Jahrgang 
1874
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Statuen, Reliefs, Inschriften etc. aufgestellt; auch die Thorwand steht noch, freilich die Bronze- thüren sind verschwunden; über der rechten Flügelhalle steht, die Propyläen hoch überragend, ein mächtiger viereckiger Thurm aus der Zeit der fränkischen Herzöge, der den Eindruck der Propyläen leider sehr beeinträchtigt. Denn da die griechische Baukunst der besten Zeit nicht durch unge- wöhnliche Grösse wirken wollte, wie die ägyptische und altorientalische, noch durch kühnes Streben in ungemessene Höhen hinauf, wie die gothische, sondern einzig und allein durch Ebenmaass der Formen, durch die nicht nach Schablone und Schultradition, sondern nach dem lebendigen, freien, künstlerischen Gefühl wunderbar abgewogenen Verhältnisse, so sind auch die Prachtbauten der Akropolis zwar gross, aber nicht colossal; einige Maasse der Propyläen mögen dies bestätigen: die dorischen Säulen sind 29 hoch, ihr Durchmesser unten 5, die Mittelhalle ist 76 breit, die grösste Breite des Gesammtbaus ungefähr 150 die Gesammttiefe etwa 100 In Eleusis wurden später die Propyläen nachgeahmt; Epaminondas wünschte sie auf Thebens Burg Kadmea versetzen zu können; in neuester Zeit versuchte König Ludwig in München eine Nachahmung der Propyläen, doch man kann eben diesen Bau nicht nachahmen, weil man ihn nicht isoliren kann, weil er erdacht ist für diese bestimmte Oertlichkeit, in einen gegebenen Raum hineincomponirt.

Nunmehr stehen wir auf einem weiten Raum, den weisse Marmortrümmer aller Art und aller Grössen völlig übersäen. Hier war einst schwer durchzukommen vor der Menge der Weihgeschenke, die hier aufgestellt waren, Götterbildern und Denkmälern aus Marmor und Erz, da standen, wie Pausanias erzählt, das trojanische Ross von Strongylion, da Perseus gegen die Meduse kämpfend von Myron, da die Artemis Brauronia des Praxiteles, da Athene als Göttin der Gesundheit, da des Theseus Kampf mit dem Minotaurus, da ein Herakles, wie er die Schlangen würgt, da Athene aus Zeus Haupt entsteigend, da Io und Kallisto, Prokne und Itys, da ein Stier, den die Richter des Areopag geschenkt, da der Kampf der Giganten und die Schlacht gegen die Amazonen, der Sieg bei Marathon und die Niederlage der Galater in Mysien, Weihgeschenke des Königs Attalus von Pergamus, da Kimon und Perikles, Anakreon und Olympiodoros, und vieles, vieles andere, dessen Andenken erloschen ist, weil keine Schriftsteller davon Kunde geben. Noch sehen wir die Abgren- zung der gesonderten Tempelbezirke(reμένs, vgl. Plan b u. c), noch stehen zwischen den Trüm- mern hier und da trauernde Fussgestelle(z. B. Plan d), deren Inschriften uns wenigstens oft noch andeuten, welchem Werk sie einst zur Basis dienten. Aber das herrlichste von allem stand dort, wo man(Plan 5) den ausgedehnten quadratischen Unterbau noch sieht, denn darauf erhob sich das Erzbild der Athene Promachos, ein Werk des Phidias, in Erz; 60 Fuss mass sie, hoch die Lanze geschwungen, deren Spitze noch ihres Tempels Spitze überragte, der athenische Schiffer sah diese vergoldete Lanzenspitze schon funkeln, wenn er ums Vorgebirge Sunion bog(Paus. I, 28, 2), selbst den grimmen Gothenkönig Alarich soll die gluthäugige Göttin geschreckt haben. Jetzt ist sie weg, die Vorkämpferin Athene, auf ewig dahin!

Wohl erhebt sich noch, rechts vor uns, auf dem erhabensten Punkt des Felsens, die einstige Wohnung der jungfräulichen Göttin, der Parthenon, der herrlichste aller griechischen Tempel! Wahrscheinlich war es Pisistratus, der hier aus der abschüssigen Fläche durch gewaltige, an der Südseite 350 hohe Substructionen aus piräischem Tufstein eine künstliche Ebene schuf von