22 teren Papstes Nicolaus, wie ja so gern allerlei historische Facta auf hervorragende Persönlichkeiten angehäuft werden. Ein Bild, in Rom selbst gemalt, an dem Orte selbst, wo das dargestellte Ereig- niss sich zugetragen hatte, angebracht, stellt dies Ereigniss unhistorisch dar! Die Ursache kann nur sein, dass es zu einer Zeit geschah, wo die veränderte Tradition bereits allgemeinen Glauben gefunden hatte, also frühestens gegen Ende des 11. Jahrhunderts. Damit ist aber die Zeit sämmtlicher vier Bilder bestimmt, da alle man möchte sagen geradezu dieselbe Künstlerhand verrathen. Das dritte, im Mittelschiff, ist ebenfalls nach der Inschrift von Benno de Rapiza und seiner Gattin Maria gestiftet, und behandelt die Legende, wie der vornehme heidnische Baumeister Sisinnius seine von Clemens bekehrte Gattin Theodora mit Gewalt aus der Kirche holen will, aber, auf des Clemens Gebet geblendet, durch einen Knaben hinausgeleitet werden muss. Clemens liest die Messe am Hauptaltar, vom Cihorium herab hängt ein Kronleuchter mit sieben Lampen, links stehen zwei Bi- schöfe, ein Diakon, ein Subdiakon, bei ihnen in halb so grossen Figuren die zwei Donatoren, demuü- thig, mit Wachsstöcken in der Hand, rechts vom Altar Volk, im Vordergrund Theodora, und die Scene mit dem Geblendeten. Die Figuren der Theodora, sowie die der vier Cleriker sind besonders lebenswahr in den verschiedenen Abstufungen der Theilnahme an dem wunderbaren Ereigniss, die Bewegungen frei und ungezwungen. Dies ist die Mittelabtheilung. Unten sieht man Sisinnius, in Wuth seinen Knechten befehlend, den ihn besuchenden Clemens zu binden. Der aber ist gar nicht. sichtbar, denn mit Blindheit geschlagen binden die Knechte eine daliegende Säule und werden von Sisinnius gescholten, weil sie die Säule nicht schleppen können. Diese Scheltworte sind altitalienisch beigeschrieben: falite de reto colo palo Carvoncelle, dann: Albertel, Cosmaris, trai, dann: fili dele pute traite, zugleich aber auch die Worte: saxa traere meruistis, duritiam cordis vestris, welche als Worte des Clemens, oder auch des Malers betrachtet werden können. Wir haben also hier ein auch sprachgeschichtlich interessantes Denkmal. Die obere Abtheilung zeigt noch den untern Theil von weit grössern Figuren, deren mittelste nach der Beischrift Clemens ist, vor einem Sessel ste- hend, zu seiner Rechten, im Profil auf ihn zutretend, Petrus, hinter diesem Linus, zur Linken des Clemens Cletus, ausserdem sind noch vier unbezeichnete Figuren da. Das letzte Bild stellt die Legende des h. Alexius dar. Sohn eines reichen Vaters, der auf dem Aventin wohnte, erwählte er freiwillige Armuth. Als Bettler kehrte er heim, ungekannt von den Seinen. Non pater agnoscit misereri qui sibi poscit, dieses ist auf der Mittelabtheilung links gemalt. Er lebte Jahrelang unter der Treppe des Vaterhauses, und starb dort. Der Todte hielt ein Papier, dass ihm Niemand enl- reissen konnte, aber als Bonifacius, der Papst, hinkam, öffnete er die Hand, und: Papa tenet cartam, vitam quae nuntiat artam, dies ist in der Mitte dargestellt, rechts aber die Klage der Verwandten um den nun auf kostharem Bett liegenden Todten. Die obere Abtheilung zeigt wieder die untere Häalfte von grossen Figuren, von denen die mittlere den Heiland vorstellt, auf einem kostbaren Thron sitzend, ihm zur Seite Michael und Gabriel, S. Clemens und S. Nikolaus. Die unlere Abtheilung zeigt recht reizende Arabesken, Vögel, Blumen und Früchte. Die Stifter sind nicht genannt. Zu sämmtlichen vier Gemälden ist noch zu bemerken, dass die Einzelheiten mit der grössten Sorgfalt gearbeitet sind, besonders Gewänder und heilige Geräthe, so dass sie für die spezielle Geschichte der katholischen Liturgik, besonders der Cultusformen, Priester- und Messgewänder eine schatzbare OQuelle sind, wie denn auch der in solchen Dingen kundige de Rossi, ebenso Dudik diese Einzel- heiten vielfach zur Bestimmung des Zeitalters der Bilder benutzen. Doch gehe ich darauf nicht ein, unterlasse es auch, die wenig interessanten Bilder zu besprechen, die an den Schmalseilen jener
Jahrgang
1873
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