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Es iſt auf unſerem knapp zugemeſſenen Raume nicht möglich, allem Einzelnen der Verwaltung, der Finanzen, der Rechtspflege zu folgen; daß Alexander es ſich angelegen ſein ließ, die Güter einer gerechten und guten Verwaltung, deren die Unterworfenen vor Allem bedurften, ſeinen Völkern angedeihen zu laſſen, beweiſt das ſtrenge Strafgericht, das nach dem indiſchen Feldzuge über ſeine ungetreuen Haushalter erging. Wir weiſen nur auf die drei großen Einheits⸗ und Ausgleichungsmittel hin, deren Alexander und zwar mit bewußter ſchöpferiſcher Kraft ſich bediente: das Heer, den Handelsverkehr und die Civiliſation.
Es iſt ein wohl durchdachtes Wort Napoleons: qu' y-a-t-il de plus peuple qu' une armée; und es iſt eine bekannte Sache, daß das Standesgefühl in dieſem künſtlichen Organismus, der durch Sitte, Tracht, gemeinſame Thaten und gemeinſame Standesintereſſen zuſammengehalten wird, zu einer Art Nationalgefühl ſich geſtaltet, das ſich dem auf gemeinſamer Abſtammung beruhenden Nationalgefühl häufig überlegen erwieſen hat. Während die Perſer ihre odioſe Ariſtokratie vor Allem im Heere beibehielten, und doch mit dem trägen Hochmuth von Barbaren jedem Volk die eignen Waffen und die geſonderten Aufgebote ließen, eröffnete Alexander, ſobald er dazu die Macht hatte, den Beſiegten die gleiche Bahn der Ehre wie den Siegern. Anfangs geſellte er dem Heere nur barbariſche Hülfscontingente bei(Arr. 5, 12, 2; 21, 2; 6, 1, 6 auf der Flotte Phönicier, Cyprier, Carier, Aegypter); nach der Rückkehr aber ſchuf er das Corps der Epigonen, welches viel mit den Janitſcharen des osmaniſchen Reichs gemein hat, ¹⁰) ſtellte Barbaren in die Hetärenreiterei ein, nahm eine Anzahl der Vornehmſten in ſein Agema auf, und combinirte 20,000 Barbaren mit 6000 Macedoniern zu einem Corps(7, 6; 23, 3. 4); und obwohl Bewaffnung und Exercitium macedoniſch war, ſo waren den Barbaren doch auch die höheren Stellen zugänglich(7, 11, 1). Wie fruchtbar für die Reichseinheit dieſes Heer noch hätte werden können, läßt ſich gar nicht ausdenken: eine große Amalgamirungswerkſtätte für alle Völker des Reichs, ein großer Herd für eine ausgleichende Civiliſation, ein Werkzeug mehr der Belebung als der Zerſtörung ſollte es nach Alexanders Plan werden.
Zugleich eröffnete ſich dem militäriſchen Ehrgeiz ein unendliches Feld: der Söldner, der in dieſes Königs Dienſte trat, ſah Ehrenſtellen, reichlichen Lohn, goldene Kränze, eine reiche Provinz, eine große Feld⸗ herrnſtellung vor ſich. Das Heer war äußerlich und innerlich ein anderes geworden: es war jetzt ein voll⸗ kommen dienſtbares Werkzeug der Reichseinheit. Aber mehr als dieſes und ähnliche äußerliche Mittel und Werkzeuge förderte der Handel jenes Gefühl der Zuſammengehörigkeit unter den Bevölkerungen, die in Ale⸗ randers Reich beiſammenwohnten. Wie ſehr ſchon im Beginn der Handel den Spuren von Alexanders Zügen folgte, würde aus den gelegentlichen Notizen(Arr. 6, 22, 4 z. B.) folgen, wenn es nicht ſchon in der Natur der Sache läge. Der Kaufmann ſah einen langen unermeßlichen Handelsweg ſich dehnen, geſichert durch eine ſtarke Regierungsmacht, die in Einer Hand vereinigt war: von Cyrene bis zur Grenze der ſeythiſchen Steppen, von Athen, von Epheſus, von Milet bis Babylon, dann den Euphrat hinab an der Seeküſte hin bis zu den Indusmündungen mitten ins Herz der produktenreichſten Länder; ſichere Straßen zu Land und See; eine Menge baaren Geldes, aus allen Verſtecken hervorſtrömend; Eine Münze; Eine Sprache, allerwärts verſtanden oder leicht gedolmetſcht; ſichere und bequeme Stationen, kurz alle Hülfsquellen zugänglich und in nie zuvor geſehener Fülle ſtrömend. Der Lurus des Hofes, der ſchnell reich gewordenen Krieger, der leichte Austauſch der verſchiedenartigſten Produkte(Arr. 4, 25, 4) mußte nothwendig die Induſtrie großartig beleben, und daß dies nicht bloß eine zufällige und natürliche, ſondern auch eine gewollte und gewußte Folge von Alexanders Eroberungszügen war, iſt in den beſten unſerer Quellen wiederholt ausgeſprochen. Es geht hervor aus der eben angeführten Stelle(Arr. 4, 25 die Verpflanzung der indiſchen Rinder nach Macedonien); aus den großen Entdeckungsfahrten Arr. 7, 20; 10, 21; den großen Arbeiten zu Babylon, und den Planen, die Küſtengegenden des perſiſchen Meerbuſens in ein zweites Phönicien zu verwandeln(Arr. 7, 19); aus den genauen ſtatiſtiſchen
¹⁰) Man vergleiche Arr. 7, 6, 1 mit Ranke, Fürſten und Völker von Südeuropa I, p. 8 ff. Die militäriſche Seite der Einrichtungen iſt von Rüſtow und Köchly p. 259 ff. beſprochen.
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