19 zeigen sich noch einige schöne Engelsköpfe, die für ein beträchtliches Alter des Bildes sprechen. Die Südmauer zeigt in der Ostecke Ueberreste einer rohen Darstellung mehrerer Thaten eines Benedictinerheiligen Libertinus, welche in den Dialogen Gregors des Grossen berichtet sind. Der Prior schliesst daraus etwas voreilig, die Bilder möchten wohl aus der Zeit unmittelbar nach Gregors Tode(604) herrühren.
Die dritte Gruppe von Bildern lässt sich schon eher der Zeit nach bestimmen. Im Mittel- schiff, wo es mit dem Narthex zusammenkommt, sind die Ecken durch Pfeiler gebildet. Von diesem Pfeiler bis zur nächsten Narthex und Hauptschiff trennenden Säule ist von späterem, aber noch altem Mauerwerk ein Pfeiler gezogen. Dieser Pfeiler trägt folgendes im Ganzen wohl erhaltene Bild: Oben Christus in ganzer Figur in einem ovalen Rahmen, den vier Engel schwebend über einem sternbesäten Hintergrund halten. Zu ihm erhebt sich, den Kopf nach oben gerichtet, die Arme gebreitet, Maria. Ihre Füsse sind in gleicher Höhe mit den Häuptern der Apostel, von denen sechs rechts, sechs links vom Grabe stehen, dem Maria entschwebt. Das Grab selbst ist durch Abfallen des Kalks zerstört. Alle Apostel tragen die lebhaftesten Aeusserungen des Erstau- nens zur Schau, die rechts entsprechen in Bewegung und Anordnung heinahe völlig denen links. So sehen die zwei zunächst am Grab befindlichen scheu nach oben, die flachen Hände von sich haltend. Die zwei dann folgenden prallen gar geduckt seitwärts, den Kopf halb zurück, halb ängst- lich nach oben biegend, die Rechte auf die Brust gelegt. Andere ermuthigend und gläubig nach oben weisend, zwei halten sich Nase und Mund zu, wodurch wohl etwas ungeschickt heilige Scheu und sprachloses Staunen ausgedrückt werden soll, welches aber den Eindruck macht, als fürchteten sie den Modergeruch des Grabes. In grössern Figuren, ohne Theilnahme an der Handlung, stehen rechts und links der heilige Vitus und ein Priester, mit viereckigem Nimbus und der Beischrift: SANCTISSIMVS DOMLEO. RT PPROMANVS. Der quadratische Nimbus deutet darauf, dass der Dargestellte noch am Leben war, sanctissimus dominus ist der Titel der Päpste, die Beischrift kann sich nur auf Leo IV. beziehen, und das Bild muss zu seinen Lebzeiten gefertigt sein, zwischen 847 und 855, zur Zeit Lothars. Wir erinnern uns an die von Anastasius berichteten Schenkungen Leos IV. an dic Clemenskirche, und vermuthen, dass hier der Papst Leo in seiner Eigenschaft als Donator dieses Bild gemalt ist. Damit stimmt auch die Unterschrift: OQuod haec praecunctis splendet pictura decore. Componere hanc studuit praesbyter ecce Leo. Danach ist vielleicht Leo, kurz ehe er Papst wurde, der Stifter des Bildes gewesen, zumal stets einer der Cardinalpriester den Titel Presbyter von St. Clemens führt. Das Ganze ist übrigens von geschickter Hand, trolz der waltenden Symmetrie voll dramatischen Lebens, doch immerhin flüchtig und roh entworfen, die Figuren ziemlich klein, von Farben nur roth, gelb und schwarz angewandt. In derselben Manier gemalt, möglicher- weise aus noch etwas früherer Zeit, finden sich auf dem Eckpfeiler nebenan zwischen Mittelschiff und Narthex fünf Bildchen, von denen eins, die Kreuzigung Christi, noch völlig erhalten ist, drei andere wenigstens noch erkennbar: die zwei Marien mit Spezereien am leeren, engelgehüteten Grab, Christus in der Unterwelt Adam befreiend, während Eva noch hülfeflehend ihm die Hände ent- gegenstreckt, die Hochzeit zu Kana, gekennzeichnet durch die Beischrift: architriclinus. Die Kreuzigung Christi ist wohl das älteste erhaltene Wandgemälde, das diesen Gegenstand darstellt. Man hatte lange Scheu, die Kreuzigung bildlich darzustellen, in Ravenna in S. Apollinare nuovo ist z. B. in Mosaik die ganze Passionsgeschichte, die Kreuzigung fehlt. Die bis jetzt nachweislich älteste Darstellung ist in einem Miniatur vom Jahr 586, aber in der byzantinischen Kunst wird sie erst nach den Bilder-
3*


