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Spuren der Contamination in einigen Unebenheiten bemerkbar. Einmal muss es auffallen, dass, wäh- rend in Akt I(vs. 88 ff.) Demea schon von der durch Aeschinus geschehenen Entführung erzählt (in ore est omni populo), in Akt II die Entführung noch in ihrem letzten Momente zur Darstellung kommt. Gewissermassen zur Entschuldigung des Terenz könnte man anführen, dass ja auch bei Menander wahrscheinlich Akt II mit der Heimkehr des Aeschinus nach eben vollbrachter That begann; fehlte auch bei Menander der zankende, verfolgende Kuppler, so war doch auch hier auf- fallend, dass das Gerücht dem Thäter vorausgeeilt war, ¹) Treffend bemerkt ferner Dziatzko(Ad. Einl. p. 11), es entspreche nicht der Oekonomie, wie wir sie sonst bei Terenz beobachten, dass einem Jüngling zwei ganz gleichartige Diener zuerteilt werden; das ist hier aber geschehen infolge der Contamination: Aeschinus bedient sich in der Entführungsscene des Parmeno; später tritt Parmeno nicht wieder auf(natürlich da er nach den Vorgängen in II, 1, 1— 42 zur Vermittlung zwischen Aeschinus und dem Kuppler untauglich ist), sondern Syrus ist der alles Weitere veranlassende Diener. Dziatzko(i. Rh. Mus. N. F. 31, S. 377) macht ausserdem aufmerksam auf vs. 193 ff., wo Aeschinus zum Kuppler sagt: Neque vendundam censeo, Quae liberast: nam ego liberali illam adsero causa manu. Nach seiner Meinung liegt hier ein Fehler des Terenz vor. Denn es handele sich in den Ad. nicht um eine freigeborene attische Bürgerin, sondern um eine meretrix; Terenz folge hier wörtlich seinem Originale, den Synapothneskontes, in dem allerdings von einer Freigeborenen die Rede gewesen sei. Inwieweit Dziatzkos Hypothese über den Inhalt des Stückes des Diphilos richtig ist, lassen wir dahin gestellt; dass aber in den betreffenden Versen Terenz sich eine Flüch- tigkeit hat zu schulden kommen lassen, möchte doch zu bezweifeln sein. Dz. sagt:»Andererseits lässt es sich nicht denken, dass Aeschinus eine Lüge ersonnen, nur um den Sannio einzuschüchtern. Das liegt nicht im Charakter jener Rolle und würde nicht ohne Erwiderung seitens des Sannio geblieben sein.« Es lassen sich aber die betreffenden Worte des Aeschinus als eine keck ersonnene Lüge, die ihm der Augenblick eingibt, auffassen: Sannio wird so die Alternative gestellt, entweder es auf einen weitläufigen Process ankommen zu lassen oder mit dem gebotenen Gelde zufrieden zu sein. Weshalb sollen wir eine derartige Dreistigkeit nicht dem Jünglinge(noch dazu einem Kuppler gegenüber) zutrauen, der soeben mit der grössten Keckheit das Mädchen gewaltsam entführt hat? Keschinus scheut sich ja auch sonst nicht vor einer Unwahrheit, so vs. 641, besonders in der Scene 5, 82(vs. 940). Nach dem in den vs. 193 ff. Gesagten aber wartet Aeschinus gar keine Erwiderung des Sannio ab, sondern begibt sich sofort in's Haus seines Pflegevaters.
Ausserdem hat Terenz in den Ad. eine Reihe kleinerer Aenderungen vorgenommen, von denen Donat berichtet, so zu vs. 81. Micio hat den erzürnten Bruder Demea freundlich begrüsst mit den Worten(vs. 80): salvom te advenire, Demea, Gaudemus. Demea erwidert darauf(vs. 81): Ehem opportune: te ipsum quaerito. Donat: Melius quam Menander, cum hic(näml. Terenz) illum(den Demea) ad iurgium promptiorem quam ad resalutandum faciat. Treffend bat also Terenz den Demea gleich bei seinem ersten Auftreten charakterisiert.— vs. 275. Der Kuppler Sannio hat die Geliebte des Ctesipho über das Meer fortführen, letzterer hat ihnen folgen wollen; in bezug hierauf sagt
¹) Möglicher Weise war bei Menander jedes Anstössige dadurch vermieden, dass Aeschinus in einem Mo- nologe darthat, er habe nicht gleich nach vollbrachter That mit seiner Beute zum Hause des Micio entrinnen können, sei unterwegs durch den lärmenden Sannio noch längere Zeit aufgehalten u. dgl. 2) Dz. ist auch hier anderer Ansicht. Siehe das Genauere darüber weiter unten.


