Jahrgang 
1873
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eingezogenen Pfeiler angebracht, aber nur äusserst mühsam zu beschauen sind, weil die dicht daneben beim Neubau der Kirche zur Stütze der obern Säulen aufgeführten Mauern überall nur einen ganz engen Spalt frei lassen. Die Gegenstände dieser Bilder sind einzelne Figuren, darstellend St. Antonius, St. Blasius, St. Aegidius, St. Prosper und Daniel in der Löwengrube.

So haben wir denn in der Basilika eine grosse Folge von Denkmälern der Malerei, deren älteste höchst wahrscheinlich aus constantinischer Zeit stammen; als zweite Gruppe bezeichneten wir die beschädigten Bilder der Umfassungsmauern im byzantinischen Styl, deren Zeitalter meist nicht genau zu bestimmen ist; als dritte Gruppe die aus der Zeit Leos IV.(847 855); als vierte die, welche auf Cyrill sich beziehend bald nach dessen Tode entstanden sind(869), und endlich als fünfte Gruppe die vier Votivbilder auf den Pfeilern, welche gegen Ende des elften Jahrhunderts gemalt sind. Besonders diese letzten sind wegen ihrer ausgezeichneten Erhaltung und wegen ihrer unbezweifelbaren Echtheit und Unberührtheit ein einzig dastehendes culturhistorisches Denkmal aus einer sonst dunklen Epoche. Besitzen wir auch viele alte Mosaiken aus jenen Zeiten, so sind selbige doch in ganz hergebrachten Formen von byzantinischen Arbeitern gefertigt, hier dagegen sind grosse, ſigurenreiche, lebenswahre, freie Compositionen, die Gruppirung ist wohl durchdacht und hat geradezu etwas Modernes, die Leidenschaften sind in bewegtem Spiel der Mienen und Hände in ihren ver- schiedenen Abstufungen naturgetreu ausgedrückt, der Faltenwurf ist richtig und in schönen Massen geordnet, die Körper sind im Ebenmass und nicht verzeichnet, es ist unterschieden zwischen alten und jungen Gesichterp, die Farben sind frisch und lebhaft, die Ornamente zum Theil von anziehender, ganz an die Antike erinnernder Leichtigkeit, kurz diese Bilder geben Zeugniss von einer zu Zeiten des Papstes Gregor VII. zu Rom bestehenden einheimischen Malerschule, welche vielfach von der byzantinischen Malweise sich freigemacht hatte und einen ununterbrochenen Zusammenhang mit dem heimischen Alterthum in lebendiger Tradition in ihrer Mitte fortgepflanzt zu haben scheint.

Um die Lücken der Baugeschichte der Basilika zu ergänzen, vor allem um der Zerstorung und dem Neubau ein festes Datum anzuweisen, genügt ein Ueberblick über jene Bilder. Denn die letzte Gruppe umfasst die der Zeit nach jüngsten Bilder der Kirche, aus dem Ende des 11. Jahr- hunderts, die auf Anastasius weisenden Inschriften der Oberkirche dagegen beweisen, dass die nach schriftstellerischen Nachrichten stattgefundene Herstellung der Kirche durch Anastasius im Jahre 1112 sich auf die Oberkirche bezog. Auch die vielen Sarkophage, welche unten gefunden sind, bestätigen diese Daten; es waren zwei datirte Inschriften dabei, eine weist auf Ursus und Polemius, welche im Jahre 338 Consuln waren; die andere auf Papst Gregor VI.(1044) und zugleich auf Papst Nikolaus (wohl der II., 1059). Zwischen Mitte oder Ende des 11. Jahrh. und 1112 fallt aber das für Rom verhangnissvolle Jahr 1084, wo Robert Guiscard den Stadttheil zwischen Lateran und Capitol zer- störte, unter Kaiser Heinrich V. und Papst Gregor VII. In diesem Stadttheil liegt eben unsere Basilika, und es ist wohl geradezu zur Gewissheit erhoben, wenn auch jede schriftliche direkte Nachricht fehlt, dass sie damals mit der Umgebung in Trümmer fiel, und gegen 1112, des um sie ner hoch aufgethürmten Schuttes der Zerstörung halber um 12 Puss gegen den vorigen Stand erhöht wieder neu erbaut wurde, mit kleinerem, dürftigerem Grundriss.

Aber auch in die Zeiten vor Gründung der alten Basilika haben die Ausgrabungen Blicke eröffnet. Es hat sich gezeigt, dass die Nordwand der alten Kirche auf zwei einander parallelen Mauern ruht, deren eine aus etwa zehn Fuss langen Travertinblöcken besteht, und jedenfalls in die vorkaiserliche Zeit zurückgeht. Die andere dagegen ist aus demselben Tufstein, aus dem der Kern