Jahrgang 
1869
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Deutlicher erhellt dies noch aus Folgendem. Viele feſte Körper z. B. Glasſtäbe, Steinchen ꝛc. bewir⸗ ken oft, wenn man ſie in eine überſättigte Löſung taucht, das Erſtarren derſelben. Wenn man ſie jedoch ſorg⸗ fältig von den anhaftenden Staubypartikelchen befreit, ſo ſind ſie immer ohne Wirkung. Die Staubypartikelchen müſſen daher die Veranlaſſung des Erſtarrens ſein. In der That, läßt man in überſättigte Löſungen Staub⸗ partikelchen fallen, ſo erfolgt oft das plötzliche Erſtarren der Löſungen. Während aber der Staub von einer Stelle auf die überſättigte Löſung eines Salzes gar keine Wirkung ausübt, führt er bei den überſättigten Löſungen anderer Salze augenblicklich die Kryſtalliſation herbei. Dieſe Erſcheinung beweiſt vollkommen unſere obige Behauptung, daß die das Erſtarren der überſättigten Löſungen bewirkenden feſten Partikelchen oft oder vielleicht immer von verſchiedener Art ſind.

Einen weiteren Schluß über die Natur derſelben können wir aus folgender Erſcheinung ziehen.

Wenn wir die Luft zuerſt in Waſſer waſchen, ehe wir ihr den Zutritt zu einer überſättigten Löſung geſtatten, ſo findet bei gehöriger Vorſicht niemals ein Erſtarren der überſättigten Löſung ſtatt. Das Waſſer muß alſo die feſten Partikelchen, welche das Erſtarren bewirken, zurückgehalten haben. Fügen wir von dem Waſſer, in welchem wir die Luft gewaſchen haben, etwas zu der überſättigten Löſung, ſo findet, eine wie große Menge von Luft man auch in dem Waſſer gewaſchen hat, nie eine Krrſtalliſation ſtatt.

Wäſcht man ferner Staub, der die Eigenſchaft hat, die überſättigte Löſung eines Salzes zum Erſtarren zu bringen, in Waſſer ab, ſo verliert er dieſe Eigenſchaft vollkommen. Ebenſo erhält auch hier das Waſſer durchaus nicht die Eigenſchaft die Kryſtalliſation zu bewirken.

Hieraus ergibt ſich, daß die das Erſtarren der überſättigten Löſungen bewirkenden feſten Partikelchen ſich entweder im Waſſer ganz auflöſen, oder daß doch wenigſtens ihre Natur durch das Waſſer vollſtändig verändert wird. In Alkohol und Aether ſind ſie meiſtens unlöslich, manchmal jedoch löslich. Bei denjenigen Salzen, welche in Alkohol resp. Aether löslich ſind, ſind auch die Partikelchen, welche das Erſtarren der über⸗ ſättigten Löſungen dieſer Salze bewirken können, löslich, bei denjenigen Salzen jedoch, die in Alkohol resp. Aether unlöslich ſind, ſind auch die das Erſtarren bewirkenden Partikelchen in Alkohol resp. Aether unlöslich. Wäſcht man z. B. Staub in Alkohol ab und fügt ihn zu der überſättigten Löſung eines in Alkohol unlösli⸗ chen Salzes, ſo findet ein Erſtarren ſtatt, wenn der Staub vor dem Abwaſchen die Eigenſchaft gehabt hat, die Kryſtalliſation dieſer überſättigten Löſung zu bewirken. Der gewöhnliche Alkohol und Oele haben ſchon ſehr oft von ſelbſt die Eigenſchaft, überſättigte Löſungen zur plötzlichen Kryſtalliſation zu bringen, beſonders wenn ſie längere Zeit im Laboratorium geſtanden haben. Dieſe Erſcheinung hat einige Chemiker zu der Behaup⸗ tung veranlaßt, daß Alkohol und Oele ſelbſt das Erſtarren bewirkten. Dieſes iſt aber offenbar ein Irrthum, da die Kryſtalliſation nur durch Staubpartikelchen hervorgerufen wird, welche im Alkohol und in den Oelen ſind. Denn vollſtändig gereinigter Alkohol und vollſtändig gereinigte Oele bewirken die Kryſtalliſation von überſättigten Löſungen niemals. Bei Oelen kann man die vollſtändige Reinigung von den die Kryſtalliſation bewirkenden Staubpartikelchen einfach dadurch erreichen, daß man die Oele in Waſſer wäſcht, da ſich dann die betreffenden Partikelchen im Waſſer auflöſen.

Auch durch genügendes Erhitzen verliert der Staub die Eigenſchaft, überſättigte Löſungen zum Kryſtal⸗ liſiren zu bringen z. B. verliert der Staub bei circa 350 die Eigenſchaft, eine überſättigte Löſung von ſchwe⸗ felſaurem Natron zum Erſtarren zu bringen, wenn er auch vorher dieſe Eigenſchaft gehabt hat.

Bei anderen Salzen iſt eine höhere Erwärmung nothwendig. Nach den Unterſuchungen von Violette verliert der Staub z. B. erſt bei 1080 die Eigenſchaft, überſättigte Löſungen von ſchwefelſaurer Magneſia zum Erſtarren zu bringen.

Unſere Unterſuchungen haben uns bis jetzt alſo zu dem Reſultate geführt, daß das plötzliche Kryſtalli⸗ ſiren überſättigter Salzlöſungen durch feſte Körperchen bewirkt wird, welche mit der Löſung in Berührung kommen; von dieſen Körperchen haben wir gefunden, daß ſie bei verſchiedenen Salzen verſchieden ſind, für ein⸗