Jahrgang 
1874
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und der Burg nimmt das moderne Athen ein. Im Halbkreis um die Akropolis nach West und Südwest hin gelagert, erblicken wir den Areopag, den Nymphenhügel, der die prächtige Sternwarte trägt, die Pnyx, auf der noch trefflich erhalten, aus dem lebendigen Fels gehauen, ein Block in Würfelform sich erhebt, wahrscheinlich die Rednerbühne des alten Athen, und endlich der Museion- hügel, überragt von dem hohen, halbzerstörten Denkmal des Philopappus aus der Zeit des Hadrian. Der ganze Zug der Turkovuni scheidet zwischen dem Thal des Kephissos und dem des Ilissos. Ersterer entspringt auf dem Pentelikon und fliesst nördlich von den Turkovuni: in seiner Niederung zieht sich in grossem Bogen ein breiter, dunkler, aber doch freundlicher Streifen hin, es ist der Oelwald, so ziemlich das einzige Grün in der soust fast völlig baumlosen Ebene. Von der eigentlichen Stadt bleiben Kephissos und Oelwald eine Viertelstunde entfernt, der Ilissos dagegen berührt sie unmittelbar, leider ist er nur das Felsenbett eines Giessbachs, das nur nach Regengüssen sich mit Wasser füllt. Eine Reihe Dörfer schimmern durch die Ebene, einzelne Klöster und zahl- reiche Kapellen, auch zerfallene Ruinen. Zu unseren Füssen aber lagert sich man könnte es für eine mittelgrosse deutsche Residenzstadt halten das moderne Athen. Freundlich und breit sind die ungepflasterten Strassen, vom Nordfuss der Akropolis an durchschneidet die Aeolosstrasse, nach Norden ziehend, die ganze Stadt, in ihrer Mitte begegnet ihr rechtwinklig die zweite Haupt- strasse, die Hermesstrasse, an deren Ostende sich das königliche Schloss erhebt. Dort, durch die 16 korinthischen Riesensäulen des Zeustempels hindurch, schimmert es uns entgegen, ein geräumiger, doch schmuckloser Bau aus pentelischem Marmor; auf dem Schlossplatz stehen tausende von Orange- bäumen, im Garten hinter dem Schloss wiegen Palmen ihr hohes Haupt, drängen sich in dichten Massen südliche immergrüne Bäume und Sträucher, blühen jetzt lustig die Frühlingsblumen: Schneeball und Flieder, Aurikeln und Immmergrün. Um den nördlichen Fuss der Akropolis her schaart sich ein dichtes Gewirr enger, steiler, schmutziger Gassen, es ist das Athen, das König Otto 1834 vorfand, als er von Nauplia hierherzog. Um den südlichen Fuss der Burg aber lagern sich Reste des Alterthums, so besonders das noch ziemlich wohlerhaltene Odeum des Herodes Atticus(s. Plan g) und das 1862 wieder vollständig ausgegrabene Dionysostheater(s. Plan f).

So das Land. Aber länger lässt sich das Auge nicht wehren, meerwärts zu schweifen. Da liegt zunächst dicht vor uns die Küste: die Configuration der Häfen, der prächtige, sicher durch den engen Eingang geschlossene Piräévs, durch einen Felshügel getrennt von dem winzigen Munychia und der offenen, breiten, flachen, sandigen Bucht Phaleron, die nur als die Athen am allernächsten liegende Bucht bis zu des Themistokles Zeiten hin die Athener bewegen konnte, sie zum Hafen der Stadt zu wählen, alles dies liegt wie auf einer Landkarte vor uns ausgebreitet. Die attische Küste südwärts wandert unser Auge bis dahin, wo der tief ins Meer hinausspringende Hymettos, das Vor- gebirge Zostér bildend, ihm eine Schranke zieht. Vor allem aber fesselt uns Salamis, dessen Berge dicht vor uns, zum Hineingreifen dicht, sich erheben, kaum erkennen lassend, dass noch ein schmaler Streifen Meeres, der in Wirklichkeit immerhin eine- halbe Meile breit ist, das Festland von der Insel trennt: Salamis ist ein einziger Bergzug, eine Fortsetzung des Aegäleos; zwischen ihm und dem Land liegt die kleine niedrige Klippe Psittäleia, wo Aristides die Truppen des Xerxes niedermachte; links davon aber schwimmt in der dunkelblauen Fluth Aégina, die herrliche Insel,