Jahrgang 
1874
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das Werk des Mnesikles. Die Propyläen allein verschlangen über 2000 Talente(etwa 3 Millionen Thaler), eine für die damalige Zeit natürlich ganz ungeheure Summe: ein Glück, dass die Tribut- gelder wenn man sie so nennen darf der Bundesgenossen da waren! Man errichtete keine Prunkbauten, aber Prachtbauten ersten Ranges, zu denen nur das allerbeste und alleredelste Material verwandt wurde, nur der weisse Marmor des pentelischen Berges in gewaltigen Blöcken. Wie ärmlich sehen dagegen auch die stolzesten Bauten des kaiserlichen Rom aus, wo überall unter den Marmorplatten, mit denen sie einst belegt waren, der Backstein durchblickt, welcher durchweg den Kern bildet.

Gen Westen hin, nicht ganz auf der Höhe, an der schmalsten Stelle des Felsens, hat Mnesikles das Festungs- und Festthor hingebant, mit seinen Vorhallen, Propyläen(r0Qmπeσ, eins der bewundertsten Werke des Alterthums, dessen Ruhm man noch über den des Parthenon stellte. Es war die Aufgabe zu lösen, auf engem, ansteigendem, ganz unregelmässigem Terrain einen Prachtbau zu errichten, aber»in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister«, und auch hier gab die Beschränkung nur zu einer um so glänzenderen Leistung Veranlassung. Denken wir uns die Pro- pyläen noch unversehrt, wie unsere Vignette sie zeigt, dann hätten wir vor uns eine Art Tempel- front, ein von 6 dorischen Säulen getragenes Gebälk mit Giebelfeld, nur die grössere Weite zwischen den Mittelsäulen, 13 Fuss, während die übrigen Intercolumnien 7 Fuss betragen, deutet auf eine Thoranlage. Rechts und links von diesem Hauptgebäude, rechtwinklig gegen sie stehend, ist je eine Halle vorgelagert, wie zwei begrüssend und einladend sich öffnende Arme; die Halle links hat eine grössere Tiefe, als die rechts, sie heisst die Pinakothek und birgt herrliche Gemälde des Poly- gnotos. Auf vier Stufen steigen wir zum Mittelbau hinan; bleiben wir im Mittelweg, so wandeln wir auf einer Rampe(Plan h), dem Weg der Wagen, Reiter und Opferthiere. In das Innere des Baues eintretend, sehen wir den beständig noch ansteigenden Mittelweg getragen von 6 schlanken ionischen Säulen, 3 rechts und 3 links; wieder folgen 5 Stufen auf den Seiten, während in der Mitte die Rampe sich weiterzieht, und wir stehen dicht vor der Wand, durch welche 5 Thore führen, niedrig die seitlichen, höher die zunächst der Mitte, mächtig die andern überragend das Haupt- und Mittelthor, bronzene Thorflügel schliessen die viereckigen, nach oben sich verjüngenden Oeffnungen; nachdem wir die Thore qurchschritten, empfängt uns nochmals eine 22 tiefe, von 6 dorischen Säulen getragene Vorhalle, diese erst entlässt uns endlich in den innern Burgraum. Die Steinbalken, welche die Bedachung der Halle bilden, bestehen aus riesigen Werkstücken von über 22 Länge, deren einzige Grösse im Alterthum das höchste Staunen erregte.

Und wie stellt sich das alles heute dar? Das Mittelalter hindurch und bis in die Zeit des letzten griechischen Freiheitskrieges war die Akropolis Residenz und Festung, war überbaut mit Häusern und engen steilen Gassen, Bastionen, Thürmen und Festungswerken; das neue Griechenland hat alles eingeflickte Mauerwerk entfernt, und also auch die arg zertrümmerten Propyläen freigelegt. In der Türkenzeit hat eine durch Blitzschlag veranlasste Pulverexplosion Dach und Giebel herunter- gerissen, von den meisten Säulen stehen nur noch Stummel, Reste der Kapitäler und der Riesen- bpalken der Decke liegen am Boden; nur die Pinakothek ist noch leidlich erhalten, fest ineinander- gefügt stehen die Marmorquadern ihrer Wände; drinnen sind unzählige Fragmente von Werkstücken,