Jahrgang 
1884
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Ihne p. 14 konnte also nur mit geringem Recht diese Stellen, die sich in Charinusscenen finden, als Beweis für die Richtigkeit der Annahme anführen, dass die Rollen des Charinus und Byrria der Perinthia des Menander entnommen sind. Vgl. Grauert p. 195 u. 96. Daiatzko p. 250.

Aus dem Dargelegten ergiebt sich, dass die Aehnlichkeit der griechischen Andria und Perinthia eine sehr grosse gewesen sein muss; teilweise bestätigen dies auch die Fragmente des letzteren Stückes, vgl. Dziatzko p. 250. Da liegt denn die Frage nahe: Weshalb benutzte Terenz nicht einfach die Perinthia als Original, vielleicht nur mit der kleinen Aenderung von I, 1, da er doch im wesentli- chen in seiner Andria den Inhalt dieses Stückes wiedergegeben zu haben scheint? Die Antwort kann nur sein: Terenz wählte die Menandersche Andria als Hauptoriginal, weil ihm oratio ac stilus hier besser gefielen. 1) Dass aber Terenz solch entscheidenden Wert auf oratio ac stilus seines Originals legt, wirft ein bedeutsames Licht auf die Art, wie er bei seiner Nachdichtung verfuhr. Mit Recht bemerkt Ihne p. 9: Ex hoc consequitur, non ita Terentium Graeca contulisse, ut aliquo modo scenarum argumenta redderet latine, sed etiam orationem suam ad Graecam normam conformasse. In der That möchte sich ein Einfluss des Griechischen auf die Sprache des Terenz unschwer nach- weisen lassen; wir beabsichtigen bei einer andern Gelegenheit auf diesen Punkt näher einzugehen.

Adelphi.

In den Adelphi sind als Hauptvorlage die Aoôel†⁵) des Menander benutzt.

Dass in dieses Stück II, 1, 1 42(vs. 155 196) aus den Synapothneskontes des Diphilos eingelegt ist, hat Ihne p. 25 ff. überzeugend nachgewiesen. Der Raub eines Mädchens durch Aeschinus aus dem Hause eines Kupplers war in den Adelphi des Menander hinter die Coulissen verlegt, bei Terenz wird er dagegen teilweise auf der Bühne dargestellt(vs. 155 96): Aeschinus, mit dem Mädchen vor seinem Hause angelangt, setzt sich mit dem Kuppler in gewaltsamer Weise auseinander. Ihne meint nun, die vs. 155 96 seien in die griechischen Ad. eingeschoben ohne weitere Aenderung des Menanderschen Stückes, nur sei vielleicht I, 2 die Erzählung des Demea von der Entführung des Mädchens bei Menander ausführlicher gewesen. Gegen diese Annahme macht Dziatzko Ad. Einl. p. 9 ff. mit Recht geltend, dass im ersten Akt Aeschinus ausser dem Hause zu denken ist, dass er dagegen nach vs. 196, wo nach Ihnes Meinung Akt II des Menanderschen Stückes einsetzt, sich im Hause befindet. Wir werden demnach da, wo bei Terenz die Einlage Platz gefun- den hat, bei Menander eine kurze Scene annehmen müssen, in der Aeschinus mit dem geraubten Mädchen und seinen Dienern auftrat.

Also die Art der Contamination war hier sehr einfach: eine Scene des Menander ward be- seitigt, dafür eine andere aus einem Stücke des Diphilos an die Stelle gesetzt. Das Motiv dazu ist klar: Terenz wollte mehr Abwechslung schaffen. Das ist ihm ohne Zweifel gelungen; er hat die Menanderschen Ad. durch eine äusserst lebhafte, komische Handlung bereichert. Aber doch sind die

¹) Oratio ac stilus erklärt Donat zu Andr. Prol. 12: oratio in sensu est, stilus in verbis. Dziatzko über- setzt»Ausführung.« ²) Vgl. F. Schoell a. a. O. über 2 gleichnamige Stücke des Menander. ³) Wie schon Grauert a. O. p. 124 ff. nachgewiesen, bestätigen die Fragmente(bei Mein. a. O. p. 69 ff.), dass die Menand. Adelph. das Hauptoriginal waren. In betreff des Urteils des Varro(in Suetons vit. Ter. p. 4; Nam Adelphorum principium Varro etiam praefert principio Menandri) scheint Ihne p. 32 das Richtige getroffen zu haben, wenn er annimmt, dass Varro nicht etwa eine grössere Verschiedenheit gemeint hat hinsichtlich der Anlage der Terenzianischen Adelphi. Vgl. Dziatzko Ad. Einl. p. 10.