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pfavius Clemens durch den Bischof Clemens verdrängt wurde, mag unvermerkt das jenem geweihte Gotteshaus als ein ursprünglich diesem gewidmetes angesehen worden sein, schon zu des Hiero- nymus Zeiten(392). In drei solchen Jahrhunderten voller Verfolgungen, Auflösungen und Neuge- staltungen aller Art schwankte und änderte sich eben manche Tradition. Jedoch: was soll nun der Mithrasaltar? Sodann: War hier auch einmal eine Mithrascultusstätte? Oder wollten Heiden den hei- ligen Ort der Christen entweihen durch Hierherschleppung des Altars? Die Lokalität wäre sehr geeignet gewesen zum Mithrasdienst, denn wir wissen, dass dieser fremdländische Cultus des persischen Sonnen- goltes, eingeführt im Anfang des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, verboten seit 378, solche ver- borgenen, unterirdischen Räume liebte. In Höhlen und Grotten, in der Nacht der Wälder ſielen dem Mithras zahlreiche Opfer, und wir wissen, es waren auch Menschenopfer dabei. Eine Zeitlang schien es sogar, als rängen Christus und Mithras im Römerreich um die Herrschaft, so breitete sich jener mystische Dienst aus. Wo irgendwo verborgene Schluchten sind in allen Ländern, welche römische Legionenadler durchflogen, auf der Insel Capri, in Dalmatien, wie nicht minder im Rheinland und an der Donau, da hat man auch Mithrasaltäre gefunden. Allein jene besprochene Kammer unter der Apsis von San Clemente muss doch nicht mehr dem christlichen Gottesdienst geweiht gewesen sein, als der Mithrasaltar herkam, sonst hätte man ihn doch sicherlich späâterhin entdeckt und wieder entfernt. Die Untersuchung muss eben hier der Natur der Sache nach sich in unbestimmte Fragen und Vermuthungen verlieren, da fester geschichtlicher Anhalt ihr fehlt. Doch scheint mir noch eine Mittheilung Rondininis bemerkenswerth, deren Ouelle ich bisher noch nicht entdecken konnte. Er erzählt: Unter dem Kaiser Otto III. weilte als Begleiter seines Kaisers Bischof Franko von Worms in Rom; unter andern Andachtsübungen besuchte er mit dem jungen Otto III. barfuss und in Zie- genfelle gekleidet(ciliciis induti) eine Grotte(spelunca) neben St. Clemens. Dort wachten sie vierzehn Tage, hatten sogar Visionen, und dem Franko wurde sein Tod vorausgesagt, der auch wirklich bald darauf noch in Rom erfolgte. Dies geschah im Jahre 999. Er wurde in st. Peter im Vatican begraben. Sollte nicht die zuletzt besprochene altrömische Kammer jene spe- lunca gewesen sein, wie man sie füglich ganz gut nennen kann 2 999 stand noch die alte Kirche, und die Grotte, zwar nicht mehr geradezu geweihter Ort, mag doch noch als eine Art Heiligthum gegolten haben. Gewiss, erinnerungsreich ist dieser kleine Fleck Erde, wie wenig andere, vieler Menschen Geschlechter haben hier Spuren ihres Daseins hinterlassen, auf einem Schutt ruht hier immer wieder ein andcrer, jeder aber weiss etwas zu erzählen aus seiner Zeit; das Oberste ist selbst schon Denkmal alter Vergangenheit, unten aber in der Tiefe die Stadtmauern der mythischen Könige, greifbare, nicht mythische Mauern, Paläste der Grossen, Gebelstälten der neuen damals ge- schmähten Religion, der Altar des Mithras, das Gemüth des Kundigen mit Erinnerungen füllend an jenes seltsam verworrene, gährende Zeitalter des Synkretismus, die Geburtszeit der altkatholischen römischen Kirche. Eine ganze Welt geht vor unserm geistigen Auge vorüber, es drängen sich Gestalten, kommend und gehend, aber grosse Gestalten, und eine grosse bedeutsame Welt.
Carl Hessel, Gymnasiallehrer.


