Jahrgang 
1874
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von Korinthern gegründet, eine der berühmtesten Handelsstädte des Alterthums, Kérkyra(Corcyra), selbst wieder Mutterstadt bedeutender Colonien. Die Streitigkeiten der aristokratischen und Volks- partei in Corcyra waren bekanntlich die äussere Veranlassung zum Ausbruch des so verheerenden peloponnesischen Krieges. Wollen wir bis in die Sagenzeit hinabsteigen, so begegnen uns hier liebliche, idyllische Gestalten: Alkinoos und Nausikaa, denn Corcyra hielten schon die Alten für die Insel der Phäaken, das homerische Scheria. Die steilen Strassen der Stadt hinansteigend hatten wir den Genuss, zum erstenmal in halb griechischer halb orientalischer Luft zu athmen: hier sassen uuter dem Thor die Geldwechsler an niedrigen Tischen, hier trugen die Männer die malerische griechisch-albanesische Tracht, bestehend aus der weissen, von den Hüften bis ans Knie reichenden, vielgefältelten Fustanella, aus einer ärmellosen Jacke, Gamaschen und rothen Schnabelschuhen, auf dem Kopf den rothen Fez mit blauer oder goldner Quaste, ähnlich eigenthümlich die Frauentracht; griechische Laute trafen unser Ohr, griechische Zeitungen lagen in den Cafehäusern und selbst die Häuserschilder waren griechisch: αρ εεoν(Cafehaus), Ssvoôνε̈ον(Gasthaus), umνυς(Tabak) etc. lasen wir. Die englische Oberherrschaft, sowie auch der Umstand, dass Corfù ja Weltstation ist zwischen Europa, dem Orient und Nordafrika, neuerdings auch Indien, hat hier Hotels geschaffen, die den verwöhntesten Engländer befriedigen, in der Güte wie in den Preisen, welche eben die englischen sind. Die öffentliche Promenade ist ein reizender, weiter, von Arkaden und Cafehäusern umgebener Platz, an den das frühere englische Regierungsgebäude stösst, der mit schöngepflegten Rasenplätzen und blühendem Strauchwerk geschmückt ist, auch mit zwei Denkmälern britischer Lords, griechische Soldaten exerzieren hier, Militärmusik erschallt. Herrlich ist der Spaziergang am Meeresufer vor der Stadt, nach Süden zu, wo die alte Stadt lag, deren wenige Trümmer noch jetzt Altstadt(νααmννια) heissen. Je weiter man in die Insel hineinschreitet, desto reizender ist alles, was man da sieht. Die lange venezianische Herrschaft war in vieler Hinsicht eine Blüthezeit, jeder neugepflanzte Oelbaum wurde von der Regierung prämiirt und in Folge dessen wachsen hier noch heute Millionen dieser segenspendenden Bäume Und welche Bäume? nicht mehr wie noch vielfach in Italien mehr oder weniger unscheinbar, sondern hochaufstrebend, mächtig verzweigt, weitschattend, geborsten und zerrissen vor Alter, aber umgeben von grünenden Wurzelschösslingen; wo wir wandeln, ist das Land ein einziger Oelgarten, unter den Bäumen ist moosdurchwachsener Rasen, drin duften zahllose blaue und weisse, meist gefüllt blühende Veilchen und bunte grosse Anemonen, frische Quellen rieseln durch die Wiesen die Abhänge hinunter ins Meer, Herden von Schafen und Ziegen weiden da, freundliche Landhäuser und Dörfchen blinken durchs Grün. Wir kamen an einen südwärts schauenden Punkt, eine Felsenspitze hoch über dem Meer, rechts von uns zog sich tief ins Land hinein eine liebliche Bucht, der jetzt versandete Hafen der alten Stadt, zu unsern Füssen zwei winzige, aber im Schmuck grüner Bäume glänzende Felseninselchen, das eine trägt eine Kapelle, das andere ein Kloster; die Sage will, dass das eine jenes Schiff der Phäaken sei, das den Odysseus zur Heimat gebracht und zur Strafe von dem darob zürnenden Poseidon in einen Fels- block verwandelt sei. Wir kamen auch in die Gärten des Königs von Griechenland; sie ziehen sich die Abhänge hinab bis an den Strand, voll blühender Blumen, frischgrüner Wiesenteppiche,

immergrüner, oder, was eine reizende Abwechslung bot, frischknospender Bäume und Sträucher, 1*