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tude und Anzahl der Schwingungen abhängt, und zwar war dies durch die Methode der sich beglei- tenden Veränderungen ermittelt. Damit war aber die Gesamtwirkung noch nicht erklärt, denn der Klang der Klaviersaite unterscheidet sich von dem gleich starken und gleich hohen Klang der Violine sehr wesentlich durch die sogenannte Klangfarbe. Dieser Unterschied in der Klangfarbe veranlasste v. Helmholtz zu genauen Untersuchungen der Schwingungen einer Saite, und es ergab sich, dass beide Saiten zwar gleich schnell und ausgiebig schwingen, dass aber ihre sogenannten Schwingungsformen von einander abweichen.*)
Der Zwiespalt zwischen den von französischen und holländischen Gelehrten genau ausge- führten Messungen der Schallgeschwindigkeit und der Berechnung Newtons lieferte ein neues Mittel zur Bestimmung der specifischen Wärme bei konstantem Volumen.**) Ueberhaupt wird durch diese Methode des Rückstands, welche von der Wirklichkeit das Ergebnis des dermaligen Wissens subtra- hiert und aus dem Deficit Veranlassung nimmt, neuen bisher nicht bemerkten Einflüssen nachzuspü- ren, die Naturwissenschaft sehr gefördert.
5. Aber auch die Untersuchung jeder noch so einfachen Erscheinung unterliegt stets unbe- kannten und deshalb störenden Einflüssen. Wenn wir den Winkel zweier Krystallflächen mit Hülfe des Reflexionsgoniometers wiederholt messen, so erhalten wir in der Regel nie zum zweiten Male genau denselben Wert. Unbekannte, teils in uns selbst, teils ausser uns gelegene Ursachen der Fehler wechseln von Versuch zu Versuch. Es ist unmöxglich, ihrer habhaft zu werden, und dennoch liegt viel daran, die Beobachtung von diesen störenden Einflüssen möglichst zu befreien. Um die Ein- wirkung der Axendrehung der Erde auf eine freifallende Kugel kennen zu lernen, liess Benzenberg***) Kugeln in einen tiefen Schacht von 262 Fuss Tiefe herabfallen. Dieselben schlugen nicht vertikal unter dem Ausgangspunkte der Fallbewegung auf, sondern sowohl östlich und westlich, als auch nördlich und südlich von diesem Punkte. Für 29 derartige Versuche zeigte sich, dass die Summe der nördlichen Abweichungen fast genau ebenso gross war, wie die Summe der südlichen. Daraus wurde geschlossen, dass diese nördlichen und südlichen Abweichungen in der That nur das Resultat zufälliger Störungen waren. Hätte es sich nun mit den östlichen und westlichen Abweichungen ebenso verhalten, so war es sehr wahrscheinlich, dass der Ort des Aufschlags eigentlich genau vertikal unter dem Anfangspunkte lag. Aber die Beobachtungen ergaben, dass die Summe aller östlichen Abwei- chungen(= 185,5 Linien) grösser war, als die Summe aller westlichen Abweichungen(= 42“). Die Lage der Stellen des Aufschlags schwankte um einen Punkt, der 5,086 Linien östlich von dem in der Vertikalen gelegenen Punkte entfernt war. Da nun dieses Durchschnittsresultat sich durch
*) H. Helmholtz. Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Akustik. 1865.
**) La Place, Mécanique céleste. Tome V. Wüllner, Experimentalphysik 1866 II. 1. S. 283 ff. La Place fand, ohne dass er die specifische Wärme bei konstantem Volumen Cv oder konstantem Drucke Cp kannte, dass das Ver- hältnis 94— 1,42 sein musste. J. Tyndall, der Schall. 1867. S. 39. Die Abweichung der Newtonschen Theorie von der Erfahrung entsprang daraus, dass N. eine ihm unbekannte physikalische Bedingung nicht in Betracht zog, nämlich die bei der Wellenbewegung der Luft erfolgende und auf die Elasticität der Luft mitwirkende Entwicke- lung und Absorption der Wärme.
***) Versuche über das Gesetz des Falles. Dortmund 1804 cit. aus Joh. Müller, Mathem. Supplementband. S. 311.


