14 dorthin gesandt, welcher viele getödtet und schliesslich auch den Clemens mit einem Anker um den Hals ins Meer versenkt habe. Dem Clemens als Mittelglied zwischen Aposteln und Päpsten schrieb man in der Folge eine Reihe hierarchischer Einrichtungen bereits zu, so soll er durch sieben Notare die Geschichte der Märtyrer haben aufzeichnen lassen, weshalb denn die päpstlichen Protonotare noch heute ihn in ihrem Siegel führen als Stifter, die Messkleidung soll er eingeführt haben, soll der Verfasser der apostolischen Constitutionen sein, etc. Besonders popular machte ihn der im 5. Jahrhundert auftauchende Roman der(pseudo-) clementinischen Recognitionen und Ho- milien, welcher bald in der Christenheit grosses Ansehen und Glauben fand. In dem Roman ist er ein vornehmer philosophisch gebildeter Rômer, dessen Vater Faustus oder Faustinus hiess. Beiläufig bemerkt sei schon hier, dass die Clementinen die Wohnung des Faustus in Rom nicht angeben. Nach dem Roman trifft Clemens im Orient mit Petrus zusammen, wird sein getreuer Reisegefährte und später sein Nachfolger. Wir kennen ferner einen Clemens„consularis vir“, welcher unter Domitian als Christ gelödtet wurde, obwohl er und seine Gattin Flavia Domitilla mit Domitian ver- wandt waren.(Sueton 8, 15). Nach Dio Cassius 67, 14 wurde er und seine Gattin Aνιτεντο, der Gottlosigkeit angeklagt, wie so viele solcher, die sich& τ τρνν lουιανν ν verführen liessen. Der liber pontificalis sagt, der h. Clemens sei geboren in regione secunda Caelii montis, und damit in Zusammenhang steht die alte Tradition, die Clemensbasilika sei an der Stelle des Wohnhauses des Clemens errichtet, vielmehr nach seinem Märtyrertode habe die Gemeinde sein Wohnhaus als das von ihm übrige Andenken zum Gotteshaus geweiht. Alle diese Angaben laufen freilich durcheinander, und die letztern passen nicht auf den im Philipperbrief erwähnten Gehülfen des Paulus zur Zeit seiner römischen Gefangenschaft, passen auch nicht auf den Judenchristen Clemens, Verfasser des Corintherbriefs. Im Bewusstsein der Christenheit schmolzen jedoch rasch genug alle diese Angaben zusammen, und weil die Römer von jeher ihre Localheiligen besonders hoch in Ehren hielten, so sah man ihn um so bereitwilliger mit mancherlei Glanz umgeben. De Rossi erinnert auch an die Familie der Acilius Glabrio, von denen viele Mitglieder den Namen Faustus, Faustinus geführt hätten; ein A. Glabrio, der Consul war 91 n. Chr., wurde von Domitian zum Tode verurtheilt, Neuerungen angeklagt, quasi molitor novarum rerum, sagt Sueton(S, 10); aus dem Grunde, aus dem auch die Andern verurtheilt sind, sagt Dio Cassius(ola œ ο Ʒ Aοt 67, 14) nachdem er unmittelbar vorher solche aufgezählt, welche, wie der vorhin erwähnte Flavius Clemens, wegen des christlichen Bekenntnisses verurtheilt waren. Aus derselben Zeit wird be- richtet, dass auf dem Caelius vornehmlich vornehme Familien gewohnt hätten. Entweder wirkliche Beziehungen etwa zu einem Faustus Glabrio, oder Namensähnlichkeit, meint de Rossi, habe viel- leicht die Legende schon früh hervorgerufen, dass des Bischof Clemens väterliches Haus auf dem Caelius sich befunden; in Folge dieser römischen Tradition, von der natürlich nicht entschieden werden kann, ob sie selbst auf richtigen Thatsachen beruht, scheint die Clemenskirche bereits vor Constantin oder doch zur Zeit Constantins entstanden zu sein. Denn wir finden eben beharrlich die Angabe, die Kirche sei aus dem Wohnhaus des Clemens entstanden. Derartige lokale Traditionen aber sind stets beachtenswerth, zumal man sich sagen muss, dass irgend eine Erinnerung an Cle- mens die ihm geweihte Kirche mit seiner Person verknüpft haben muss. Märtyrern nämlich wurden lange Zeit nur dann Kirchen geweiht, wenn ihre Reliquien sich am Ort befanden, oder wenn der Ort an ihre Wohnung, ihr Martyrthum etc. erinnerte. Die 5. carthagische Synode(416) canon 14 verbietet eine solche Stiftung, wenn nicht aut corpus aut aliquae certae reliquiae aut origo ali-
Jahrgang
1873
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