entzieht. Es ist sehr wichtig, in dem Resultat einer Beobachtung zu unterscheiden zwischen dem, was wirklich wahrgenommen, und dem, was Folgerung aus der Wahrnehmung ist.*)
Die durch die direkte Beobachtung gewonnenen Begriffe sind zu bezeichnen, die Erscheinungen zu beschreiben. Durch gewisse Analogieen bestimmt, machen wir uns eine Vorstellung von dem beobachteten Ding oder Vorgang und fügen etwas zu der Beobachtung hinzu, was mehr oder weniger hypothetisch und subjektiv ist.
Keppler machte nach einander neunzehn Hypothesen, ehe er die richtige Beschreibung seiner Beobachtungen fand, nämlich dass die beobachteten verschiedenen Stellungen des Planeten Mars auf dem Umfange einer Ellipse lagen. Die subjektiven Anschauungen, welche sich notwendig mit jeder Ter- minologie und Beschreibung verknüpfen, können von entscheidendem Einfluss für den Fortschritt der Erkenntnis sein, indem sie zu neuen Beobachtungen anregen. Aber oft auch leiten die Vorstellungen, welche mit den Benennungen verbunden sind, irre. Faraday**) sah in dieser Weise durch die Bezeich- nung»Pole« das richtige Verständnis der elektrischen Zersetzung beeinträchtigt und begann daher seine Abhandlung über elektrochemische Zersetzung mit der Einführung einer neuen mehr neutralen Terminologie.(Elektroden, Elektrolyt, Elektrolyse etc.)***)
Die Fülle der einzelnen der Wahrnehmung zugänglichen Thatsachen ist so gross, dass wir keine Herrschaft über dieselben gewinnen könnten, wenn es nicht möglich wäre, viele individuelle Gegen- stände oder Vorgänge nach gleichartigen Merkmalen in Gruppen zusammenzuordnen. So entstehen Arten, Gattungen, Familien, Ordnungen, Klassen. Blieb unter der Autorität Cüviers die Aufgabe der organischen Naturwissenschaften lange auf die Beobachtung der Formen und auf die Klassifikation beschränkt, so wurden dafür die Principien und Bedingungen der letzteren vorzugsweise in der Na- turgeschichte entwickelt. †) Aber angewendet werden diese Principien auch in anderen Gebieten der Naturwissenschaft(und über die Grenzen derselben hinaus. cf. II). Die Klassifikation ist ein allgemeines Mittel der Naturforschung. Die Chemie unterscheidet Metalle und Metalloide, die Gruppen der Sulphide, Chloride, die Unterabteilungen der Basen und Säuren etc. Die so mannigfach wechselnden Wolkengebilde führte Luke-Howard auf die drei Grundformen der cirri, cumuli, stratus als wertvolle Anhaltspunkte für den Meteorolgen zurück. Ueberhaupt, wo es sich darum handelt, aus zahlreich durch die Beobachtung dargebotenen Fällen Schlüsse zu ziehen, vereinigen wir diejenigen Fälle, welche am meisten Uebereinstimmung zeigen, und deren gleichzeitige Betrachtung der Wahr- scheinlichkeit nach am meisten Licht auf den Gegenstand werfen wird. Die Gesichtspunkte für solche Klassifikationen sind natürlich verschieden; sie richten sich nach dem Zweck der Untersuchung.
Will man z. B. die Beziehungen feststellen, in welchen die Formen und Grössenverhältnisse der Blätter unserer einheimischen Wasserpflanzen zu ihrem Medium stehen, so sind zunächst drei Arten von Blättern zu unterscheiden: untergetauchte, schwimmende und solche, die mehr oder weniger weit über den Wasserspiegel hervorragen. Nach diesen Blätterarten werden deshalb auch die in Frage stehenden Pflanzen klassifiziert, ohne Rücksicht darauf, dass verschiedene sonst zusammengehörige
*) J. St. Mill, Logik. Buch 4. Kap. 1. *4) 1791— 1867. ***) Diese berühmte Abhandlung wurde 1834 der Royal Society vorgelegt. cf. Tyndall, Faraday und seine Entdeckungen. Deutsche Ausgabe S. 51. †) Mill. Buch 4. Cap. 7 u. 8.


