Jahrgang 
1874
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über halb Hellas zu orientiren als hier oben: Zu unseren Füssen liegt eine Stätte uralter Cultur, der einstmalige Wohnsitz des Volksstammes, der die Idee der Schönheit und die Probleme dieser Idee zuerst ins dürre Menschenleben hineingeworfen hat, die Naturbedingung der herrlichsten Ent- faltung der in jenem Volksstamme schlummernden Anlagen, liegt die Ebene von Attika, die schöne weite und eigentlich doch recht enge Ebene. Denn sie ist, von Nordost nach Südwest streichend, nur etwa drei Meilen lang und zwei Meilen breit. Von der eleusinischen Ebene trennt sie der bis zu 1500 sich erhebende Aegäleos, den ein Sattel, der Pass von Daphne genannt, durch welchen die heilige Strasse gen Eleusis führt, in zwei Hälften theilt; die vom Sattel bis ans Meer reichende Hälfte heisst Korydallos. Der Aegäleos ist nur der Ausläufer des Parnes, der im Norden die attische Ebene begrenzt. Dieser ist ein mächtiges, wildes Gebirge mit einem ziemlich einförmig gegen den Horizont sich abhebenden, nach rechts(Osten) höher und höher ansteigenden Rücken, der schliessli ch die Höhe von 5000 erreicht, Tannen krönen diese Höhen, in den Schluchten grünt Laubwald. Eber und Bären hausten hier im Alterthum. Er schliesst sich an den böotisehen Kithäron an, dessen höchste Gipfel blau und duftig über die Einsattelung des Passes von Daphne herüber schim- mern. Kithäron und Parnes zusammen bilden die natürliche Grenze zwischen Attika und Böotien; drüben in den Waldschluchten, wo seit kurzem beim Dorf Tatõi der Sommersitz des Königs von Griechenland ist, lag Dekeleia, das die Lacedämonier im peloponnesischen Kriege zur Basis ihrer Angriffe gegen Athen machten; weiter westlich führt ein Saumpfad durch das Gebirg nach Böotien hinüber, dort thronte, 2000 über dem Meer, die Bergfeste Phyle, von wo aus Thrasybulos seine Vaterstadt von den 30 Tyrannen befreite. Im Nordosten erhebt sich, vom Parnes getrennt durch eine breite Einsenkung, welche nach Marathon hinführt, der Brilettos oder Pentelikon(IIevrelαuο 69os nach dem Demos Ievredn): es ist eine mächtige Kalksteinbergmasse in Gestalt einer Pyramide, 3500 hoch, seine Abhänge meist kahl, nur hier und da mit Oelwald, Fichten und Laubholz bewachsen; seine weltberühmten Marmorbrüche waren für Athen einst die Anregung zur Schöpfung von Werken unvergänglichen Ruhmes. Wo die südlichen Abhänge des Pentelikon sanft in die Ebene zu verlaufen beginnen, da wird für unsern Standpunkt ihr Profil gekreuzt durch die uns näher liegende, über 3000 hohe steile Mauer des Hymettos, der, ringsum frei, von Nord nach Süd ziehend, bis ans saronische Meer reicht, gen Osten die Ebene begrenzend. Die Ebene zieht sich jedoch, eine Stunde preit, auch noch um den Hymettos herum, zwischen diesem und dem Pentelikon her, und reicht als εοσνσχναάα bis ans östliche Meer. Der Hymettos ist kahl, nur wilder Thymian plüht da, Erika und stark duftende Bergkräuter, zahlloser Bienen würzige Nahrung: weitberühmt im Alterthum und heute noch ist der hymettische Honig. Die solchergestalt umgrenzte Ebene ist selbst noch durchschnitten von dem Turkovuni, dem Anchesmos der Alten, einem Zug felsiger Hügel, theilweise zusammenhängend, theilweise springend in einzelnen Absätzen mit dazwischen liegenden Sätteln, von Nordost nach Südwest vom Pentelikon her gerade auf Athen zustreichend. Ihre höchste Erhebung ist dicht bei Athen, der Lykabettos, eine beinahe isolirt, steil und spitz sich erhebende Felsenkuppe, an 1000 hoch, auf der engen Spitze eine Kapelle des h. Georg tragend. Er liegt ganz dicht vor uns, einen Theil des Pentelikon verdeckend; die Akropolis, auf der wir stehen, ist der auf den Lykabettos in der Kette nun folgende Hügel, den Sattel zwischen Lykabettos