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gelegene Temperaturen direkt gemessen und danach Formeln aufgestellt oder Kurven gezeichnet, welche die beobachteten Spannkräfte sehr genau wiedergeben.*)
Gay-Lussac hatte die Aenderungen untersucht, welche mit der relativen Feuchtigkeit der Luft die Länge eines Haares im Hygrometer von Saussure erfährt, und das Ergebnis seiner Messun- gen in einer Tabelle zusammengestellt. Auf der Grundlage dieser Tabelle konstruierte Klinkerfues sein Bifilar-Hygrometer, in welchem die Drehung des Zeigers der Aenderung der relativen Feuchtig- keit proportional ist.**)
Der praktische Nutzen, welchen die verschiedenartigen, aber nach gemeinsamer Methode be- wirkten Darstellungen haben, besteht nicht bloss in der Möxglichkeit leichter und schneller Orientierung innerhalb des Beobachtungsgebietes, sondern auch darin, dass sie in beschränktem Masse sogar ausser- halb des Beobachtungsgebietes anwendbar sein können. Allerdings darf man sich nicht weit von den wirklichen Beobachtungen entfernen, ohne vorher das Gesetz durch geeignete neue Beobachtungen geprüft zu haben. So ist z. B. nach O. Fröhlich***) die Stärke J des von einer bestimmten Maschine erzeugten elektrischen Stromes nur abhängig von dem Verhältnis der Geschwindigkeit V des rotie- renden Ankers zum Widerstand W im ganzen Stromkreis. Durch graphische Darstellung zahlreicher Versuche erhält man eine Stromkurve, welche im ganzen sehr stark, für mittlere Werke aber nur wenig von einer geraden Linie abweicht. Da es sich nun für den praktischen Elektriker allein darum handelt, die Maschine innerhalb der Grenzen mittelstarker Ströme kennen zu lernen, so kann man die Theorie der Dynamomaschine für diesen praktischen Zweck wesentlich dadurch vereinfachen, dass man J
als lineare Funktion von n Nü gelten lässt. Innerhalb bestimmter Grenzen wird diese lineare
Funktion und die entsprechende gerade Linie der Wirklichkeit entsprechen, ausserhalb der Gren- zen angewandt, würden sie aber zu durchaus verkehrten Resultaten führen.
4. So wenig auch die Wissenschaft sich rühmen kann, bis heute die Mehrzahl der sehr ver- wickelten Naturerscheinungen in allen ihren Bedingungen genau erforscht zu haben, so zieht sie doch fast Tag für Tag mehr von den an einem komplexen Phänomen mitwirkenden Faktoren ans Licht. Sie setzt uns nach und nach in den Stand, die Wirkung aus ihren Ursachen heraus zu ver- stehen und durch die Rechnung exakt zu bestimmen. Wenn nun die Berechnung aus den uns bekannten Bedingungen einer Thatsache zu einem von der Beobachtung abwei- chenden Ergebnis führt, so weist diese Differenz zwischen Rechnung und Wirklichkeit,»der Rückstand,« auf einen nicht beachteten unbekannten Um- stand hin. Der Astronom O. Römer †) fand(1676), indem er die beobachtete Ungleichmässigkeit in der Umlaufszeit eines Jupitermondes mit der aus guten Gründen erwarteten Gleichmässigkeit zusam- menhielt, die von anderen geleugnete oder vergeblich gesuchte Geschwindigkeit des Lichtes als rück- ständiges Phänomen.
Aehnliche Vergleichungen führten v. Helmholtz zur Entdeckung der Ursache der Klangfarbe und der Schwingungsform einer Saite. Festgestellt war, dass der musikalische Klang von der Ampli-
*) Poggendorffs Annalen Bd. XVIII, LXI, Ergänzungsband II. Wüllner, Experimentalphysik 1866 II. 1. S. 160— 170. **.) Klinkerfues, Theorie des Bifilar-Hygrometers. Göttingen 1875. **r*) Elektrotechnische Zeitschrift. Berlin 1882 S. 69 ff. Theorie der dynamoelektrischen Maschine. †) Poggendorff, Geschichte der Physik. 1879. S. 655— 656.
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