Jahrgang 
1873
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Archäologie gegenwärtig ohne Frage als die erste Autorität bezeichnet werden muss. Eigentlich ein einfacher Advokat, hat sich de Rossi durch die grosse Sammlung der christlichen Inschriften (Inscriptiones christianae), durch sein umfangreiches Werk über die römischen Katakomben,(Roma sotterranea), wie durch zahllose Einzelforschungen ungewöhnliche Verdienste erworben. Seine Kenninisse sind so umfassend, sein oft divinatorischer Scharfsinn, seine Combinationsgabe so glän- zend, dass er auf seinem Spezialgebiete die überraschendsten Resulte erreicht hat, aber auch ziem- lich einsam in Rom dasteht. An seinem bulletino di archeologia cristiana ist er selbst nahezu der einzige Mitarbeiter. Von den Ausgrabungen nun in S. Clemente erhalten wir ein interessantes Bild in den Jahrgängen 1863 bis 1865 der eben erwäahnten Zeitschrift, allein leider versiegt diese Ouelle plötzlich, ehe die Ausgrabungen vollendet waren. De Rossi hat näâmlich auf den Abschluss seiner betreffenden Forschungen, sowie auf eine zusammenhängende Darstellung seiner Meinung über die unterirdische Basilika verzichtet, weil der Veranstalter der Ausgrabungen, der Prior der im Besitz der Kirche und des anstossenden Klosters befindlichen irischen Dominikaner, Mullooly, selbst ein Werk über diese Materie zu publiciren im Begriffe stand. Dies Werk wurde 1869 wirk- lich publicirt, gleichzeitig in englischer und französischer Sprache, ein zwar sehr umfangreiches und mit zahlreichen Abbildungen in Photographie geschmücktes Werk, das auch das Thatsächliche recht sorgfältig verzeichnet, allein durch oft recht ungehörige Zusammenstellungen von asketischen Redewendungen, von Citaten aus ältern Kirchenschriftstellern und dem Syllabus Pius IX. eine wenig anziehende Lectüre ist. Die Schlussfolgerungen, die Kritik überhaupt liegt bei ihm sehr im Argen. Selbst da, wo de Rossi ansprechende Hypothesen in seinem bulletino di arch. crist. bereits aufgestellt hatte, sind dieselben ignorirt oder durch abenteuerliche ersetzt, wo de Rossi aber Lücken gelassen hatte, da hat der Prior um so willkürlicher geschaltet. Ausserdem sind noch Arbeiten über die Ausgrabungen vorhanden von Dudik in den Sitzungsberichten der k. k. Akademie zu Wien, mit mehreren Abbildungen, und von Gsell-Fels: Die neuesten Ausgrabungen zu Rom. Hildburghausen 1869, beide wesentlich natürlich auf de Rossi gestützt. Von den mehr oder weni- ger ausführlichen Darstellungen der Reisehandbücher sehe ich ab.

Ehe ich auf diese Ausgrabungen selbst eingehe, ist es nöthig, dass wir uns über die Person des h. Clemens, und über die Baugeschichte der ihm geweihten Kirche wenigstens in etwas orientiren.

ber heilige Clemens Romanus ist für die geschichtliche Betrachtung eine sehr räthselhafte Figur, und zu sehr in das Halbdunkel der Legende gehüllt, als dass man auch nur hoffen dürfte, jemals seine Gestalt in der wünschenswerthen Helligkeit der Geschichte erblicken zu können. Im Briefe Pauli an die Philipper Kap. 4, 3, der ja höchst wahrscheinlich von Rom aus geschrieben ist, wird ein Clemens als Gehülfe des Paulus genannt, welcher denn in der alten Kirche stets für iden- tisch galt mit dem späteren Bischof der römischen Gemeinde, Clemens Romanus. Von diesem Bischof Clemens besitzen wir noch einen Brief an die Corinther, nach welchem Clemens als ein Judenchrist erscheint. Als Apostelschüler rechnet man ihn zu den sogenannten apostolischen Vätern. In der Tradition nun erscheint er nicht als Schüler des Paulus, sondern des Petrus, und als dessen Nachfolger im Papstthum, sei es, dass er ihm unmittelbar folgte, sei es, dass erst noch Linus oder Cletus dazwischen gekommen sein sollen. Weiter heisst es, er sei unter Trajan nach der Halbinsel Chersones(Krim) verbannt worden, dort habe er Wunder gethan und auf seine Ver- anlassung habe sich die Gegend bald mit 75 Kirchen bedeckt. Nun habe Trajan den Aufidianus