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der überſättigten Löſung die nöthige Vorſicht angewandt und verhindert hat, daß in der Löſung oder an den Wänden des Gefäßes, in dem man die überſättigte Löſung aufbewahrt, Kryſtalle von dem in Löſung beſindli⸗ chen Salze oder Staubpartikelchen zurückbleiben.
Nachdem man erkannt hatte, daß ſich auf die beſagte Weiſe das Erſtarren der überſättigten Salzlöſun⸗ gen nicht erklären ließe, führte man als Grund derſelben die Waſſerdämpfe der atmoſphäriſchen Luft, oder Gasarten, die in der Luft enthalten ſind, oder die Stellung der Gefäße ꝛc. an, ohne durch eine ſolche Hypo⸗ theſe alle Erſcheinungen erklären zu können.
In neuerer Zeit haben eine Reihe von Gelehrten die Behauptung aufgeſtellt, daß das Erſtarren der überſättigten Salzlöſungen durch den Fall von feſten Körperchen aus der atmoſphäriſchen Luft in die Löſung veranlaßt werde. Ehe ich die Gründe anführe, welche jene zu dieſer Behauptung bewogen, will ich einen Ver⸗ ſuch erwähnen, der mir ſchon vollkommen die Wahrheit der Behauptung jener zu beweiſen ſcheint. Ich füllte gegen 15 Kolben von verſchiedener Größe bis zur Hälfte mit überſättigter Löſung von ſchwefelſaurem Natron und ſtellte ſie geöffnet dicht neben einander in verſchiedenen Lagen auf. Ich bemerkte nun, daß nach einiger Zeit die Löſung in einigen Kolben erſtarrte, während ſie in dicht dabei ſtehenden Kolben unverändert blieb.
Im Verlaufe von mehreren Stunden waren der Reihe nach alle Löſungen bis auf drei erſtarrt; von dieſen erſtarrte eine am folgenden und die beiden anderen erſt am dritten Tage. Die Reihenfolge, in welcher die Löſungen erſtarrt waren, war ganz unabhängig von der Stellung und Größe der Kolben und der Größe ihrer Oeffnung, und das Erſtarren erfolgte, ohne daß irgend eine Regelmäßigkeit zu erkennen war. Dieſelben Kolben mit derſelben überſättigten Löſung auf dieſelbe Weiſe ein zweites Mal aufgeſtellt zeigten ein ganz ver⸗ ſchiedenes Verhalten. Das Erſtarren der in ihnen enthaltenen überſättigten Löſungen erfolgte in ganz ver⸗ ſchiedener Reihenfolge und in ganz verſchiedenen Zeiträumen. Dieſer Verſuch ſcheint mir vollkommen zu bewei⸗ ſen, daß erſtens keine phyſikaliſchen Einflüſſe das Erſtarren bewirken; zweitens daß nicht die Größe, Stellung und Lage der Gefäße; drittens daß auch keine gas⸗ oder dampfförmigen Subſtanzen, die in der atmoſphäriſchen Luft enthalten ſind, das Erſtarren veranlaſſen.
Im erſten und zweiten Falle müßte nämlich eine Geſetzmäßigkeit zu erkennen ſein und im dritten müßte das Erſtarren ſich auch über die naheſtehenden Kolben ſogleich verbreiten, wenn es in einem erfolgt iſt, weil Gaſe und Dämpfe meiſtens in der Luft nicht einen ſo beſchränkten Raum einnehmen, daß ſie in einen Kolben eindringen können, während ein dicht dabeiſtehender von ihnen unberührt bliebe.
Da ferner das Erſtarren in verſchloſſenen Gefäßen nicht erfolgt, ſo muß die Veranlaſſung des Erſtar⸗ rens nothwendig irgend ein feſter Körper ſein, der in der atmoſphäriſchen Luft enthalten iſt und mit der überſättigten Löſung in Berührung kommt.
Ein ſchlagender Beweis hierfür iſt ferner noch der Umſtand, daß das Erſtarren von überſättigten Lö⸗ ſungen nicht erfolgt, wenn man der Luft den Zutritt zur Löſung nur geſtattet, nachdem man ſie durch Baum⸗ wolle filtrirt hat. Es bleiben in der Baumwolle nämlich alle feſten Körperchen hängen, und nur die gas— und luftförmigen Beſtandtheile können zur Löſung eindringen. Ueberhaupt kann man das Erſtarren von über⸗ ſättigten Löſungen durch alle diejenigen Mitteln verhindern, welche Paſteur in ſeinen bekannten Verſuchen anwandte, um die Gährung und Fäulniß von Subſtanzen zu verhindern. So erfolgt z. B. das Erſtarren nicht, wenn man der Luft den Zutritt zur überſättigten Löſung nur durch eine mehrmals gekrümmte oder nach der Erde hin gebogene, nicht allzu dicke Glasröhre geſtattet. Es können nämlich die in der Luft ſuspen⸗ dirten Partikelchen, welche das Erſtarren bewirken, ebenſo wie die Stoffe, welche Gährung und Fäulniß ver⸗ anlaſſen, durch ſolche Röhren nicht in die Flaſche eindringen, weil ſie wegen ihrer Schwere in den Röhren, die durch ihre Krümmung vor Luftzug geſchützt ſind, nicht emporſteigen können oder doch an den Wänden derſelben hangen bleiben.


