Jahrgang 
1873
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6 Diese Wände waren ohne Zweifel meistens mit Wandgemälden bedeckt. Wenigstens deuten darauf viele Züge in alten Legenden, Anspielungen in Predigten der Kircheuväter etc. Trauernde und Büssende durften nur bis in diesen Hof kommen; der Brunnen diente zu symbolischen Wa- schungen, und daraus hat sich später der Gebrauch des Weihwassers entwickelt. Dieser Hof hat sich in Rom nur einzig an St. Clemens vollständig erhalten. Er ist eben die Reminiscenz an den Gottesdienst im Privathause; in dem Masse, als sich dies aus dem Bewusstsein verlor, schwand auch der Hof, und es ist bei den meisten späteren Basiliken nur noch die an die Kirche selbst stossende Seite desselben geblieben, in Gestalt einer Säulenvorhalle, Vestibulum. Ehe wir in das Innere treten, werfen wir noch einen Blick auf die äussere Architectur des Gebäudes. Diese ist, wie ja auch die des römischen Privathauses, völlig schmucklos. Die Basilika ist eben wesentlich Innenbau, die Aussen- mauern scheinen nur da, weil ohne sie es ja unmöglich wäre, ein Inneres herzustellen. Einen Glockenthurm finden wir noch nicht. Erst seit dem 8. und 9. Jahrhundert wurde es Sitte, neben die Kirche einen meist ganz freistehenden, in Rom stets viereckigen, oben in viele durchbrochene, säulengestützte Stockwerke getheilten, flach pyramidalisch bedachten Glockenthurm(campanile) hinzustellen. Und nun gelangen wir denn in das Innere der Basilika. Dieselbe bietet etwa fol- genden Anblick: Ein Mittelschiff streckt sich lang hin, über doppelt so lang als breit, Säulen oder Pfeiler mit Säulen wechselnd trennen es nach rechts und links von den schmäleren Seitenschiffen; am Ende des Mittelschiffes befindet sich ein backofenförmiger oder muschelartiger halbrunder Aus- bau, durch ein Gewölbe in Gestalt einer Viertelskugel geschlossen, Apsis, Concha oder Tribuna genannt. Die Seitenschiffe dagegen schliessen meist rechtwinklig ab. Allmählich ward es Sitte, zwischen die Schiffe und die Tribuna noch eine Art von Ouerschiff vorzulagern. Dieses geschah jedoch ohne Rücksicht auf die symbolische Kreuzform der Kirche, welche sich allerdings im Lauf der Zeit daraus bildete, sondern aus gleich zu erwähnenden praktischen Gründen. Das Ouerschiff war anfangs klein und wäre kaum bemerkbar gewesen, wenn nicht an der Stelle, wo es ansetzte, über das Mittelschiff hinüber ein gewaltiger Bogen wäre geschlagen worden, der sogenannte Triumph- bogen, in einer solchen Höhe, dass über dem Bogen bis zur Decke noch eine ansehnliche Mauer sich erhob, welche uebst den durch den Bogen enstandenen Zwickeln ein Hauptort zur Anbringung bildlichen oder musivischen Schmuckes wurde. Das Mittelschiff nun ist von beträchtlicher Höhe; denn die Säulen zwar haben im Allgemeinen nur eine Höhe von 12 20 Fuss; sie tragen aber eine Mauer, welche oft 40 50 Fuss hoch ist. Diese Mauer ist von einer Reihe nicht allzugrosser Fen- steröffnungen unterbrochen und, ein gerade laufendes Gesims ausgenommen, ohne Gliederung. Ihr Druck ist also sehr bedeutend, so dass, um ihm desto wirksamer zu begegnen, selten gerades Ge- bälk die Säulen verbindet(wie z. B. in S. Prassede), sondern meist Bogen, die mehr oder weniger sich einem Halbkreis nähern, von Säule zu Säule geschlagen sind. Diese Bogen setzte man lange Zeit unmittelbar auf den Kapitälern auf, erst später fügte man Kämpfer dazwischen. Die Seitenschiffe sind weit niedriger, so dass die Fenster des Mittelschiffs über ihrem Dach sich beſinden. Nur die wenigen ganz grossen Basiliken haben auf jeder Seite noch ein zweites Seitenschiff, so dass dann fünf parallele Schiffe entstehen. Die Decke war in der Regel wohl eine flache, getäfelte Holzdecke, oder es erschien auch von unten die nackte Holzconstruction des Daches, die Angaben bei einzelnen Kirchenlehrern sind darüber nicht ganz bestimmt. Es wird auch von einem Raum berichtet, der Nartheæ(Naο) hiess; es war der dem Vestibulum parallele Theil der Kirche zunächst dem Eingang, doch ist wahrscheinlich, dass er nicht immer ein förmliches Ouerschiff bildete, wovon