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lischen Betrachter, das Borg- und Raubsystem erscheint uns zugleich ärmlich und pietätlos. Nur freilich nahm sich auch eine solche Kirche dereinst dadurch noch reicher und glänzender aus, dass man, wie die Kirchenschriftsteller erzahlen, die kahlen Wände mit kostbaren Teppichen und Vorhängen schmückte. Dazu haben wir uns endlich noch den Glanz zu denken, welchen bereits die altkatholische Kirche in Messgewändern, Fahnen, Kreuzen u. s. w. entfaltete, den hallenden Gesang der Hymnen, und wir haben gewiss kein unwürdiges, ärmliches Ganzes. Aber freilich, dem Romwanderer von heute verschwinden die Basiliken, zumal in ihren bescheidenen Grössen- verhältnissen, von denen nur etwa die vier Prachtbasiliken S. Paolo, S. Lorenzo, S. Giovanni in La- terano, S. Maria maggiore eine Ausnahme machen, gegenüber der Solidität, Grösse und Eigenart der Baureste aus der echten, alten heidnischen Römerzeit, wie gegenüber der Massenhaftigkeit, Eleganz und Pracht der Renaissancebauten. Nur wer die Basiliken selbst durchwandert hat, oft durchwandert, und sie angeschaut mit Pietät gegen unsere christliche Vorzeit, dem offenbaren auch sie ihre eigen- thümliche Schönheit. Unsere Kunsthistoriker schildern denn auch den oben beschriebenen Eindruck der Basiliken auf den Beschauer, ihre ästhetische Gesammtwirkung wesentlich übereinstimmend, besonders anziehend, mit dem ganzen Schmuck seiner schönen, edelen Sprache, Carl Schnaase.
Ist nun aber San Clemente, soweit wir diese Kirche bis hierher haben kennen gelernt, schon mehr als alle andern Basiliken dazu angethan, derlei Emplfindungen in uns zu erregen, unsern Geist lebendig in die urchristliche Zeit zu versetzen(nur Maria in Cosmedin etwa kommt San Clemente darin nahe, nicht gleich), so kommt doch noch ein Umstand hinzu, welcher unserer Kirche in Bezug auf den erwähnten Gesichtspunkt den ersten Rang sichert. Wir sind nämlich durch einen glücklichen Zufall zur Kenntniss, ja zur lebendigen Anschauung des ursprünglichen Baues gelangt.
Es war am 23. November 1869, dem Festtage des h. Clemens, als ich von einigen Freunden begleitet, mit ihnen von einem Strome von Geistlichen, zum Concil anwesenden Bischöfen, Fremden, Equipagen etc. mich fortleiten liess. Alles das strömte nach der unterirdischen Basilika des h. Cle- mens, welche am Todestag des Heiligen dem Publikum geöffnet und durch zahlreiche Lampen er- leuchtet sein sollte. Von der Sakristei aus führte uns eine breite, neu angelegte Treppe hinab in die zwölf Fuss tiefer liegende„basilica sotterranea.“ In der That, wir waren überrascht, denn wir fanden ein Stück Pompeji mitten in Rom, was sonst damals nur noch auf dem Palatin geboten wurde, wo der Leiter der napoleonischen Ausgrabungen, Signor Rosa, in den Kaiserpalästen unlängst meh- rere grosse, prächtig ausgemalte Zimmer entdeckt hatte. Dicht unter dem Gewühl des modernen Lebens, dessen Geräusch bis zu uns herniederdrang, lag da unentweiht, frisch enthüllt, ein Stück christlicher Vorzeit; die Wände waren bedeckt mit Bildern und Inschriften, theilweise so frisch, als sei eben der Pinsel weggelegt worden. Das alles war so neu, wirkte so merkwürdig und anziehend, wir wusslten die seltsamen Dinge und Gemälde da unten gar nicht hinzuthun, so dass ich beschloss, mich soweit als möglich darüber zu orientiren. Das Resultat meiner Nachforschungen lege ich im Folgenden nieder:
Der mühsamen selbständigen Forschung über die älteren Daten der Baugeschichte sind wir zum Glück enthoben durch die Existenz eines dicken Quartanten, einer eingehenden Monographie von Rondinini: De S. Clemente papa et martyre ejusque basilica in Roma, erschienen 1706 zur Zeit Clemens XI, als dieser die Kirche soeben so modernisirt hatte, wie sie jetzt ist.
Die Ausgrabungen der alten Basilika, von deren Dasein man im vorigen Jahrhundert noch keine Ahnung hatte, wurden von de Rossi geleitet, welcher auf dem Gebiete der altchristlichen


