Jahrgang 
1874
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rahmen die Scene ein. Der ganze Tempel aber strahlte in buntem Farbenschmuck, goldene Schilde hingen am Architrav, Bronze und Elfenbein, Blau und Purpur glänzte in kunstvoller das Auge erfreuender Vertheilung.

Doch was ist aus dieser Herrlichkeit geworden? Wie sieht es heute hier aus? Ueber zwei- tausend Jahre stand der Tempel im wesentlichen unversehrt da; ihn hatte Sulla verschont, als er Athen plünderte, ihn die Stürme der Völkerwanderung, ihn die Christen und sogar die Türken. Die Christen machten aus dem Tempel der jungfräulichen Athene einen Tempel der jungfräulichen Maria(εοτοeνοs), verlegten den Eingang nach Westen und brachen eine Apsis in die Ostwand; die Marmorwände aber bedeckten sie mit byzantinischen Heiligenbildern, die zum Theil heute noch sichtbar sind. Die Türken bauten eine kleine, nach Mekka schauende Moschee in die Südwestecke des Parthenon, deren halb zerfallenes Minaret noch heute vorhanden ist. Als aber im Jahre 1687 die Venezianer unter Morosini und dem Grafen Königsmark, der deutsche Söldnertruppen befehligte, die türkische Feste belagerten, da hörten sie, im Parthenon sei das Pulvermagazin der Feinde. Man richtete die Mörser auf dies Ziel und am 26. September 1687 Abends 7 Uhr gelang es einem lüneburgischen Lieutenant, vom Pnyxhügel aus den Meisterschuss zu thun, nach seiner Meinung: donnernd flog die ganze Mitte des Tempels in die Luft, während Ost- und Westgiebel stehen blieben. Bis zu den Belagerern flogen die Marmorsplitter. Die Venezianer aber mussten sechs Mounate später Akropolis und Athen den Türken doch wieder für immer überlassen. Morosini wollte Poseidon und den Siegeswagen Athenes vom Westgiebel als Trophäe mitnehmen, doch die schweren Figuren stürzten herab und zerschellten in tausend Stücke. Die Türken nahmen von nun an von den Werk- stücken, so viele sie ihrer brauchten, brannten die Figuren und Reliefs, die am Boden lagen, zu Kalk, weil sie gemäss ihrem Glauben Anstoss nahmen an Abbildungen von Menschen, zerschlugen vieles aus Muthwillen, wählten Säulen und Metopen zum Ziel beim Schiessen, verkauften Bildwerke aus Gewinnsucht an Fremde. So schwand der Sculpturschmuck von Jahr zu Jahr, bis 1811 Lord Elgin, britischer Gesandter in Konstantinopel, im Grossen daran raubte: er nahm, was noch von Giebelfiguren da war, bis auf zwei, er riss 15 Metopenblöcke von der Südseite herunter, die ganze Nordseite und die ganze Südseite entblösste er von den noch daselbst gebliebenen Friesplatten, deren er im ganzen 50 Stück erbeutete; fand er auch vieles von diesen Sachen im Schutt des Bodens, so musste er doch, um die Friesplatten und besonders um die Metopen zu bekommen, die Mauern beschädigen und die Triglyphen zerbrechen, in welche die Metopen festgefalzt waren. Dadurch litt das Gebäude erheblich. Viel geschmäht wurde Lord Elgin, am leidenschaftlichsten von Lord Byron. Doch hatte Elgins Raub jedenfalls das Gute, dass die Sehätze, von nun an leicht zugänglich bei ihrer Aufstellung im britischen Museum, eine neue Epoche der Kunstgeschichte ein- leiteten; Phidias war bis dahin nur dem Namen nach bekannt gewesen, jetzt erst lernte man unzweifelhaft echte Werke des griechischen Meissels kennen und sofort Werke allerersten Ranges. Und was besonders Elgin entschuldigt: 1811 wusste man nicht, dass die Tage der Türkenherrschaft über Athen gezählt seien. Viel hatte die Burg noch zu leiden in den griechischen Freiheitskämpfen; als Athen dann frei war, wollte König Otto hier oben seinen Palast bauen, Schinkel hatte bereits prächtige, reizend phantastische Entwürfe dazu gefertigt, doch zum Glück begnügte man sich damit,