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heitsmomentes durch die Rechnung zu erklären. Aber da der Begriff nur bei der Theorie des physi- kalischen Pendels Anwendung findet(Koppe weist ausserdem nur noch auf den Zusammenhang des Trägheitsmomentes mit dem Schwungrad und dem Gang der Dampfmaschine hin), so fehlt dem Schüler die rechte Gelegenheit zur Klärung und festen Aneignung der Vorstellung.*)
5. Die Gesetze des Stosses.
Der Mangel an Apparaten und die Schwierigkeit mancher Versuche drängen den Unterricht von dem unmittelbaren Verkehr mit den fast immer verwickelten Erscheinungen der Natur hinweg zur mathematischen Diskussion einfacherer abstrakter Fälle.**) Während z. B. keine Vorrichtung bekannt ist, welche es ermöglicht, die Gesetze des Stosses ungleich schwerer Kugeln unter Fernhal- tung fremder Einflüsse durch Versuche exakt darzustellen, erscheint es leicht, die Geschwindigkeiten der vollkommen elastisch oder unelastisch gedachten Kugeln von beliebiger Grösse genau mathe- matisch zu bestimmen.***) Man braucht nur von dem Satze auszugehen, dass beim Stoss zwar eine Uebertragung der Bewegung, aber keine Veränderung der Bewegungsmenge stattfindet: so folgen die bekannten Formeln aus der Definition vollkommen elastischer und vollkommen unela- stischer Körper sozusagen von selbst, und es können sogar einige aus den gefundenen Relationen ge- zogene Konsequenzen durch einfache Versuche verifiziert werden. Die Entwickelung hat aber eine bedenkliche Seite. Der ihr zugrunde liegende Satz ist nämlich keineswegs selbstverständlich, †) sondern ein des Beweises sehr bedürftiger Erfahrungssatz. Es ist nun nicht viel damit geholfen, wenn man, sei es zum Ersatz, sei es zur Herleitung des Grundsatzes, das Axiom von der gleichen Wirkung und Gegenwirkung(actio est par reactioni) heranzieht; denn dasselbe kann vom Schüler gleich den meisten anderen allgemeinen Principien frühestens am Ende, nicht aber am An- fang des mechanischen Kursus klar aufgefasst und in seiner vollen Bedeutung gewürdigt werden. Auch von einer Begründang der Theorie auf das Gesetz von der Erhaltung der Bewegung des Schwerpunktes, wie dies in der analytischen Mechanik geschieht, darf im Schulunterricht nicht die Rede sein. Eher schon ist es erlaubt, auf die einfache und leicht fassbare Annahme zurückzugehen, dass zwei Atomgruppen, welche einander bis auf eine gewisse Strecke nahe gekom- men sind, sich gegenseitig abstossen mit Impulsen, welche der Anzahl ihrer Atome(ihrer Masse) direkt proportional und ausserdem von dem Abstande der beiden Gruppen in irgend einer Weise abhängig sind. Mit Hülfe der auf diesem Fundament ohne grosse Mühe aufgebauten Theorie kann dann erwiesen
*) Vergleiche übrigens die Versuche von Weinhold, Physikalische Demonstrationen 1881 S. 91— 98.
**) Umfang und Methode des physikalischen Unterrichts an Gymnasien, sechzehnte Versammlung der Direktoren der westfälischen Gymn. und Realsch. Referent Dr. Gandtner.
***) Die Gesetze des Stosses wurden auf Anregung der englischen Gesellschaft zuerst von Wallis, Wren und Huyghens entdeckt nnd 1668— 1669 in den Philosophical Transactions veröffentlicht. Vorher waren von Mer- senne(1588— 1648) eine Art roher Versuche gemacht, indem er Kugeln auf eine Wage fallen liess.(Dühring, Krit. Gesch. S. 150— 174.) Um die von Wallis, Wren und Huyghens theoretisch aufgefundenen Gesetze experimentell nachzuweisen, ersann Mariotte die Perkussionsmaschine. Er beschrieb dieselbe in seinem Traité de la percussion ou choc des corps, Paris 1677. cf. Poggendorff, Geschichte der Physik. S. 630— 634.
†) Man denke nur an den heftigen Streit, welcher im Anfang des vorigen Jahrhunderts zwischen den, Cartesianern und den Anhängern der Leibnizischen Ansicht über die Frage entbrannt war, ob die Grösse der Bewe- gungsmenge durch das Produkt aus der Masse in die einfache Geschwindigkeit oder in das Quadrat derselben zu messen sei.
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