Zur Behandlung der Lichtbrechung im Gymnasialunterricht.
Die mathematische Begründung physikalischer Gesetze macht in der Prima nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Die Schüler zeigen sich unselbständiger als im mathematischen Unterricht und bleiben selbst bei Wiederholungen in der Regel bis zuletzt auf die Hülfe des Lehrers angewiesen. Eine Fertigkeit gar, das in der gewöhnlichen Sprache als Qualität Aufgefasste durch Quantitäten aus- drücken, wie sie die Prüfungsordnung für die preussischen Realschulen verlangt, und welche auch ein Ergebnis jedes von allgemeinen Hypothesen ausgehenden mathematisch entwickelnden Unterrichts sein müsste, wird man bei dem Gymnasialabiturienten in den seltensten Fällen autreffen.
Die Ursache dieses schlechten Erfolges eines vorzugsweise deductiven Unterrichts erblicken die einen in der unzureichenden mathematischen Vorbildung und in dem Mangel genügender An- schauung, welche zu bieten Aufgabe des Schulexperimentes ist, andere in der dem physikalischen Unterrichte in Prima zu knapp zugemessenen Zeit, noch andere in der zu wenig entwickelten Fas- sungskraft der Primaner oder in allen Umständen zugleich
Viele aber stimmen darin überein, dass der physikalische Unterricht auch in der Prima in- ductiv verfahren, das Experiment nicht blos als Controle der mathematischen Deductionen zugelassen werden, sondern die eigentliche Basis des ganzen physikalischen Unterrichtes bilden müsse.
Diese Notwendigkeit wird von solchen nicht oder nur mit Bedauern anerkannt, welche die deductive Schlussweise für die allein wahrhaft wissenschaftliche halten und im ÜUnterricht vor allen Dingen den inneren Zusammenhang der Gesetze zur Erkenntnis bringen wollen, oder von solchen, welche fürchten, dass mit den mathematischen Deductionen physikalischer Gesetze der mathematische Unterricht ein weites und mannigfaltiges, anziehendes und wichtiges Anwendungsgebiet ohne PErsatz verliere und der so wünschenswerte Zusammenhang des mathematischen und physikalischen Unter- richtes Preis gegeben werde.
Das letztere ist aber keineswegs die notwendige Folge des inductiven oder vorzugsweise empirischen Verfahrens. Man braucht nur in eine Abhandlung eines Experimentalphysikers hinein- zusehen, um sich zu überzeugen, dass auch dieser die Zahlen, Linien etc. nicht entbehren kann. Freilich dient die Mathematik dem Physiker nur, und auch im physikalischen Unterricht darf sie, gleich wie in der Lectüre die Grammatik, nicht mehr sein als ein Hülfsmittel. Denn der Zweck des physikalischen Unterrichtes ist nicht Uebung in der Mathematik, sondern Einführung des Schülers in die Natur und in die Methode naturwissenschaftlichen Denkens.
Wenn nun Freunde des empirischen Verfahrens in Schulbüchern sich damit begnügen, ein Naturgesetz blos andeutungsweise durch das Experiment zur Anschauung zu bringen z. B. statt des


