24
des Caeliushügels besteht, kann also nur aus sehr früher Zeit sein, wo es eben noch anging, Steine in der Stadt zu brechen. Wahrscheinlich ist die Tufmauer ein Theil der Umfassungsmauer des Servius Tullius. Man hat sie auf die Länge von 210 Fuss verfolgt, ohne Anfang und Ende zu finden. In die Tiefe hat man ihr nicht weniger als 23 Fuss nachgraben müssen, ein Beweis, wie ausserordentlich sich Roms Boden erhöht hat, da der oberste Theil jener Mauer doch noch nahezu 20 Fuss unter der heutigen Oberfläche der Stadt liegt. Mit dieser Doppelmauer stösst eine der- selben Art rechtwinklig zusammen, und führt dicht am Altar vorbei quer durch die Kirche, ohne dass auch hier ihr Ende erreicht ist. Ferner: auch die Fundamente der alten Apsis ruhen auf ältern Mauern aus sorgfältigem Ziegelbau der ersten Kaiserzeit. Obwohl, um diese blosszulegen, das ganze sich durchkreuzende Gewirre der Fundamentmauern der ältern Kirche, der neuern Apsis, anstossender Klostergebäude zu durchbrechen und zu stützen war, gelang dies Unternehmen doch. Wir treten, auf hier angebrachten Stufen hinabsteigend, durch das vielfaltige, vielgestaltige Gemäuer uns windend, in ein rechteckiges Zimmer, aus diesem in ein zweites. Diese Zimmer sind prächtig ge- wölbt, völlig erhalten, die weisse Stuckdecke ist mit grossen vertieften Cassetten verziert, deren jede eine Rosette schmückt, antike Ornamente und Figuren. Es sind offenbar Palastzimmer, Zimmer aus einem grossen, vornehmen Gebäude. In dem Schutt ihres Fussbodens aber lag— ist das nicht höchst seltsam—— ein Mithrasaltar! Mithras in Reliefarbeit so, wie er gewöhnlich dargestellt ist, auf dem Stier kniend, ihn an den Hörnern fassend, während er ihm das Messer in die Kehle drückt. An den Ecken der Fläche Sonne und Fisch, auf der Rückseite eine Schlange, auf den Nebenseiten je ein Mann in phrygischer Mütze, eine Fackel in der Hand. Wer erklärt uns all die dunkeln, geheimnissvollen Zusammenhänge, welche hier walten mögen? War hier, wie die Tra- dition will, wirklich dereinst das väterliche Haus des Clemens? Dann muss er allerdings aus vornehmem Geschlecht gewesen sein. Ferner: War jenes reich geschmückte Gemach unter der alten Apsis ein zum Gottesdienst bestimmter Ort? War es etwa die„Memoria“, von der Augustinus berichtet? Oder war es ein eigens errichtetes Oratorium von der Art, wie wir sie in den Kata- komben hier und da finden? Die Form erinnert allerdings daran. Allein dann müsste es vor allem auch die Aehnlichkeit mit den Katakomben baben, dass hier ein Grab gewesen sein müsste, oder doch Ueberreste eines geliebten, heiligen Todten. Die Ueberreste des Bischofs Clemens können nicht hier gewesen sein, sonst hätte sich die Legende sicherlich nicht in der Gestalt gebildet, wie sie uns vorliegt. Allein folgender auffallende Umstand scheint hier Licht zu geben: Innerhalb des Chorus der Oberkirche ist eine Platte im Fussboden mit der Inschrift: Flavius Clemens martyr hic feliciter est tumulatus. Als man nun 1867 eine Untersuchung der Transenna, d. h. des alten Reliquienschreins vornahm, fand sich in diesem neben allerlei Fläschchen, Gebeinen etc. nur eine einzige verstümmelte Inschrifttafel, welche ausser dem Monogramm Christi ebenfalls die angeführten Worte enthält, nämlich: FLAVIVS CLEM: MTR HC FELICIT. EST TVM, darunter in kleinerer Schrift: LEO. I. D0CT. XIS. M. VI. AS. P. EG, was bis jetzt noch nicht befriedigend gelesen ist. Leo I. war Papst 450— 461. Dies alles legt nun die Vermuthung nahe, dass jener vornehme Märtyrer Clemens aus der kaiserlichen Familie der Flavier hier seinen Palast gehabt haben mag, der, bereits zu seinen Lebzeiten zur Versammlung der Christen und zur Agapenfeier benutzt, nach seinem Tode dauernd dazu geweiht wurde, wie ja auch sonst üblich, ferner dass jene schon von Haus aus unter- irdischen Gemächer zum Oratorium(Memoria) dienten und dort auch vielleicht die Gebeine des verehrten Märtyrers bewahrt wurden. Als aber später im Gedächtniss der römischen Gemeinde


