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dagegen in der Dogmatik ⁸) entwickelt er, dass der Glaube des Christen an die persönliche Fortdauer Christi den an die eigne involviere. Freiheit sodann ist Schleiermacher gleich Spontaneität. Er definiert sie ²) als für sich gesetzte Einheit der Kraft und Vielheit der Erscheinungen. Aber ist er deshalb und weil er gegen die gewöhnliche Vorstellung von Freiheit spricht, ¹0) Spinozist zu nennen? Dass Spinoza von der Freiheit im gewöhnlichen Sinne des Worts auch nichts wissen will, 1¹) ist be- kannt, und seine Definition des Begriffes ist der Schleiermachers ähnlich. Aber ist dasselbe nicht auch von vielen andern Philosophen und Theologen zu sagen? Dass endlich Schleiermacher den per- sönlichen Gott leugne, beruht auf einem Missverständnis. Zwar geht er in seinem Bestreben, alle anthropoeidischen und anthropopathischen Elemente aus der Gottesidee auszuschliessen, so weit, dass er auf der einen Seite auch den Gegensatz von Lust und Unlust, ¹²) auf der andern Seite den Un- terschied von Wissen, Wollen und Können ¹³) in Gott negiert. Alles ähnlich wie Spinoza. Auch definiert er den Begriff der Persönlichkeit ¹¹) so, dass sie Gott nicht wohl zukommen kann. Aber trotzdem leugnet er die Persönlichkeit Gottes nicht wie Spinoza, sondern verfährt mehr wie Kant; denn wie dieser 1¹5) eine Antinomie der theoretischen und praktischen Vernunft aufstellt, indem die letztere sich getrieben fühle, in Gott etwas dem menschlichen Verstand und Willen Analoges anzu- nehmen, erstere aber dies nicht könne, so stellt Schleiermacher zuerst in den Reden über die Reli- gion, 16) dann in der Dialektik ¹⁷) eine Antinomie des philosophischen und religiösen Bewusstseins auf, die ganz auf dasselbe hinauskommt. Doch es mag damit stehen, wie es will; uns berührt es hier nicht. Denn alle die Fragen, von denen eben die Rede gewesen ist, sind mehr Fragen des religiösen Bedürfnisses, als philosophische. Die Philosophie ist wesentlich Theorie des Erkennens, Wissenschaftslehre, ein Name, welcher nach Schleiermacher dem der Philosophie weit vorzuziehen ist, und dessen Erfindung er Fichte zu grösserem Verdienste anrechnet, als das unter diesem Namen aufgestellte System. 1¹) Nur also sofern sie auf die Idee des Wissens bezug haben, gehören die Ideeen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit in die Philosophie; und da spielen denn die beiden letztern eine ziemlich untergeordnete Rolle, die Gottesidee allerdings die grösste, alle drei aber in einem ganz andern Sinne, als in welchem wir bisher mit ihnen zu thun hatten. 19) Was dann weiter das Ver- hältnis Schleiermachers zu Kant betrifft, so muss es einem, wenn man die Haltung kennt, die er ihm gegenüber fast durchweg einnimmt, fast komisch vorkommen, ihn einen Kantianer nennen zu hören. Fast keiner von allen Philosophen ist ihm weniger sympathisch, als gerade Kant. Als 19- jähriger Jüngling schreibt er zwar an seinen Vater, ²⁰) er habe von jeher eine sehr günstige Meinung von dieser Philosophie gehabt, weil sie die Philosophie von den metaphysischen Wüsten in die Felder zurückweise, die ihr eigentümlich seien. Das ist aber wohl auch das erste und letzte anerkennende Wort, welches er über Kant gesprochen hat, und es rührt aus einer Zeit, wo er ihn fast nur vom Hörensagen kannte. Wie anders klingt es, wenn er sich als Mann also vernehmen lässt: 21)»Jetzt leide ich besonders an Kant, der mir je länger je beschwerlicher wird; habe ich den glücklich über- standen, daun komme ich zu Fichte und zu Spinoza, an denen ich mich erholen will.« So sehen wir ihn denn zunächst in den»Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre,« an denen er
9) 8. W. Abt. I. B. 4. p. 517 ff.— ⁹) Dialektik p. 132.— ¹⁰) Vgl. etwa S. W. Abt. I B. 2. p. 591.— 11) Vgl. Eth. pars I. appendix. pars III. propos. II. schol. Epist. 62.— ¹²) Vgl. S. W. Abt. I. B. 12. p. 40.— ¹³) Dog- matik§§ 54 u. 55.— 14) S. W. Abt. III. B. 5. p. 165.— ¹⁵) Kants S. W. I. p. 187 f.— ¹6) S. W. Abt. I. B. 1. p. 254. — 11) Etwa p. 528.— ¹8) 8. W. Abt. III. B. 1. p. 18.— ¹³) Vgl. Dialektik§ 229.— 2²⁰) Briefe I. p. 70.— 21) Briefe I. p. 343.


