Jahrgang 
1884
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Auch die vss. 168 70 ¹) passen, wie Grauert p. 188 richtig bemerkt, nur für Sosia, konnten aber mit geringer Aenderung an die Hausfrau gerichtet werden.

Dass dem Dichter in dieser Scene die Contamination auf das glänzendste gelungen ist, darüber kann kein Zweifel sein. Nicht nur die vollkommenste Exposition, in der die Hauptpersonen des Stückes von vornherein trefflich charakterisiert werden, ist in derselben gegeben, sondern es ist auch die Erzählung des Alten an sich eine meisterhafte, indem bei aller Ausführlichkeit jede unan- genehme Breite vermieden wird. ²)

Was die Rollen des Charmus und Byrria betrifft, so ist der erstere der Liebhaber der Philu- mena, der andere sein Sklave. Ihr Verhältnis zur Haupthandlung des Stückes lässt sich im allge- meinen mit wenigen Worten kennzeichnen. Pamphilus zeigt sich mit seinem Sklaven Davus bemüht, die vom Vater Simo gewünschte eheliche Verbindung mit der Philumena abzuwehren und in den Besitz der geliebten Glycerium zu gelangen, was ihm endlich glückt. Charinus tritt zu der Haupthandlung in eine mehr beobachtende Stellung, indem er bis zuletzt in Angst und Zweifel bleibt, ob seine Geliebte, die Philumena, wirklich die Frau des Pamphilus wird, bis endlich nach der Entscheidung von Pamphilus' Schicksal auch das seine sich günstig gestaltet. Byrria ist das gefügige Werkzeug seines Herrn; er spioniert für ihn und ist ihm der Zuträger wichtiger, freilich immer schlechter Botschaft.

Fördern also im wesentlichen die Rollen des Charinus und Byrria die Haupthandlung nicht, was bewog denn sonst Terenz zur Einlegung derselben? Offenbar wollte er durch sie grössere Man- nigfaltigkeit schaffen. Terenz hat eine Vorliebe dafür, nicht nur ein Liebespaar allein vorzufübren, sondern dem Liebespaar der Haupthandlung noch ein zweites zur Seite zu stellen, das gegen das erstere mehr zurücktritt. Wir finden das in allen Stücken des Terenz ausser in der Hecyra. Dass aber neben der Haupthandlung eine Nebenhandlung sich abspielt, muss an sich als ein Vorzug eines dramatischen Stückes anerkannt werden, indem dadurch ein doppeltes Interesse beim Zuschauer geweckt, Eintönigkeit vermieden wird. Nun ist allerdings, wie Spengel Einl. z. Andr. p. XVIII richtig bemerkt, dem Dichter die Durchführung der Nebenhandlung nur teilweise gelungen. Als besonders geeignet, ein erhöhtes Interesse zu erregen, bezeichnet Spengel mit Recht II, 2(338 74), wo Davus von Pamphilus und Charinus um Hülfe angefleht wird, ³) II, 5(412 31) das Missver- ständnis des Byrria, IV, 1(625 83), wo Charinus in leidenschaftlicher Eifersucht dem Pamphilus Vorstellungen macht. Dabei ist hervorzuheben, dass II, 1 und IV, 1 durch die Einlegung der Rolle des Charinus längere Monologe vermieden sind, wie sie sich an der betreffenden Stelle in der Andria des Menander wahrscheinlich fanden. Bei Menander trat II, 1 wohl nur Pamphilus auf, seiner Ver- zweiflung in Worten Luft machend; in IV, 1 nach dem unglücklichen Erfolg der ersten List des Davus mag ebenfalls Pamphilus in längerer Rede seiner Verzweiflung Ausdruck gegeben haben(vgl. Dziatzko a. O. p. 244 u. 253). Ferner ist als sehr gelungen zu betrachten die Zeichnung der

¹) Simo schliesst seine Rede an Sosia mit den Worten: Nunc tuomst officium, has bene ut adsimules nuptias: Peterrefacias Davom: observes filium, Quid agat, quid cum illo consili captet. ²) Man vergleiche das Urteil Ciceros de orat. II, 80, 327. Spengel, Einl. z. Andr. p. XVI. ³) Spengel:

Gruppierung ist echt dramatisch, und das Hin- und Herwerfen des Dialogs erhöht wesentlich den Reiz der cene.«