Raum der Basilika heisst das Presbyterium oder Sanotuarium, und war nur für die Priesterschaft beslimmt. Der Altar ist ein einfacher Tisch, oſt sogar eine antike marmorne oder porphyrne Bade- wanne, über welche eine Steinplatte gelegt ist. Ueberbaut ist der Altar durch das Tabernaculum oder Ciborium, einen Baldachin aus Marmor, vier Säulen, darunter wieder zwei aus dem herrlichen violetten pavonazzetto, tragen eine kleine Säulenstellung und darüber ein flaches Giebeldach. Um das Halbrund zieht sich an der Wand her eine Marmorbank für die Priester, und in dem äusserslen Punkte des Bogens, an der hintersten Stelle also der ganzen Kirche, steht, nochmals erhöht, der Bischofsstuhl(cathedra), meist ein marmorner, antiker Sessel. In vielen Kirchen befinden sich unter dem Hauptaltar die Gebeine des Schutzheiligen, anfänglich in einem durchbrochenen Schrein, der die Reliquien sichtbar liess, später meistens in einer unterirdischen Kapelle, Krypta, Confessio, Testimonium oder Memorid genannt. Der Ursprung dieser Sitte mag wohl der sein, dass in den Katakomben eben auch die Grabkammer des Heiligen unter der Erde eine kleine Kapelle bildete, über der Erde aber späterhin ein grösseres Gotteshaus gebaut wurde, um eine grössere Menge von Gläubigen fassen zu können. Es ist bekannt, dass in der spätern Ausbildung des christlichen Bau- styls die Krypta etwas Wesentliches wurde, besonders ja in der romanischen Periode. Keineswegs dagegen bereiis altchristliche Sitte war es, die Apsis und den Altar nach Osten hin zu legen, an- fangs galt vielmehr gerade die Eingangsseite als die Hauptseite und diese war es, welche gern orientirt, d. h. nach Sonnenaufgang blickend angelegt wurde, so auch S. Clemente, aber es herrschte im Allgemeinen darin völlige Freiheit und gerade die Haupikirchen Roms liegen nach den verschie- densten Himmelsgegenden hin. Erst später fasste man die Sache so auf, dass nicht der Eingang, sondern die Apsisseite als die vornehmste betrachtet wurde, weil Sanctuarium und Altar doch eben den geistigen Mittelpunkt, den Zielpunkt für Sinne und Gedanken der Anwesenden bilden sollte, und legte man deshalb die Apsis nach Sonnenaufgang zu. Es war denn auch aus demselben Grunde von Anfang an die Apsis, welche am meisten zu bildlicher Ausschmückung einladen musste. Es ist hier nicht der Ort, die Entwickelung der altchristlichen Malerei näaher zu verfolgen, nur soviel sei bemerkt, dass das Mosaik, welches der Luxus der spaâteren Kaiserzeit so sehr begünstigte, auch von den Christen schon früh zur Ausschmückung ihrer Gotteshäuser angewandt wurde, weil für diese ihnen eben nur das Beste gut genug schien. War die Malerei der ersten vier Jahrhunderte, wie sie uns in den Katakomben erhalten ist, wesentlich symbolisch, sich anlehnend in ihren typi- schen Gestalten an antike Götterfiguren, so bildete sich dagegen im byzantinischen Reiche nach und nach ein spezifisch christlicher, mehr historischer Bildercyclus. Die Symbole, welche blieben, sind klarer und in sich gleichsam historischer, nicht so trüb, so mystisch und willkürlich, wie früher wohl. Der apolloartige, jugendliche Christus mit dem kurzen krausen Haar machte dem Manne Platz, mit länglichen Zügen, schlichtem, langem, in der Mitte gescheiteltem Haar, getheiltem schwachem, Kinnbart, ernstem Ausdruck. Obwohl man mit Nutzen und Geschick sich der bekanntlich ganz ausserordentlich hochstehenden antiken malerischen Technik bediente, entfernten sich doch die Dar- stellungen mehr und mehr von der individuellen Lebenswahrheit. Die Apostel bekamen zunächst feststehende Typen, dann wurden sämmtliche Heiligenſiguren stereotyp. Die Kunst, ihr Antlitz ver- büllend vor dem Leben der Wirklichkeit und Gegenwart um sie her, versenkt in Gestalten nun entschwundener Zeiten, ihre Typen sich aus sich selbst heraus weiter entwickeln lassend, nach den Gesetzen der Logik, ähnlich wie die damalige Theologie des Orients ihre Dogmen, zumal die Lehre von der Person Christi, sich rein logisch aus sich selbst weiter entwickeln liess, ohne stetes Hin- 2
Jahrgang
1873
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