte man doch kaum auf eine derartige Abweichung des Dichters von seinem Original, wie Dziatzko sie annimmt, schliessen dürfen.

Also auch in den Adelphi beobachteten wir, wie Terenz bestrebt ist, grössere Mannigfaltig- keit zu bieten als sein Original, wie er Unwahrscheinliches oder Unnatürlisches geschickt vermeidet und verbessert, wie er den Charakter des Aeschinus mit schärferen Zügen gezeichnet hat. Ganz be- sonders auf die Adelphi lassen sich die Worte Lessings(Hamb. Dramat. II, p. 354 n. Hempel), anwenden:»Er(Terenz) hat alles so vortrefflich motiviert, bei jedem Schritte Natur und Wahrheit so genau beobachtet, bei dem geringsten Uebergang so feine Schattierungen in acht genommen, dass man nicht aufhören kann, ihn zu bewundern.«

Eunuchus.

Beim Eunuchus haben wir uns zunächst zu halten an die Worte des Terenz im Prol. 30 ff.

Colax Menandrist: in east parasitus colax

Et miles gloriosus: eas se non negat

Personas transtulisse in Eunuchum suam

Ex Graeca. Ihne a. O. p. 16 ff. ist der Meinung, diese Worte des Terenz seien nicht etwa so zu verstehen, dass er die Personen des Parasiten(Gnatho) und des miles(Thraso) allein übernommen habe aus dem Colax, dass vielmehr im Prolog nur die aus diesem Stück eingelegten Hauptpersonen genannt sind. Ihne wird zu dieser Annahme veranlasst durch die Beobachtung, dass die Rollen des Gnatho und Thraso auf's engste verflochten sind in die Scene des Eunuchus, dass jedenfalls die für den miles so charakteristische Scene IV, 7(vs. 771 ff., wo Thraso mit Gefolge den komischen Feldzug gegen das Haus der Thais eröffnet) mit der Rolle des Sanga aus dem Colax entnommen sein muss. Wie also die letztere Person miteingelegt ist aus dem Colax, so sind nach Ihne auch noch andere Partieen, demselben Stücke entlehnt; natürlich muss die grösste Aehnlichkeit zwischen beiden Menanderschen Stücken, dem Eunuchus und Colax, vorausgesetzt werden. Hiervon ausgehend, hat Ihne im einzelnen die Composition des Terenzianischen Eunuchus nachzuweisen gesucht.

Conrad Braun(quaestiones Terentianae, Jena 1877, p. 23 ff.) hat eine andere, von der Ihnes abweichende Ansicht dargelegt. Er geht davon aus, dass wirklich nur die Personen des Gnatho und Thraso aus dem Colax eingelegt sind. Er kann aber dabei nicht umhin, ziemlich beträchtliche Partieen dem Terenz selbst zuzuschreiben, ihm überhaupt eine Art zu dichten beizumessen, wie wir sie in der Andria und in den Adelphi nicht beobachteten. ¹) Die Andria ist das erste, die Adelphi

1) Hier kurz das Wesentlichste nach der Darstellung von Braun, insofern er vom Terenz selbständig Eingelegtes ausscheidet. I, 2, 45(vs. 125 ff.) Terenz scheint die den miles betreffende Stelle etwas erweitert zu

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