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handen, es nicht neben einander bestehen zu lassen. Jenes sich aufheben aber kann nicht vorkom- men, wenn nicht das Denken über sich hinausgeht. So lange es in sich bleibt, hebt das Denken des einen das des andern nicht auf. Denn wenn sie anders denken, denken sie eben etwas anderes. Damit es sich aufhebe, ist nötig, dass der Gegenstand für die Streitenden derselbige sei und also ausserhalb des Denkens für sich bestehe.»Der Streit setzt die Anerkennung der Selbigkeit eines Gegenstandes voraus, mithin überhaupt die Beziehung des Denkens auf das Sein. 48) Das Wissen- wollen als der Wille, mit andern übereinstimmend zu denken, wird so zu dem Willen, mit dem Sein übereinstimmend zu denken, und zeugt daher gegen den Idealismus. Bis hierher, wo es sich nur um das Vorhandensein eines Realen ausser dem Idealen haundelt, steht Schleiermacher mit der Mehr- zahl der Philosophen zusammen. Dies ändert sich jedoch, sobald das Verhältnis beider Faktoren zu einander zur Sprache kommt. Enthält nämlich das gemeinsame Bewusstsein ein Sein ausser dem Denken, so enthält es nach Schleiermacher nicht minder eine reale Beziehung zwischen beiden. Das Sein wirkt auf das Denken ein und erfährt dann wieder Einwirkungen von diesem, ebenso umge- kehrt das Denken: ein Wechselverhältnis, welches vermittelt wird durch den menschlichen Organis- mus. 4m) Indem Schleiermacher dieses Aufeinanderwirken beider Faktoren setzt, tritt er in Gegensatz zu mehreren Philosophen, mit denen er über ihr Nebeneinandersein einverstanden ist. Dies gilt auf der einen Seite von Kant und seinem kritischen Idealismus. In diesem wird zwar nicht das Reale für Schein erklärt, wie im dogmatischen Idealismus eines Berkeley, noch wie im dynamischen auf das Denken als seine Ursache zurückgeführt, sondern es hat seine wirkliche und selbständige Existenz. Allein die Art, wie das Sein im Denken ist, erscheint durchaus als das Werk des letztern.»Die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, ⁵⁰0) sagt Kant, und zwar nicht in der Beziehung, in welcher auch Schleiermacher dies behauptet, sondern in welcher dieser gerade umge- kehrt sagt: Das Denken richtet sich nach dem Sein. Das Denken steht bei Kant lediglich im Ver- hältnis zu sich selbst. 5¹) Zwar sollen die Dinge in der sinnlichen Anschauung repräsentiert sein. Man sieht jedoch nicht wie. Um als ein wirkliches Bindeglied zwischen dem Denken und dem Sein angesehen werden zu können, muss die menschliche Organisation ein Produkt aus beiden Faktoren sein. Ist sie dies aber, so repräsentiert sie auch die Dinge, wie sie an sich sind. Daher denn Schleiermacher, wenngleich er das Wissen als ein mit den Dingen übereinstimmendes Denken ebenso wie oben nur der Idee nach vorhanden sein, in der Wirklichkeit aber nur werden lässt, doch dies als die Aussage des gemeinsamen Bewusstseins festhält, dass das Denken mit den Dingen an sich zu thun habe. Nach Kant hingegen ist zwischen beiden eine unübersteigliche Kluft befestigt. Wie unter dieser Voraussetzung die menschliche Organisation die Dinge überhaupt darstellen könne, ist uns nicht klar. Soviel halten wir jedoch für gewiss, dass sie dann lediglich als Produkt des Den- kens dasteht. Der kritische Idealismus ist daher dem dynamischen sehr verwandt, wie denn auch dieser aus jenem hervorgegangen ist. Auf der andern Seite tritt Schleiermacher in Gegensatz zu derjenigen Philosophie, welche in Spinoza zur Reife gediehen ist. In dem bekannten Satze Spinozas: »ordo et conneæio idearum idem est ac ordo et connexio rerum« ⁵²) scheint auf den ersten Anblick etwas der Ansicht Schleiermachers sehr Aehnliches ausgesagt zu werden, da ja dieser die Beziehung zwischen dem Sein und dem Denken auch ein Identitätsverhältnis neunt. Näher angesehen aber enthält er
48) Dialektik p. 584 ff.— ⁴9) Dialektik§ 106.— 5⁰) Kritik der reinen Vernunft, Vorrede.— 5¹) Kritik der reinen Vernunft, Phaenomena u. Noumena.— 5⁵²) Eth. pars II. prop. VII.


