17
wir später ein Beispiel näher zu beschreiben haben, demnach nicht immer architektonisch, sondern nur durch Schranken vom übrigen Raume gesondert war. Der Narthex war der Aufenthalt der Kate- chumenen. Von allen römischen Basiliken nun galt bisher die des h. Clemens für diejenige, welche am treuesten den altchristlichen Typus bewahrt habe. Wenn sich nun auch herausgestellt hat, dass das heutige Gebäude nicht die älteste Anlage ist, so bietet doch wenigstens seine innere Ausschmückung das beste erhaltene Bild eines altchristlichen Gotteshauses, und nachdem wir dessen Typus im All- gemeinen haben kennen gelernt, weiss ich zur Veranschaulichung des Einzelnen keinen bessern Rath, als dass wir uns nunmehr an das concrete Beispiel halten und uns nach San Clemente verfügen.
An der langen geraden Strasse, welche vom Colosseum zum Lateran führt, liegt links in dem Thale zwischen Esquilin und Cælius die mässig grosse Basilika des heil. Clemens. Die Südmauer der Kirche läuft mit der Strasse parallel; den daselbst befindlichen Nebeneingang ignorirend, treten wir durch den von vier antiken Granitsäulen getragenen Porticus von der Ostseite her in das Atrium. Dies ist hier völlig so gebildet, wie vorhin dieser Theil der altchristlichen Basiliken beschrieben wurde. Im Ganzen dienen sechzehn antike Säulen hier zur Stütze der Hallen. Bei dieser Gelegenheit muss ich jedoch eine Anmerkung machen: Die Saulen nämlich sind hei den altchristlichen Basiliken das- jenige, was an ihnen, absolut betrachtet, den grössten Kunstwerth hat. Ist die Schönheit der Ba- siliken immerhin eine relative, eine mehr in der Idee selbst liegende, als in der Ausführung dieser Idee, wie wir weiter unten noch näher werden zu erörtern haben, so ist der Säulenschmuck etwas an sich höchst Werthvolles. Denn es sind eben erborgte Säulen, zusammengetragen aus den damals noch stehenden, aber unbenutzten Göttertempeln und andern Gebäuden der römischen Kaiserzeit. Anfangs war es noch möglich, ganze Garnituren von gleichartigen Säulen zu haben, nach und nach aber begnügte man sich, wenn sämmtliche Säulen der Basilka nur von derselben Ordnung waren, also alle jonisches, korinthisches oder römisches Kapitäl hatten. Noch später war auch das nicht mehr möglich, und so sehen wir in den meisten Basiliken zwar kostbare, aber unharmonische und ganz unorganische Säulen. Da steht eine glatte, da eine cannelirte, da gar eine mit schnecken- hausartig gewundenen Canneluren; hier eine granitene, dort eine alabasterne, eine marmorne, eine porphyrne; hier eine weisse, dort eine graue, schwarze, gelbliche, grünliche, rosarothe, dunkel- rothe; kurz hier sind all die kostbaren bunten Steinarten vertreten, welche das kaiserliche Rom so liebte, und welche es aus allen Theilen des weiten Reichs mit ungeheuren Kosten zusammen- schleppte. Hier eine mit toscanisch-dorischem Kapitäl, dort eine mit jonischem, corinthischem oder römischem; hier eine dicke, dort eine schlanke; da die Säulen ursprünglich oft gar nicht die für ihren neuen Standort nöthige Länge hatten, oder auch zu lang dafür waren, so half man sich hier und da so, dass man die einen absägte oder die Basis in die Erde eingrub, unter die andern aber irgend eine andere, zweite Basis unterlegte, sogar wohl ein Kapitäl als Basis benutzte. Nicht nur die Säulen, auch viele andere herrliche Ornamentstücke sind den heidnischen Bauten geraubt worden, ich erinnere nur an die prächtigen Architravstücke in dem hintern Theil der Lorenzbasilika fuori le mura. So lassen die Basiliken, wie der Mond, erborgten Glanz leuchten, aber wir freuen uns dennoch dieses Glanzes, und wäre es nur deshalb, weil er uns die wunderbare ästhetische Wirkung antiker Säulenreihen kennen lehrt, überhaupt uns die Pracht des kaiserlichen Rom ahnen lässt.
In San Clemente nun sind im Innern sechzehn Säulen, alle jonischer Ordnung, fünf aus parischem, fünf aus numidischem, eine aus schwärzlichem(bigio) Marmor, fünf aus orientalischem


