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Wir wissen aus der Bemerkung des Donat zu Prol. 13, dass in der ersten Scene der Andria des Menander ein Alter auftrat; derselbe gab also jedenfalls in einem längeren Monologe die Exposition des Stückes, Terenz setzte an die Stelle dieser Scene die erste der Perinthia, aber mit einer kleinen Aenderung. Während in der Perinthia ein Alter mit seiner Frau redete, lässt Terenz den Alten (Simo) mit einem Freigelassenen(Sosia) sprechen. Das Motiv für ein solches Verfahren liegt hier sehr nahe: Der Dichter wollte einen längern Monolog, wie er ihn in der griechischen Andria fand, vermeiden. Warum nahm er dann aber nicht I, 1 unverändert aus der Perinthia, warum teilte er die Rolle der Gattin einem Freigelassenen Sosia(als 0%·à˙ T00TAroxov) zu? Dazu veranlasste ihn, wie schon andere bemerkt haben, der Umstand, dass die Rolle der Frau in der Perinthia zu einseitig griechischen Verhältnissen angepasst erschien. Simo macht bei Terenz dem Sosia Mitteilung über die von ihm fingierte Hochzeitsfeier, besonders aber von dem Leben und Treiben seines Sohnes Pamphilus, und setzt bei Sosia völlige Unkenntnis über den Lebenswandel des Pamphilus voraus. Dass eine Gattin und Mutter eine derartige Unkenntnis über die Pläne ihres Mannes, über den Lebenswandel ihres Sochnes zeigte, würde römischer Sitte und Anschauung zu wenig entsprochen haben. Auch in anderer Beziehung scheint der römische Dichter an der uxor in Perinthia I, 1 Anstoss genommen zu haben, Wir schliessen das aus der Rolle des Sosia, dessen Worte nicht nur von sklavischer Unterwürfigkeit(vgl. vs. 29.), sondern auch von geistiger Beschränktheit zeugen(so vs. 32, wo er meint, Simo wolle ihn nur hinsichtlich seiner ars in der Küche in Anspruch nehmen. In vs. 64 hat er das obsequi nicht so verstanden, wie Simo es gemeint hat, und erwidert letzterem vs. 67 ziemlich thöricht mit einer sprichwörtlichen Redensart: namque hoc tempore Obsequium amicos, veritas odium parit. vs. 150 begreift er nicht eher, als bis ihm Simo alles in ausführlichster Weise auseinandergesetzt hat). Wie Terenz aber auch sonst vielfach römischen Anschauungen ge- recht zu werden sucht, wird weiter unten näher ausgeführt werden. Terenz hat nun freilich den Sosia nicht ohne jede sonstige Aenderung an die Stelle der Menanderschen Hausfrau setzen können. So müssen jedenfalls die vss. 35— 40 ¹) im wesentlichen von Terenz eingeschoben oder entsprechend verändert sein. Dieselben handeln von den Verhältnissen des libertus und enthalten das Motiv, warum Simo gerade den Sosia zu seinem Vertrauten macht: der Charakter des Sosia ist derart, dass der Herr ihn zum libertus gemacht hat; er darf jetzt von ihm unbedingte Ergebenheit erwarten.
Gegner des Dichters, unerwähnt geblieben wäre, Terenz aber verteidige sich in seinen Prologen gegen diesen nur in betreff des Contaminierens. Ihne erklärt nun ferner die jedenfalls wenig geistreichen Schlussworte»ne oέατον (vulg. r9⁴αꝓꝙι⁴⁴εςοςα) etc. für einen späteren Zusatz, indem er nachweist, dass auch sonst nach einer kurzen richtigen Bemerkung im Terenzkommentar eine falsche Erklärung von einem späteren Interpreten beigeschrieben ist. Er fasst dann»nam non sunt apud Menandrum«= non sunt in Andria Menandri, indem wie gewöhnlich der Scholiast nur das Hauptoriginal berücksichtigte. Die Darlegung Ihnes, dass also Charinus und Byrria nur der Perinthia entnom- men sein können, erscheint um so mehr als richtig, da auch fr. VI(bei Mein.) der Perinthia passt zu Andr. 368, einem Verse in einer Charinusscene. S. d. Genauere bei Dziatzko a. O. S. 250.
¹) Si. Ego postquam te emi, a parvolo ut semper tibi Apud me iusta et clemens fuerit servitus, Scis. feci ex servo ut esses libertus mihi, Propterea quod servibas liberaliter. Quod habui summum pretium persolvi tibi. So. In memoria habeo. Si. Haud muto. So. Factum gaudeo.


