liches Stück Glas durch einen starken Elektromagnet diamagnetisch, so wurde das Bild der Lampen- flamme sichtbar. Sobald er aber den elektrischen Strom unterbrach, verschwand das Licht; und da die Sorgfalt, mit welcher der Versuch angestellt war, die Voraussetzung zuliess, dass ausser der Stromunterbrechung keine andere Veränderung vorgenommen war, so durfte der Einfluss des elektri- schen Stromes oder des durch denselben hervorgerufenen Diamagnetismus auf die Drehung der Pola- risationsebene als erwiesen angenommen werden.
3. Die eben charakterisierte, sehr wirksame Methode lässt sich immer anwenden, wenn man das Agens, dessen Wirkung man untersucht, ganz entfernen kann. Es giebt aber Agentien, wie die Wärme, die Anziehung der Erde, der Sonne, des Mondes, deren Einfluss wir weder beseitigen, noch ausschliesslich erzwingen können. Die Möglichkeit, trotzdem die Wirkungen solcher permanenten Ursachen zu ergründen, beruht nun darin, dass man wenigstens die Stärke derselben verändern kann. Die Temperatur eines Körpers vermögen wir willkürlich zu variieren, den Mond in verschie- denen Stellungen zu beobachten. Sind mit solchen Aenderungen regelmässig andere Aenderungen einer bestimmten Erscheinung verknüpft, so stehen diese mit jenen in einem Causalzusammenhang. Aendert sich die Erscheinung aber nicht, so ist sie auch von der Wirkung der in Betracht gezogenen Ursachen gar nicht abhängig.
Nach diesem Grundsatze findet man, dass durch die Wärme das Volumen vieler Körper ver- mehrt wird, dass der Mond Ebbe und Flut hervorbringt. Nach dieser Methode»der sich beglei- tenden Veränderungen«w tand H. F. Weber,*) dass das Leitungsvermögen x der Metalle für Elektricität nicht, wie allgemein angenommen wird, proportional dem Leitungsvermögen k für Wärme
ist, sondern(dass der Quotieent 2 sich mit der specifischen Wärme für die Volumeinheit, also mit
der Temperatur selbst ändert.— Während die gewöhnliche Erfahrung(per enumerationem simplicem) zu dem Satze führt, dass jeder in Bewegung befindliche Körper nach und nach seine Geschwindigkeit verliert, wird durch die Methode der sich begleitenden Veränderungen, bexiesen, dass die Ursache der Verzögerung nicht in dem Körper selbst, sondern in äusseren Ursdchen 2u suchen ist.— Wundent- zündung und Wundfieber können natürlich nur eintreten, wenn Wunden vorhanden sind.»Das Wundfieber galt daher früher als eine Reaktion des Organismus auf den Wundreiz als solchen.«**) Billroth aber zeigte in seiner Arbeit über das Wundfieber, dass das Fieber bei der grössten Wunde fehlen und bei der kleinsten Hautabschürfung die höchsten Grade erreichen kann.„Nicht der Wunde,
wohl aber der Wundentzündung proportional entwickelt sich das Fieber.«
Diese Methode hat in den Fällen, in welchen viele und genaue Beobachtungen gemacht werden können, einen besonders hohen Wert, indem sie zur Aufstellung von Formeln, zur Konstruktion von Kurven und zur Herstellung von Registrierapparaten führt, mit deren Hülfe die quantitativen Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung mit praktisch vollkommener Gewissheit berechnet, ab- gemessen oder abgelesen werden können. Magnus und Regnault haben nach dieser Methode die Spannkräfte des Wasserdampfes für 20 bis 30, zwischen— 6° und+ 105 C(— 33 und+ 1490 C)
*) Monatsberichte der Berliner Akademie d. W. 1881 S. 457.— Revue der Naturw. 1881 S. 105. **) v. Bergmann, über antiseptische Wundbehandlung. 55. Versammlung d. deutschen Naturf. u. Aerzte. Eisenach 1882. Tageblatt S. 118.


